Leute, Film

New Yorker Ermittler hatten Harvey Weinstein schon 2015 im Visier.

12.10.2017 - 12:32:06

Hollywood-Sexskandal - Vorwürfe gegen Weinstein werden zum Thema für Strafverfolger. Klage erhoben sie aber nicht gegen den Hollywood-Mogul - trotz einer belastenden Tonaufnahme. Bleibt es dabei? Derweil schildern immer mehr Top-Schauspielerinnen, wie es ihnen mit Weinstein erging.

  • Harvey Weinstein - Foto: Paul Buck

    Der Druck auf Hollywood-Mogul Harvey Weinstein wird immer größer. Foto: Paul Buck

  • Harvey Weinstein und Georgina Chapman - Foto: Ian Langsdon

    Ehefrau Georgina Chapman trennte sich von Harvey Weinstein. Foto: Ian Langsdon

Harvey Weinstein - Foto: Paul BuckHarvey Weinstein und Georgina Chapman - Foto: Ian Langsdon

Los Angeles/New York - Nach den massiven Vorwürfen gegen Harvey Weinstein von sexueller Belästigung bis zur Vergewaltigung wird der Filmproduzent auch für die Strafverfolger wieder zum Thema. Ob erneut Ermittlungen gegen den 65-Jährigen aufgenommen werden, war zunächst unklar.

New Yorks Staatsanwalt Cyrus Vance geriet unter Druck, weil sein Büro Weinstein nach Ermittlungen vor zwei Jahren nicht angeklagt hatte. Vance beschuldigte seinerseits die New Yorker Polizei, nicht ausreichend Beweismittel für einen solchen Schritt geliefert zu haben. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang vor allem eine Tonaufnahme der verdeckten Ermittlungen von 2015.

Weinstein ist bei dem Versuch zu hören, das Model Ambra Battilana Gutierrez in sein Hotelzimmer zu locken, nachdem er sie tags zuvor mutmaßlich begrapscht hatte. «Warum hast Du gestern meine Brust angefasst?», fragt Gutierrez. «Oh bitte, es tut mir leid, komm' einfach rein. Ich bin das gewohnt», sagt Weinstein. «Du bist das gewohnt?», fragt das damals 22-jährige Model. «Ja, komm' rein», sagt Weinstein.

Öffentlich gemacht hatte die Tonaufnahme das Magazin «New Yorker». In dem Bericht berichten die italienische Schauspielerin und Regisseurin Asia Argento sowie zwei weitere Frauen, dass Weinstein an ihnen Oralsex verübt oder sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe. Insgesamt hätten 13 Frauen behauptet, zwischen den 90er Jahren und 2015 von ihm sexuell belästigt oder Opfer eines Übergriffs geworden zu sein.

Die französische Top-Schauspielerin Léa Seydoux («Blau ist eine warme Farbe», «James Bond 007: Spectre») beschreibt im britischen «Guardian», wie Weinstein in seinem Hotelzimmer auf sie gesprungen sei, um sie zu küssen. «Ich musste mich verteidigen. Er ist so groß und dick, dass ich viel Kraft brauchte, um mich zu widersetzen.»

Alle Mädchen hätten Angst vor Weinstein gehabt. «Er nutzte seine Macht aus, um Sex zu bekommen», berichtet Seydoux. Das Ekelhafteste sei gewesen: «Jeder wusste, was Harveys vorhatte, und keiner tat etwas. Es ist unglaublich, dass er jahrzehntelang so handeln und trotzdem noch Karriere machen konnte.»

Frühere Vorsitzende und Kollegen in Weinsteins Unternehmen beschrieben, dass sie Zeuge seiner sexuellen Annäherungsversuche geworden sein oder davon gewusst hätten. Immer mehr prominente Schauspieler bezogen Stellung, nachdem Ashley Judd, Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow und Heather Graham ähnliche Vorwürfe gegen Weinstein erhoben hatten.

Die aus London stammende Schauspielerin Cara Delevingne beschrieb auf Instagram einen Vorfall mit Weinstein, bei dem sie sich «machtlos» gefühlt habe, als er sie in sein Zimmer einlud und versucht habe, sie auf den Mund zu küssen.

«Solche Sachen dürfen nicht passieren. Heute Morgen war mir absolut schlecht», sagte Schauspieler Matt Damon dem Portal «Deadline». Damon hatte mehrere Filme mit Produzent Weinstein gedreht. Sein Kollege Ben Affleck erklärte: «Ich bin traurig und wütend, dass der Mann, mit dem ich zusammenarbeitete, seine Machtstellung nutzte, um viele Frauen über Jahrzehnte einzuschüchtern, sexuell zu belästigen und zu manipulieren.»

Neben zahlreichen weiteren Filmgrößen wie Leonardo DiCaprio distanzierten sich auch ranghohe Demokraten wie Hillary Clinton und Barack Obama, die Wahlkampfspenden von Weinstein erhalten hatten. Zudem trennte sich Ehefrau Georgina Chapman (41) von Weinstein.

«Ich unterstütze ihre Entscheidung», teilte Weinstein mit. Er habe eine Therapie begonnen und könne die Beziehungen vielleicht wieder aufbauen, wenn es ihm «viel besser» gehe. Er übernahm die Verantwortung für das «viele Leid», das seine Familie über die vergangene Woche erfahren habe.

@ dpa.de

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