Konflikte, Nahost

Neue Sicherheitsmaßnahmen nach einem Anschlag am Tempelberg haben den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern gefährlich eskalieren lassen.

25.07.2017 - 15:46:04

Nach Protesten - Tempelberg-Krise: Israel baut Metalldetektoren wieder ab. Jetzt lenkt Israel ein.

  • Metalldetektoren am Tempelberg entfernt - Foto: Mahmoud Illean

    Israelische Polizisten entfernen vor der Al-Aksa-Moschee in der Jerusalemer Altstadt die Metalldetektoren. Foto: Mahmoud Illean

  • Blick auf den Felsendom - Foto: Oded Balilty

    Durch eine Tür mit einem Davidstern ist die Altstadt von Jerusalem mit dem Felsendom zu sehen. Foto: Oded Balilty

  • Al-Aksa-Moschee - Foto: Oded Balilty

    Die Al-Aksa-Moschee in der Altstadt von Jerusalem wird stark bewacht. Foto: Oded Balilty

  • Bewacht - Foto: Mahmoud Illean

    Israelische Polizisten stehen an einer Sicherheitsschranke außerhalb der Al-Aksa-Moschee. Foto: Mahmoud Illean

  • Konflikt - Foto: Nasser Shiyoukhi/Archiv

    Ein Palästinenser wirft einen Molotow-Cocktail in Richtung israelischer Soldaten. In den vorangegangenen Tagen war die Situation eskaliert. Foto: Nasser Shiyoukhi/Archiv

  • Abbau der Detektoren - Foto: Mahmoud Illean

    Polizisten entfernen die Metalldetektoren. Foto: Mahmoud Illean

Metalldetektoren am Tempelberg entfernt - Foto: Mahmoud IlleanBlick auf den Felsendom - Foto: Oded BaliltyAl-Aksa-Moschee - Foto: Oded BaliltyBewacht - Foto: Mahmoud IlleanKonflikt - Foto: Nasser Shiyoukhi/ArchivAbbau der Detektoren - Foto: Mahmoud Illean

Jerusalem - Nach blutigen Unruhen hat Israel die umstrittenen Metalldetektoren an Zugängen zum Tempelberg in Jerusalem wieder entfernt.

Polizisten hätten nach einer Entscheidung des israelischen Sicherheitskabinetts die Tore im Verlauf der Nacht zum Dienstag abgebaut, bestätigte Polizeisprecher Micky Rosenfeld.

Vorausgegangen waren Proteste der Palästinenser und internationale Vermittlungsbemühungen. Die Palästinenser reagierten zunächst skeptisch. Der Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Edles Heiligtum) in der Altstadt von Jerusalem ist Juden wie Muslimen heilig.

Israelische Medien berichteten, auch neu angebrachte Überwachungskameras an Eingängen zum Tempelberg seien abmontiert worden. Stattdessen sollten künftig andere hochmoderne Überwachungsmethoden eingesetzt werden, teilte die Regierung mit. Laut Medienberichten soll es sich unter anderem um Kameras zur Gesichtserkennung handeln. Israels Sicherheitskabinett entschied, dafür bis zu rund 24 Millionen Euro in den kommenden sechs Monaten bereitzustellen.

Die Palästinenser wollen ihren Boykott des Tempelbergs vorerst aufrechterhalten. Ein Gremium aus muslimischen Repräsentanten in Jerusalem bekräftigten nach einer Dringlichkeitsberatung ihre Forderung nach einer vollständigen Rückkehr zu der Situation vor dem 14. Juli an der heiligen Stätte. An diesem Tag hatten arabische Attentäter zwei israelische Polizisten getötet. Die drei Angreifer wurden erschossen. Israel verschärfte daraufhin die Sicherheitsvorkehrungen.

Die für den Tempelberg zuständige Wakf-Behörde werde überprüfen, ob die Sicherheitsmaßnahmen innerhalb und außerhalb der Stätte tatsächlich abgebaut worden seien, teilte das Gremium am Dienstag mit. Anschließend werde die Wakf einen Bericht vorlegen. Danach wolle man neu entscheiden, ob der Boykott beendet werden könne. Die Wakf ist Teil des Gremiums.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas äußerte sich zunächst nicht persönlich. Nach einer Kabinettssitzung am Morgen gab die Palästinensische Autonomiebehörde eine Stellungnahme ab. «Wir lehnen alle Maßnahmen ab, die durch die (israelische) Besatzungsmacht gegen christliche und muslimische heilige Stätten verhängt wurden, und fordern die Rückkehr zu der Situation, die vor dem 14. Juli existierte», hieß es darin. Am Freitag hatte Abbas aufgrund der blutigen Unruhen jegliche Beziehungen zu Israel abgebrochen.

