Konflikte, Atom

Nach knapp fünf Stunden ist der Gipfel zwischen Trump und Kim schon wieder vorbei.

12.06.2018 - 09:21:29

Treffen in Singapur - Kim und Trump einig: Schritte zu atomarer Abrüstung. Beide zeigen sich sehr zufrieden mit der erzielten Vereinbarung. Was wirklich drinsteht, weiß man aber noch nicht.

  • Handschlag - Foto: Host Broadcaster Mediacorp Pte Ltd Pool

    Donald Trump und Kim Jong Un bei ihrem ersten Treffen. Foto: Host Broadcaster Mediacorp Pte Ltd Pool

  • Gipfeltreffen in Singapur - Foto: kyodo

    Kim Jong Un kurz vor dem Treffen mit dem US-Präsidenten. Foto: kyodo

  • Historischer Handschlag - Foto: Evan Vucci/AP

    US-Präsident Donald Trump und Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea, zu Beginn ihres Treffens in Singapur. Foto: Evan Vucci/AP

  • TV-Übertragung - Foto: YNA

    In einem Bahnhof der südkoreanischen Hauptstadt Seoul verfolgen Menschen das im Fernsehen übertragene Treffen in Singapur. Foto: YNA

  • Gipfeltreffen - Foto: YNA

    Dem Treffen in Singapur war ein langes diplomatisches Ringen vorausgegangen. Foto: YNA

  • Treffen in Singapur - Foto: Kevin Lim/The Straits Times

    Kim Jong Un und Donald Trump bei ihrem ersten Zusammentreffen. Foto: Kevin Lim/The Straits Times

  • Neuanfang - Foto: Xinhua/Ministry of Communication and Information of Singapore

    Donald Trump und Kim Jong Un beginnen mit der zweiten Runde ihrer Gespräche auf der Insel Sentosa. Foto: Xinhua/Ministry of Communication and Information of Singapore

  • Gipfeltreffen in Singapur - Foto: Kevin Lim/The Straits Times

    Donald Trump und Kim Jong Un geben sich die Hand bei ihrem Treffen im Capella Resort auf der Insel Sentosa. Foto: Kevin Lim/The Straits Times

  • Gipfeltreffen in Singapur - Foto: Evan Vucci/AP

    US-Präsident Donald Trump (l) und der Machthaber von Nordkorea Kim Jong Un unterzeichnen eine gemeinsame Vereinbarung. Foto: Evan Vucci/AP

Handschlag - Foto: Host Broadcaster Mediacorp Pte Ltd PoolGipfeltreffen in Singapur - Foto: kyodoHistorischer Handschlag - Foto: Evan Vucci/APTV-Übertragung - Foto: YNAGipfeltreffen - Foto: YNATreffen in Singapur - Foto: Kevin Lim/The Straits TimesNeuanfang - Foto: Xinhua/Ministry of Communication and Information of SingaporeGipfeltreffen in Singapur - Foto: Kevin Lim/The Straits TimesGipfeltreffen in Singapur - Foto: Evan Vucci/AP

Singapur - Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat sich zu einer kompletten atomaren Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel bereiterklärt.

In dem gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump an diesem Dienstag in Singapur unterzeichneten Gipfeldokument erklärt er sein «festes und unerschütterliches Bekenntnis» zu einer umfassenden atomaren Abrüstung. Im Gegenzug sichert Trump Sicherheitsgarantien zu.

Allerdings fehlt in dem Dokument zunächst jede zeitliche Festlegung. An einer anderen Stelle des Textes heißt es, Kim werde im Sinne der gemeinsam mit Südkorea erreichten Erklärung von Panmunjom auf die atomare Abrüstung «hinarbeiten».

Die USA und Nordkorea wollen weiter auf eine «anhaltende und stabile» Friedenslösung für die koreanische Halbinsel hinsteuern. US-Außenminister Mike Pompeo soll baldmöglichst mit einem hochrangigen Vertreter zusammenkommen, um mit der Umsetzung der Gipfelergebnisse zu beginnen. Die Beziehungen beider Länder sollen auf eine neue Basis gestellt werden, heißt es in der Erklärung.

Trump kündigte an, er wolle Kim zu weiteren Gesprächen ins Weiße Haus nach Washington einladen. Für den Führer des weitgehend isolierten kommunistischen Staates bedeutet dies eine große internationale Aufwertung. Trump fügte hinzu: «Wir sind sehr stolz darauf, was heute passiert ist.» Er sprach von einer «ziemlich umfassenden Vereinbarung».

Kim zeigte sich mit den Ergebnissen bei der gemeinsamen Unterzeichnungszeremonie ebenfalls zufrieden. «Wir haben beschlossen, die Vergangenheit hinter uns zu lassen», sagte er. «Die Welt wird einen großen Wandel erleben.» Das Treffen in Singapur war der erste Gipfel in der Geschichte beider Staaten.

Bis vor wenigen Monaten tauschten Kim und Trump noch heftige Beschimpfungen aus, bis hin zur Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen. Nach der Unterzeichnung in Singapur sagte Trump über Kim: «Ich habe gelernt, dass er ein sehr talentierter Mann ist, und ich habe außerdem gelernt, dass er sein Land sehr liebt.»

