Energie, Regierung

Paris gleicht einer Trutzburg: Um neue Gewalt bei «Gelbwesten»-Protesten zu verhindern, sind Tausende Polizisten in der Stadt im Einsatz.

08.12.2018 - 16:44:05

Barrikaden und Tränengas - Krawalle bei «Gelbwesten»-Demos in Frankreich und Belgien. Sogar Panzerfahrzeuge stehen bereit. Dennoch kommt es wieder zu Zusammenstößen - und das nicht nur in Frankreich.

  • Vorbereitung - Foto: Bertrand Combaldieu/AP

    Mit Holzplatten werden die Fenster einer Bank in der Nähe des Champs-Elysees in Paris gesichert. Foto: Bertrand Combaldieu/AP

  • Polizeifahrzeuge - Foto: Sabine Glaubitz

    Polizeifahrzeuge vor dem Pariser Museum Grand Palais. Foto: Sabine Glaubitz

  • Bankfiliale in Paris - Foto: Christian Böhmer

    Handwerker sichern in Paris eine Bankfiliale in der Nähe der Oper mit Holzplatten. Foto: Christian Böhmer

  • Proteste in Frankreich - Foto: Thibault Camus/AP

    Mit Blut bedeckt: Ein Demonstrant der Gelbwesten wurde bei den Protesten verletzt. Foto: Thibault Camus/AP

  • Wut - Foto: Claude Paris/AP

    Volkszorn: Die Protestbewegung begann als Widerstand gegen eine Steuererhöhung für Kraftstoff, dehnte sich aber schnell aus. Foto: Claude Paris/AP

  • Annäherung - Foto: Claude Paris/AP

    Entspannter Moment: Ein Demonstrant bietet einem Polizisten an, doch auch eine gelbe Warnweste zu nehmen. Foto: Claude Paris/AP

  • Stau - Foto: Bob Edme/AP BC

    Die Gelbwesten machen dicht: Stau auf der spanischen Seite der französisch-spanischen Grenze in Biriatou. Foto: Bob Edme/AP BC

  • Blockade - Foto: Bob Edme/AP BC

    Demonstranten der «Gilets Jaunes» (Gelbwesten) blockieren eine Straße nahe der französisch-spanischen Grenze in Biriatou. Foto: Bob Edme/AP BC

  • Schlagstockeinsatz - Foto: Thibault Camus/AP

    Schlagstockeinsatz bei den Protesten der «Gelbwesten» in Paris: 8000 Polizisten und andere Ordnungskräfte waren im Einsatz. Foto: Thibault Camus/AP

  • Tränengas - Foto: Rafael Yaghobzadeh/AP

    Zusammenstoß mit der Staatsmacht: Demonstranten rennen in Paris durch einen dichten Tränengasnebel. Foto: Rafael Yaghobzadeh/AP

  • Triumphbogen - Foto: Michel Euler/AP

    Polizisten und Räumpanzer vor dem Pariser Triumphbogen. Foto: Michel Euler/AP

  • Proteste in Frankreich - Foto: Rafael Yaghobzadeh/AP

    Schwarz-bunt: Polizisten mit farbverschmierten Schutzschildern beobachten den Protest der «Gilets Jaunes» in Paris. Foto: Rafael Yaghobzadeh/AP

  • Flucht - Foto: Demonstranten flüchten vor dem Tränengasnebel. Foto: Rafael Yaghobzadeh/AP

    Demonstranten flüchten vor dem Tränengasnebel. Foto: Rafael Yaghobzadeh/AP

  • Champs-Élysées - Foto: Rafael Yaghobzadeh/AP

    Tausende Demonstranten in gelben Warnwesten sind auf den Champs-Élysées zusammengekommen. Foto: Rafael Yaghobzadeh/AP

  • Proteste in Paris - Foto: Rafael Yaghobzadeh/AP

    Ein Polizist legt auf den Champs-Elysees eine Tränengaspistole an. Foto: Rafael Yaghobzadeh/AP

  • Wasserwerfer - Foto: Christian Böhmer

    Schweres Gerät: Ein Wasserwerfer wartet hinter Bereitschaftspolizisten auf dem Boulevard des Capucines. Foto: Christian Böhmer

  • Tränengas - Foto: Michel Euler/AP

    Polizisten setzen Tränengas gegen Demonstranten in Paris ein. Foto: Michel Euler/AP

Vorbereitung - Foto: Bertrand Combaldieu/APPolizeifahrzeuge - Foto: Sabine GlaubitzBankfiliale in Paris - Foto: Christian BöhmerProteste in Frankreich - Foto: Thibault Camus/APWut - Foto: Claude Paris/APAnnäherung - Foto: Claude Paris/APStau - Foto: Bob Edme/AP BCBlockade - Foto: Bob Edme/AP BCSchlagstockeinsatz - Foto: Thibault Camus/APTränengas - Foto: Rafael Yaghobzadeh/APTriumphbogen - Foto: Michel Euler/APProteste in Frankreich - Foto: Rafael Yaghobzadeh/APFlucht - Foto: Demonstranten flüchten vor dem Tränengasnebel. Foto: Rafael Yaghobzadeh/APChamps-Élysées - Foto: Rafael Yaghobzadeh/APProteste in Paris - Foto: Rafael Yaghobzadeh/APWasserwerfer - Foto: Christian BöhmerTränengas - Foto: Michel Euler/AP

Paris - Bei Demonstrationen der «Gelbwesten» ist es in Paris erneut zu Ausschreitungen und Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. In Paris war am Samstag ein massives Aufgebot an Sicherheitskräften im Einsatz, um erneute gewalttätige Krawalle zu verhindern.