Der UN-Beauftragte für den Friedensprozess im Nahen Osten, Nikolaj Mladenow, hatte zuvor darauf gedrängt, eine Lösung für den aktuellen Konflikt vor den nächsten Freitagsgebeten zu finden - da sonst eine neue Eskalation drohe. Er warnte davor, die Vorkommnisse als örtliches Problem zu unterschätzen. Sie hätten vielmehr internationale Sprengkraft.

«Die mögen sich vielleicht auf ein paar Hundert Quadratmetern in Jerusalem abspielen, aber sie beeinflussen Hunderte von Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt», sagte Mladenow. «Sie haben das Potenzial für katastrophale Auswirkungen (...) weit jenseits des Nahen Ostens.»

Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Juden ist der Ort ebenfalls heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Rest dieser Tempelanlage.

Die Palästinenser lehnen jegliche Änderung des Status quo an der heiligen Stätte ab, das heißt, sie beharren auf einen freien Zugang zu ihren Gebetsstätten auf dem Tempelberg ohne zusätzliche Kontrollen und Überwachung.

Die Aufstellung der Metalldetektoren hatte Palästinenser und Teile der muslimischen Welt in Wut versetzt und Unruhen ausgelöst, bei denen vier Palästinenser getötet wurden. Bei einem Anschlag wurden danach drei Mitglieder einer israelischen Siedlerfamilie von einem Palästinenser getötet.

Der jordanische König Abdullah II. hatte Netanjahu am Montag gedrängt, die Detektoren abzubauen und so die Krise zu beenden. Ebenfalls am Montag war ein bei einem tödlichen Zwischenfall auf dem Gelände der israelischen Botschaft in Amman verletzter Wachmann nach Israel zurückgekehrt.

Ein jordanischer Arbeiter hatte den Wachmann am Sonntag in einer Wohnanlage neben der Botschaft mit einem Schraubenzieher angegriffen und verletzt. Der Israeli hatte daraufhin laut israelischen Angaben in Selbstverteidigung den Angreifer erschossen und auch den unbeteiligten jordanischen Vermieter versehentlich tödlich verletzt. Der Vorfall hat die Beziehungen zwischen Israel und Jordanien stark belastet.

@ dpa.de

Amazon wird sich schwarzärgern, aber …

… wir schenken Ihnen den Report „Börsenpsychologie - Markttechnik für Trader“ heute trotzdem kostenfrei. Normalerweise kostet der Report im Onlinehandel 39,99 Euro.

Sie können sich den genialen Report heute jedoch absolut kostenfrei sichern. Wir senden Ihnen den Report vollkommen KOSTENFREI zu.

Jetzt HIER klicken und dank richtigen Timing reich an der Börse werden!

Weitere Meldungen

Israel-Besuch - Pence besucht Klagemauer in Jerusalem. Zum Abschluss betet er in Jerusalem an der heiligsten Stätte des Judentums. In Worten und in Taten: Pence stellt sich bei seinem Israel-Besuch an die Seite des jüdischen Staates. (Politik, 23.01.2018 - 14:04) weiterlesen...

Israel-Besuch - US-Vizepräsident Pence besucht Klagemauer in Jerusalem. Im Heiligen Land kam es zu Unruhen. Dennoch treibt die amerikanische Regierung ihren Plan, die eigene Botschaft aus Tel Aviv zu verlegen, unbeirrt voran. Die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch die USA hat weltweit zu Kritik geführt. (Politik, 23.01.2018 - 13:20) weiterlesen...

Israel-Besuch - Pence: Botschaftsverlegung als Zeichen der Verbundenheit Jerusalem - US-Vizepräsident Mike Pence hat die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem als Ausdruck der engen Beziehungen zwischen den USA und Israel bezeichnet. (Politik, 23.01.2018 - 10:54) weiterlesen...

Geschäfte geschlossen - Pence' Israel-Besuch: Palästinenser streiken aus Protest. Die palästinensischen Fraktionen kritisierten die umstrittene US-Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt. Ramallah/Tel Aviv - Die Palästinenser haben aus Protest gegen den Besuch von US-Vizepräsident Mike Pence in Israel gestreikt. (Politik, 23.01.2018 - 09:22) weiterlesen...

US-Außenminister in Israel - Pence: US-Botschaft zieht vor Ende 2019 nach Jerusalem um. Palästinenserpräsident Abbas wirbt indes in Brüssel für die Anerkennung eines Staates Palästina. US-Außenminister Pence stellt sich in einer Rede vor dem Parlament in Jerusalem an die Seite Israels - und fordert die Palästinenser auf, erneut in Friedensgespräche einzusteigen. (Politik, 22.01.2018 - 20:04) weiterlesen...

US-Außenminister in Israel - Pence: Botschaft wird bis Ende 2019 nach Jerusalem umziehen. Palästinenserpräsident Abbas wirbt indes in Brüssel für die Anerkennung eines Staates Palästina. Pence stellt sich in einer Rede vor dem Parlament in Jerusalem an die Seite Israels - und fordert die Palästinenser auf, erneut in Friedensgespräche einzusteigen. (Politik, 22.01.2018 - 17:06) weiterlesen...