Ihr Broker

  • DAX 0,70
  • EUR/USD 0,50
  • GOLD 0,30

Nur Spreads

Keine Kommission

Jetzt registrieren

CFDs sind komplexe Instrumente und umfassen aufgrund der Hebelfinanzierung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren.

Olympia, Leichtathletik

Nach kritischen Äußerungen sollte die belarussische Leichtathletin Kristina Timanowskaja womöglich entführt werden.

04.08.2021 - 21:14:07

Nach Olympia-Alptraum - Belarussische Sprinterin Timanowskaja in Polen eingetroffen. Nun ist sie in Polen angekommen. In Minsk wird derweil der Opposition der Prozess gemacht.

  • Kristina Timanowskaja - Foto: Koji Sasahara/AP/dpa

    Kristina Timanowskaja am internationalen Flughafen Narita ?stlich von Tokio. Foto: Koji Sasahara/AP/dpa

  • Kristina Timanowskaja - Foto: Uncredited/NTV/AP/dpa

    In der polnischen Botschaft in Tokio hat Kristina Timanowskaja ein humanit?res Visum erhalten. Foto: Uncredited/NTV/AP/dpa

Kristina Timanowskaja - Foto: Koji Sasahara/AP/dpaKristina Timanowskaja - Foto: Uncredited/NTV/AP/dpa

Tokio/Wien - Aus Angst vor den autoritären Behörden ihres Heimatlandes Belarus ist die Olympia-Sportlerin Kristina Timanowskaja in die EU geflohen. 

Sie traf am Mittwochabend nach einem Umsteigestopp in Wien in Warschau ein. Die Maschine der staatlichen Fluglinie LOT landete am Mittwochabend auf dem internationalen Chopin-Flughafen der polnischen Hauptstadt.

Die bis vor wenigen Tagen weitgehend unbekannte Sprinterin hat die Aufmerksamkeit einmal mehr auf die Lage in Belarus gut ein Jahr nach der Präsidentenwahl gelenkt. Seit Monaten geht Machthaber Alexander Lukaschenko gegen Andersdenkende, unabhängige Medien und Nichtregierungsorganisationen vor.

Die Abstimmung vom 9. August vergangenen Jahres wird weitgehend als gefälscht angesehen. Die EU erkennt den 66-Jährigen nicht mehr als Präsidenten an. Am Mittwoch begann in Minsk ein Prozess gegen die prominente Oppositionelle Maria Kolesnikowa.

Lukaschenko schweigt bislang zum Fall der Olympia-Sprinterin Timanowskaja. Nach ihrer Darstellung sollte sie bei den Olympischen Spielen von den belarussischen Behörden zur vorzeitigen Rückkehr nach Minsk gezwungen werden, weil sie Kritik an Sportfunktionären geübt hatte. Vor ihrem Rückflug wandte sie sich aber am Flughafen in Tokio an die japanische Polizei und kam so in Sicherheit.

Für Minsk hat der Olympia-Skandal Folgen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) setzte eine Disziplinarkommission zur Aufklärung des Falls ein. Das Gremium soll nun vor allem den Leichtathletik-Cheftrainer von Belarus (Weißrussland) und den Vize-Direktor des nationalen Trainingszentrums ins Visier nehmen. Die beiden Funktionäre sollen Timanowskaja mitgeteilt haben, dass sie wegen ihrer Kritik an den Entscheidungen der Teamspitze in den sozialen Medien vorzeitig in ihre Heimat zurückkehren muss.

Timanowskaja hatte der «Bild» gesagt, es sei ihr nicht um Politik gegangen. «Ich habe nur kritisiert, dass unsere Chef-Trainer über das Staffellauf-Team entschieden haben, ohne sich mit den Sportlern zu beraten», erklärte sie. «Dass das solche Ausmaße annehmen und zu einem politischen Skandal werden kann, hätte ich nie gedacht.»

Österreichs Staatssekretär Magnus Brunner sagte nach ihrer Ankunft in Wien, der Sportlerin gehe es nach den Strapazen der letzten Tage gut, sie sei aber müde und auch nervös. Sie mache sich Sorgen um ihre Familie. «Dass sie in Sicherheit ist, ist das Entscheidende.» 

Zuvor hatte Timanowskaja in letzter Minute ihren ursprünglichen Direktflug nach Warschau abgesagt. Das geschah nach Angaben eines Wiener Spitzenbeamten auch aus Sicherheitsgründen. «Die Flugroute wurde geändert», so Brunner. Polen erteilte indes auch dem Ehemann Timanowskajas, Arseni Sdanewitsch, ein humanitäres Visum. Er war von Belarus zunächst in die Ukraine geflohen.

Zuletzt hatte der autoritäre Machtapparat in Belarus massive Kritik ausgelöst, als vor zweieinhalb Monaten eine von Athen nach Vilnius fliegende Ryanair-Passagiermaschine zur Zwischenlandung in Minsk gezwungen worden war. Der in dem Flieger reisende Blogger und Oppositionsaktivist Roman Protassewitsch und seine Freundin wurden dann dort festgenommen. Der Westen verhängte danach neue Sanktionen gegen die weitgehend isolierte Ex-Sowjetrepublik.

Nach der Wahl vor einem Jahr gab es Massenproteste gegen Lukaschenko, die er teilweise blutig niederschlagen ließ. Noch heute gibt es mehr als 500 politische Gefangene. Eine von ihnen ist die Oppositionelle Maria Kolesnikowa, die vor gut elf Monaten festgenommen wurde. Am Mittwoch begann ein Prozess gegen sie vor einem Gericht in Minsk.

Das russische Nachrichtenportal Sputnik veröffentlichte ein Video, wie Kolesnikowa im schwarzen Anzug tanzend ihre Hände zu einem Herz formt - ihr Markenzeichen. Der 39-Jährigen, die lange als Kulturmanagerin in Stuttgart gearbeitet hatte, drohen bis zu zwölf Jahre Haft. Die Behörden werfen ihr etwa eine Verschwörung mit dem Ziel einer illegalen Machtergreifung vor.

Dass der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt werde, sei skandalös und nicht hinnehmbar, sagte die Grünen-Politikerin Claudia Roth der Deutschen Presse-Agentur. «Es lässt erahnen, dass es dabei nicht gerecht zugehen wird.» Die ins EU-Ausland geflohene Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja sagte: «Das Regime hat Angst vor Maria Kolesnikowa.» Die Union im Bundestag forderte die Freilassung aller politischen Gefangenen in Belarus.

Der in Polen lebende belarussische Oppositionspolitiker und frühere Kulturminister Pawel Latuschko verlangte ein internationales Vorgehen gegen Lukaschenko. «Es gibt nur einen Ausweg - die Erklärung des Lukaschenko-Regimes zu einer internationalen Terrororganisation», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Die internationale Politik muss diese Maßnahme ergreifen, und wichtige Länder wie Deutschland müssen vorangehen.»

Am Dienstag war in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ein belarussischer Aktivist tot aufgefunden worden. Die Umstände seines Todes sind noch unklar.

Unterdessen wollen weitere Athleten aus Belarus nicht in ihre Heimat zurückkehren. Jana Maximowa schrieb bei Instagram, sie und ihr Ehemann, der Sportler Andrej Krawtschenko, wollten in Deutschland leben. In Belarus könne man seine Freiheit und sein Leben verlieren. Ins Nachbarland Ukraine geflohen ist der Trainer der Handballmannschaft «Witjas» in Minsk, Konstantin Jakowlew.

© dpa-infocom, dpa:210802-99-674749/28

@ dpa.de