Am Nachmittag spitzte sich die Lage jedoch zu. Wieder brannten Autos, Geschäfte wurden angegriffen, Demonstranten versuchten, Barrikaden zu errichten. Auch in Belgien und den Niederlanden gingen Menschen in Warnwesten auf die Straße.

In Frankreich nahmen die Proteste jedoch wieder das größte Ausmaß an. Landesweit hätten sich bis zum Samstagmittag rund 31 000 Menschen an den Protesten beteiligt, berichtete der Sender France Info unter Berufung auf das Innenministerium. Davon seien 8000 in der Hauptstadt Paris gezählt worden. Im ganzen Land habe es rund 700 Festnahmen gegeben. Es ist das vierte Wochenende in Folge, an dem die Bewegung der «Gelben Westen» in Frankreich massiv auf die Straße geht.

Dieses Mal griff die Polizei schon vor Beginn der Proteste in Paris durch: Bereits am Morgen wurden mehrere Hundert Menschen festgenommen. Grund sei in den meisten Fällen gewesen, dass die Menschen sich einer Gruppe angeschlossen hätten, die «Gewalt gegen Personen oder die Zerstörung von Gegenständen» vorbereitet habe, hieß es bei der Polizei. Bis zum Nachmittag stieg die Zahl der Festnahmen in Paris demnach auf mindestens 600 - mehr als am gesamten vergangenen Samstag.

Dennoch kam es ab dem Mittag in der Hauptstadt vermehrt zu Spannungen und Zusammenstößen mit der Polizei. Vielerorts lag Rauch und Tränengas-Dunst in den Straßen. Demonstranten rissen auf dem Prachtboulevard der Champs-Élysées Holzbretter herunter, die Schaufenster von Geschäften schützen sollten, wie der Sender BFMTV berichtete. Einzelne Läden wurden demnach geplündert. Im Zentrum der Stadt gingen wieder Autos in Flammen auf. Vereinzelt setzte die Polizei in der Innenstadt Wasserwerfer ein, um Demonstranten zurückzudrängen, die versuchten, Barrikaden zu errichten.

Premierminister Édouard Philippe sprach von einem «außergewöhnlichen» Sicherheitskonzept. In der Hauptstadt waren am Samstag nach früheren Angaben des Premiers 8000 Polizisten und andere Ordnungskräfte im Einsatz. Die Polizei kontrollierte Taschen und Rucksäcke von Passanten und war mit Pferdestaffeln unterwegs. Auch gepanzerte Fahrzeuge der Gendarmerie waren erstmals im Zuge der «Gelbwesten»-Proteste im Einsatz.

Der Innenminister habe die Sicherheitskräfte angewiesen, nach den Krawallen der Vorwoche ihre Strategie anzupassen, sagte eine Sprecherin der Polizei im Sender France Inter. «Die Idee für uns ist wirklich, die friedlichen Demonstranten (...) von anderen, möglicherweise feindseligeren Demonstranten, Plünderern und Randalierern zu trennen.»

Bereits am vergangenen Wochenende war es in Paris und anderen Städten zu Krawallen gekommen. Geschäfte wurden geplündert, der Triumphbogen wurde stark beschädigt. Die Regierung legte wegen der Proteste der «Gelbwesten» die geplante Steuererhöhung für Benzin und Diesel bereits auf Eis. Die Wut der Protestbewegung hatte sich einst an diesem Vorhaben entzündet - mittlerweile reichen die Forderungen viel weiter: von mehr Steuergerechtigkeit über mehr Kaufkraft bis hin zum Rücktritt Macrons.

Im Zentrum der Hauptstadt blieben am Samstag zahlreiche Metrostationen auf Geheiß der Polizei geschlossen - die Bahnen hielten nicht an, sondern fuhren einfach durch. Etliche Geschäfte im Zentrum der Stadt öffneten mitten in der Vorweihnachtszeit nicht für ihre Kunden - darunter auch berühmte Kaufhäuser wie die Galeries Lafayette.