Im Laufe des Treffens berichtete Trump mehrfach von Fortschritten. «Es ist besser gelaufen, als irgendjemand hätte erwarten können, Spitzenklasse», sagte er nach einem Mittagessen. Mit ihrer persönlichen Begegnung im Luxushotel «Capella» auf der Insel Sentosa wollen beide Politiker nach ihrem anfangs angespannten und teils offen feindlichen Verhältnis einen Neuanfang wagen. Dabei ging es auch eine Friedenslösung für die koreanische Halbinsel sowie Wirtschaftshilfe für Nordkorea.

Nordkoreas Machthaber machte gleich zu Beginn deutlich, ein neues Kapitel in den angespannten Beziehungen zu den USA aufschlagen zu wollen. Nach einem ersten Handschlag mit Trump sagte er: «Alte Praktiken und Vorurteile haben gegen uns gearbeitet. Aber wir haben sie alle überwunden. Und jetzt sind wir hier.» Auf Fragen, wie atomare Abrüstung aussehen könnte, reagierte er nicht.

Trump und Kim hatten sich zum Auftakt vor jeweils sechs Flaggen der USA und Nordkoreas in dem Kolonialbau den Kameras gestellt. Bei dem 13 Sekunden dauernden, historischen Handschlag wirkten beide Politiker ernst und angespannt, doch fasste Trump seinem Gegenüber freundschaftlich kurz an die Schulter. Das Treffen hat für Nordkorea immensen symbolischen Wert. Es signalisierte, mit der Supermacht USA auf gleicher Augenhöhe zu stehen.

Auf nordkoreanischer Seite nahmen der berüchtigte frühere Geheimdienstchef und einflussreiche Berater General Kim Yong Chol sowie Außenminister Ri Yong Ho an den Beratungen teil. Anschließend kamen beide Delegationen zu einem Arbeitsessen zusammen. Für den Nachmittag waren ursprünglich keine weiteren Gespräche mehr geplant.

Der Streit um Nordkoreas Atomwaffenprogramm ist einer der gefährlichsten Konflikte der Welt. Kim gibt vor, dass seine Raketen mit Atomsprengköpfen das US-Festland treffen können.

In einem wütenden Tweet wies Trump am frühen Morgen seine Kritiker zurecht. «Wir haben unsere Geiseln (zurück), die Tests, die Forschung und alle Raketenabschüsse sind gestoppt», schrieb Trump. «Und diese Experten, die mir von Anfang an Fehler vorwarfen, haben nichts anderes zu sagen», fuhr er fort. «Wir werden okay sein.» Mit dem Hinweis auf die Geiseln bezog sich Trump auf drei US-Bürger, die im Mai aus der Haft in Nordkorea freigelassen worden waren.

In US-Medien waren zuvor Zweifel aufgekommen, ob die USA bei dem Gipfel mit Kim entscheidende Fortschritte erzielen können. So wurde spekuliert, die USA könnten bei den Nordkoreanern gegen eine Wand laufen. Trump hatte erklärt, er werde bereits am Dienstagabend wieder nach Hause fliegen. In früheren Planungen war von Mittwoch die Rede gewesen. Nach dem Eklat am Wochenende auf dem Gipfel der sieben großen Industrienationen (G7) in Kanada stand Trump zusätzlich unter Druck, einen Erfolg vorzuweisen.

Nie zuvor war ein amtierender amerikanischer Präsident mit einem Führer des isolierten Landes zusammengetroffen. Das Treffen ist schon deswegen heftig umstritten, weil Kim sein Land diktatorisch regiert, massiv gegen Menschenrechte verstößt und nach Schätzungen der US-Regierung 80.000 bis 120.000 Menschen in teils schlimmen Verhältnissen in Arbeitslagern gefangen hält.

65 Jahre nach Ende des Koreakrieges und 70 Jahre nach Gründung Nordkoreas streben beide Seiten als Grundlage für die atomare Abrüstung auch eine Friedenslösung an. Damals wurde nur ein Waffenstillstandsabkommen besiegelt. Insbesondere Nordkorea wünscht sich vertragliche Vereinbarungen, dass die Führung in Pjöngjang nicht durch einen Angriff gestürzt wird.

Nordkoreas Machthaber sucht außer starken Sicherheitsgarantien eine Aufhebung der scharfen Sanktionen, die die Vereinten Nationen und auch die USA auch einseitig als Reaktion auf seine Atom- und Raketentests verhängt haben. In einem Entgegenkommen hatte Kim im April einen Atom- und Raketenteststopp erklärt und verkündet, sich künftig auf die Wirtschaftsentwicklung konzentrieren zu wollen.

Politisch will Nordkorea diplomatische Beziehungen zu den USA. Auf dem Gipfel könnte eventuell verkündet werden, dass die USA als ersten Schritt zunächst eine Vertretung in Pjöngjang einrichten könnte. Da der Kriegszustand seit dem Ende des Koreakrieges 1953 völkerrechtlich nie beendet wurde, wäre ein Friedensvertrag nötig, um die Sicherheitsbedürfnisse zu befriedigen. Nordkorea schlägt zur Lösung des Atomkonflikts ein «synchrones» und «phasenweises» Vorgehen vor.

@ dpa.de

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