Koalition, Bundesregierung

Neun Männer und acht Frauen sollen die erste Bundesregierung von SPD, Grünen und FDP bilden.

06.12.2021 - 18:28:07

Ampel-Koalition - Die neue Bundesregierung im Überblick. Am Mittwoch soll sie vereidigt werden - wenn nichts mehr schief geht.

Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz: Steffi Lemke (53, Grüne)

Sie hat als Bundesgeschäftsführerin elf Jahre lang die Geschicke der Grünen gelenkt - schnörkellos, unkompliziert und gerade heraus. Die Ostdeutsche aus Sachsen-Anhalt trat nach der verlorenen Wahl 2015 mit dem gesamten Bundesvorstand zurück und kehrte in den Bundestag zurück. Dort widmete sie sich vor allem dem Umwelt- und Naturschutz, einer ihrer Schwerpunkte war der Kampf gegen die Zerstörung des Lebensraums Meer. 

Ernährung und Landwirtschaft: Cem Özdemir (55, Grüne)

Der frühere Grünen-Chef ist der erste Bundesminister mit türkischen Wurzeln. Der Posten fiel ihm erst nach langem Gerangel zu. Der linke Flügel der Grünen hätte sich auch Fraktionschef Anton Hofreiter auf dem Posten vorstellen können. Özdemir war bis 2018 Bundesvorsitzender und bei der Bundestagswahl 2017 mit Katrin Göring-Eckardt grüner Spitzenkandidat. Bei der Wahl 2021 wurde er mit 40 Prozent in seinem Stuttgarter Wahlkreis grüner Erststimmenkönig.

- Arbeit und Soziales: Hubertus Heil (49, SPD)

Das Arbeitsministerium ist das einzige, das keinen neuen Chef bekommt. Hubertus Heil bleibt dort im Sattel. Er galt bereits in der vergangenen Wahlperiode als durchsetzungsstark und fleißig - und zwar bei Themen wie Rente, Arbeitsmarkt und Hartz IV, die für seine SPD besonders wichtig sind.

Innen und Heimat: Nancy Faeser (51, SPD)

Die Juristin soll die erste Frau an der Spitze des Bundesinnenministeriums werden. Derzeit ist sie Fraktions- und Landesvorsitzende der hessischen SPD. Sie kündigte bei ihrer Vorstellung an, einen Schwerpunkt auf die Bekämpfung des Rechtsextremismus legen zu wollen. Dies sei derzeit die größte Bedrohung der Demokratie in Deutschland.

- Verteidigung: Christine Lambrecht (56, SPD)

Früher war das Verteidigungsministerium eine Männerdomäne, seit 2013 ist es aber in Frauenhand. Lambrecht ist die dritte Verteidigungsministerin in Folge nach Ursula von Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer (beide CDU). Regierungserfahrung hat sie in den vergangenen zwei Jahren im Justizministerium gesammelt.

- Gesundheit: Karl Lauterbach (58, SPD)

Diese Personalie ist mit großer Spannung erwartet worden. In den vergangenen zwei Jahren kommentierte der Bundestagsabgeordnete und Epidemiologe als einer der häufigsten Talk-Show-Gäste der Republik die Corona-Politik der Bundesregierung von der Seitenlinie. Jetzt kann er selbst die Entscheidungen treffen. Lauterbach hat viele Sympathien auf seiner Seite, bei Scholz gilt er aber nicht als besonders beliebt.

- Bauen: Klara Geywitz (45, SPD)

Die Potsdamerin wurde bundesweit bekannt, als sie 2019 im Duo mit Scholz für den SPD-Vorsitz kandidierte. Die beiden verloren, doch seitdem zählt die ausgewiesene Strategin als Parteivize zu den wichtigen Köpfen der Bundes-SPD. Sie gilt als Kennerin der ostdeutschen Länder - will im Kabinett aber sicher mehr als die Quotenfrau aus dem Osten sein. Geywitz gilt als schonungslos ehrlich, aber auch konfliktfähig. Offene Emotionen sind nicht ihr Ding.

- Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Svenja Schulze (53, SPD)

Die Rheinländerin war seit März 2018 Umweltministerin und wäre auch gerne in diesem Amt geblieben. Nun soll sie stattdessen die weltweite Entwicklungszusammenarbeit stärken. Ihre bisherige Tätigkeit dürfte ihr dabei zugutekommen: Bei den globalen und oftmals sehr zähen Klimaverhandlungen saß Schulze in den vergangenen Jahren mehrmals mit am Tisch und bewies dabei einen langen Atem.

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