Auch viele Sehenswürdigkeiten in Paris blieben geschlossen, darunter zahlreiche Museen und das Wahrzeichen der Stadt, der Eiffelturm. Am Morgen war es dort menschenleer - Touristen standen dort nicht wie üblich Schlange. Die Stimmung in der Innenstadt war angespannt - Hubschrauber kreisten über dem Zentrum. Teilweise irrten Touristen umher, die nicht mitbekommen hatten, dass die großen Kaufhäuser geschlossen haben.

In zahlreichen anderen Städten Frankreichs demonstrierten ebenfalls «Gelbe Westen» - zum Großteil friedlich, wie verschiedene Medien berichteten. Wieder wurden mehrere Autobahnen im Land bei dem Protest blockiert. Die Polizei kontrollierte bis zum frühen Nachmittag nach eigenen Angaben mehr als 5000 Menschen auf den großen Verkehrsachsen und an Mautstellen.

Im Nachbarland Belgien wurden bei «Gelbwesten»-Protesten nach Angaben der Polizei rund 100 Menschen festgenommen. Vor allem im Europaviertel kam es zu Zusammenstößen von Protestierenden mit der Polizei. Rund 500 Demonstranten seien bis vor die EU-Gebäude in der Innenstadt gezogen, die von der Polizei abgeriegelt worden seien, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Einem kleinen Teil der Gruppe sei es gelungen, die Barrikade zu durchbrechen. Dabei seien Flaschen und ein Wegweiser auf Polizisten geworfen worden. Diese hätten mit Tränengas reagiert.

Zeitgleich besetzten mehrere Hundert «Gelbwesten» einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Brüsseler Europaviertel. Die Polizei ging mit Wasserwerfern gegen die Straßenbesetzer vor. In kleinerem Umfang gab es auch in den Niederlanden Protestaktionen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Macron geht mit Zugeständnissen auf Protestbewegung zu. In einer Fernsehansprache kündigte er an, dass der monatliche Mindestlohn um 100 Euro angehoben wird. Beschäftigte sollen außerdem eine jährliche Prämie erhalten, wenn der Arbeitgeber dazu in der Lage ist. Geplant ist auch, auf Überstunden künftig weder Steuern noch Sozialabgaben zu erheben. Ob die Zugeständnisse der «Gelbwesten»-Bewegung ausreichen werden, ist unklar. Paris - Mit Zugeständnissen in der Sozialpolitik versucht der französische Präsident Emmanuel Macron, die «Gelbwesten»-Krise in den Griff zu bekommen. (Politik, 11.12.2018 - 04:52) weiterlesen...

Präsident unter Zugzwang - Macron kommt «Gelbwesten» nach Massenprotesten entgegen Dieses Mal soll es der große Wurf sein - und das muss es wohl auch: Präsident Macron geht einen großen Schritt auf die «Gelbwesten» zu. (Politik, 10.12.2018 - 20:38) weiterlesen...

Präsident unter Zugzwang - Macron muss in der «Gelbwesten»-Krise Antworten geben Die bisherigen Zugeständnisse haben ganz offensichtlich nicht gereicht: Der Protest der «Gelbwesten» in Frankreich reißt nicht ab. (Politik, 10.12.2018 - 17:30) weiterlesen...

Macron sucht nach «Gelbwesten»-Protesten Ausweg. Am Vormittag empfing der Staatschef Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft im Élyséepalast. Dabei sollte Medienberichten zufolge auch über milliardenschwere Steuer- und Abgabenerleichterungen gesprochen werden. Am Abend will sich Macron von seinem Amtssitz aus an die Franzosen wenden. Nach erneuten gewaltigen «Gelbwesten»-Krawallen und Ausschreitungen am Wochenende steht Macron unter Zugzwang. Paris - Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sucht einen Ausweg aus der seit Wochen andauernden «Gelbwesten»-Krise. (Politik, 10.12.2018 - 14:48) weiterlesen...

Macron will in «Gelbwesten»-Krise Antworten geben. Das bestätigten Élysée-Kreise. Zuvor hatten unter anderem Vertreter der «Gelben Westen» und die Opposition Antworten des Staatschefs gefordert. Nach erneuten «Gelbwesten»-Protesten mit Krawallen und Ausschreitungen am Wochenende steht Macron unter Zugzwang. In ganz Frankreich waren erneut weit mehr als 100 000 Menschen auf die Straßen gegangen, um für mehr Steuergerechtigkeit und höhere Kaufkraft zu demonstrieren. Paris - In der seit Wochen andauernden «Gelbwesten»-Krise will sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Abend öffentlich äußern. (Politik, 10.12.2018 - 07:42) weiterlesen...

Warten auf Vorschläge - Macron will in «Gelbwesten»-Krise Antworten geben. Am Montagabend werden alle Augen auf den Élyséepalast gerichtet sein. Was tun, um weitere Krawalle und «Gelbwesten»-Demonstrationen zu verhindern? Ganz Frankreich wartet ungeduldig auf Vorschläge von Präsident Emmanuel Macron, die die wochenlange Krise beenden könnten. (Politik, 10.12.2018 - 07:02) weiterlesen...