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Staatsoberhaupt, International

Normalerweise wendet sich Macron in TV-Ansprachen an die Bürger.

14.07.2020 - 16:12:10

Feierlichkeiten zum 14. Juli - Macron warnt vor Arbeitslosigkeit. Fernsehinterviews sind höchst ungewöhnlich - doch dafür entschied sich der 42-Jährige am Nationalfeiertag. Und dabei hat er nicht nur gute Nachrichten für seine Landsleute.

  • Nationalfeiertag in Frankreich - Foto: Ludovic Marin/AFP/dpa

    Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, und Francois Lecointre, Chef des französischen Generalstabs, inspizieren Truppen vor der Militär-Feier. Foto: Ludovic Marin/AFP/dpa

  • Nationalfeiertag in Frankreich - Foto: Christophe Ena/AP/dpa

    Emmanuel Macron (r), Präsident von Frankreich, und Jean Castex, Premierminister von Frankreich, inspizieren Truppen vor der Militär-Feier. Foto: Christophe Ena/AP/dpa

Nationalfeiertag in Frankreich - Foto: Ludovic Marin/AFP/dpaNationalfeiertag in Frankreich - Foto: Christophe Ena/AP/dpa

Paris - Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die Französinnen und Franzosen auf eine wirtschaftlich harte Zeit nach der Coronavirus-Krise eingeschworen.

«Wir werden einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit erleben», sagte Macron in einem Fernsehinterview zum französischen Nationalfeiertag. Gleichzeitig will der Präsident noch tiefer in Tasche greifen und stellte ein umfassendes Konjunkturprogramm in Aussicht.

Der Staatschef dankte am Vormittag bei den Feierlichkeiten zum 14. Juli auch den Pflegekräften für ihren Einsatz während der Krise. Wegen Corona fiel die übliche Militärparade erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs aus. Im Anschluss gab er ein Interview.

Macron erklärte in dem mehr als eine Stunde dauernden Gespräch, dass es Schätzungen zufolge im Frühjahr 2021 rund 800.000 bis eine Million Arbeitslose geben werde. Um Arbeitsplätze zu erhalten, müsse weiterhin investiert werden. Macron sprach sich außerdem für ein langfristiges System von Teilzeitarbeit aus. Das französische Konjunkturprogramm werde mindestens 100 Milliarden Euro schwer sein, sagte der 42-Jährige. Hinzu kämen noch 460 Milliarden Euro, die bereits seit Beginn der Epidemie als Unterstützung der Wirtschaft zugesagt wurden.

Der Staatschef bekräftigte, dass die Regierung an der umstrittenen Rentenreform festhalten wolle. Er räumte jedoch ein, dass diese nicht in der Form wie vor der Gesundheitskrise geplant umgesetzt werden könne. «Sie muss wieder diskutiert und verhandelt werden.» Im Dezember und Januar wurde gegen die Reformpläne in Frankreich wochenlang protestiert - es kam zu Bahnstreiks, die das Land lähmten. Die Rentenreform gilt als eines der Prestigeprojekte Macrons. Vorrang hätten derzeit aber andere Themen, räumte der Staatschef ein.

«Ich bin überzeugt, dass wir innerhalb von zehn Jahren ein anderes Land aufbauen können.» Andere Wege, «neue Methoden» sollen dem Staatschef zufolge mit dem erst vor kurzem neu vorgestellten Kabinett möglich gemacht werden. Dass die französische Regierung unter Premierminister Jean Castex weiter nach rechts gerückt sei, wies Macron zurück. Er glaube an die «politische Überwindung» solcher Kategorien. Macron gestand jedoch ein, dass sich das Land in einer Vertrauenskrise befinde. Frankreich habe «im Grunde Angst», sagte er.

Mit Blick auf die Corona-Pandemie stellte der Präsident strengere Regeln in Aussicht. Er sprach sich für eine Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen aus. Es gebe Anzeichen dafür, dass das Coronavirus in Frankreich wieder etwas aktiver werde, sagte Macron. Aber dieses Mal werde das Land auf ein Wiederaufleben vorbereitet sein. Frankreich ist von der Corona-Krise mit rund 30 000 Toten hart getroffen.

Den «Helden der Krise» waren auch die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag gewidmet. Statt einer großen Militärparade auf den Champs-Élysées gab es nur eine abgespeckte Version auf der Place de la Concorde im Herzen von Paris. Die Pflegekräfte standen im Zentrum der Zeremonie, ihr Einsatz während der Krise wurde besonders gewürdigt. Auf den Tribünen waren zahlreiche Pflegekräfte, Ärztinnen, Ärzte - aber auch Sicherheitskräfte, Feuerwehrleute oder Lehrkräfte.

Frankreich dankte mit der Zeremonie auch den Partnerländern Deutschland, Österreich, Luxemburg und Schweiz, die im Frühjahr Corona-Patienten aus Ostfrankreich behandelt hatten. Diese Region war besonders schlimm von der Pandemie betroffen.

Aus Deutschland war Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angereist. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der Ministerpräsident des Saarlands, Tobias Hans, und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (alle CDU) waren gekommen. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus war ebenfalls nach Paris gereist.

© dpa-infocom, dpa:200714-99-780554/7

@ dpa.de