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Krankheiten, Gesundheit

Nach einer weiteren Rückholaktion werden deutsche Heimkehrer aus China in Stuttgart erwartet.

21.02.2020 - 07:44:05

Mehr als 100 Tote in China - Coronavirus: Rückkehrer in Deutschland erwartet. Deutsche Kreuzfahrer fliegen derweil aus Japan und Kambodscha heim. In der Ukraine kommt es aus Angst vor dem Coronavirus zu heftigen Demonstrationen gegen Rückkehrer.

Peking/Yokohama - Die Zahl der Toten durch das neuartige Coronavirus steigt stetig an. In China sind innerhalb eines Tages wieder 118 Patienten gestorben.

Mehr als ein Dutzend Rückkehrer aus der schwer von der Lungenkrankheit betroffenen Millionenmetropole Wuhan in Zentralchina werden am Freitag in Stuttgart erwartet. Deutsche Passagiere der Kreuzfahrtschiffe «Diamond Princess» in Japan und «Westerdam» in Kambodscha fliegen ebenfalls heim. Aus Furcht vor einer Verbreitung des Erregers im Iran schloss der Irak seine Grenze zu dem Nachbarland. In mehr als zwei Dutzend Ländern wurden schon rund 1200 Infektionen und elf Tote gezählt.

In Festland-China sei die Zahl der nachgewiesenen Infektionen bis Freitag um 889 auf insgesamt 75 465 Fälle gestiegen, teilte die Gesundheitskommission in Peking mit. Experten rechnen aber mit einer sehr viel höheren Dunkelziffer. Mit den neuen Todesfällen werden nun offiziell 2236 Tote in der Volksrepublik beklagt. Knapp die Hälfte der neuen Ansteckungen mit dem Sars-CoV-2 genannten Virus wurden aus der Provinz Hubei gemeldet, in deren Hauptstadt Wuhan die Epidemie begonnen hatte. In den Gefängnissen der Provinz gibt es auch schon 271 Virusfälle, wie Hubeis Gesundheitskommission erstmals berichtete.

Der Anstieg aller neuen Infektionen fiel den zweiten Tag in Folge niedriger aus, nachdem China erneut die Zählweise geändert hatte. So werden klinische Diagnosen der Covid-19-Lungenkrankheit in Hubei nicht mehr mitgezählt. Künftig muss die Ansteckung wieder durch einen DNA-Test im Labor bestätigt werden. Die Provinz hatte erst vergangene Woche angefangen, auch Diagnosen zu zählen, die auf Faktoren wie Lungenbildern, dem körperlichen Zustand und der Vorgeschichte beruhen. Experten hatten beklagt, dass die DNA-Tests häufig fehlerhaft seien und Infektionen nicht aufspürten.

Nach einer neuen europäischen Rückholaktion aus Wuhan sollen am Freitag in Stuttgart mehr als ein Dutzend Heimkehrer eintreffen. Sie kommen zunächst mit anderen Europäern in einer französischen Maschine nach Paris. Nach ihrer Ankunft am Vormittag auf dem Flughafen Stuttgart sollen die Reisenden zunächst untersucht und dann in eine Quarantäne-Station im Landkreis Esslingen gebracht werden.

Sechs Passagiere aus Deutschland, die in Yokohama noch auf der «Diamond Princess» waren, fliegen mit anderen Europäern in einem italienischen Flugzeug nach Berlin. Wie die Deutsche Presse-Agentur in Tokio erfuhr, ist der Abflug für Freitag 22.00 Uhr Ortszeit (14.00 MEZ) geplant. Das Schiff hatte zwei Wochen unter Quarantäne gestanden. Ein deutsches Ehepaar aus Hessen war positiv getestet worden und liegt in Japan im Krankenhaus. Ein weiterer Deutscher und seine japanische Frau aus München wollen erst noch in Tokio bleiben.

Das Flugzeug soll im militärischen Teil des Flughafens Tegel landen. Es seien auch zwei Berliner an Bord, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci. Geplant sei, sie zunächst für 14 Tage zu Hause zu isolieren. Diejenigen, die nicht in der Bundeshauptstadt wohnen, werden demnach zunächst von DRK-Mitarbeitern in ihre Heimatorte gebracht.

Nachdem an den beiden Vortagen zusammen 717 Passagiere das Schiff in Yokohama verlassen hatten, sollen am Freitag weitere rund 450 Menschen von Bord, wie der japanische Fernsehsender NHK meldete. Am Vortag waren zwei infizierte japanische Senioren gestorben. Bei 634 der rund 3700 Passagiere und Crewmitglieder wurden Infektionen festgestellt. Sie werden in Kliniken betreut. Diejenigen, die Kontakt zu Infizierten hatten, müssen vorerst an Bord bleiben.

Begleitet von Ausschreitungen sind am Donnerstag Dutzende Ukrainer aus Wuhan in einer Quarantänestation in der Zentralukraine angekommen. Auf der Fahrt dorthin wurden mehrere Scheiben der Busse eingeworfen, wie Live-Bilder im Fernsehen zeigten. Die Polizei musste auch eine brennende Barrikade wegräumen. Neun Polizisten und ein Zivilist hätten danach ärztliche Hilfe benötigt. Hunderte Menschen hatten gegen die Rückkehr aus Angst vor dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 demonstriert. Sie waren teilweise mit Eisenstangen bewaffnet. Es flogen Steine.

In Kambodscha gab es derweil Entwarnung: Nach den Urlaubern waren auch die Tests auf das Virus bei den an Bord verbliebenen 747 Crewmitgliedern des Kreuzfahrtschiffs «Westerdam» Tests negativ, wie die Reederei Holland America Line mitteilte. Außer bei einer Amerikanerin auf der Heimreise wurde das Virus bisher bei keinem von Bord nachgewiesen. Mit dem Schiff waren vergangene Woche nach mehrtägiger Irrfahrt auch 57 Deutsche in Kambodscha angelandet. Einige sind schon wieder zurück und in häuslicher Quarantäne. Andere flogen am Freitag zurück.

Der Irak schloss aus Furcht vor einem Überschwappen der nun auch im Iran nachgewiesenen Lungenkrankheit seine Grenze zum Nachbarland. Iraner dürften die Übergänge nicht länger passieren. Aus der Islamischen Republik einreisende Iraker würden Prüfungen unterzogen, teilte die irakische Grenzschutzbehörde mit. Irakischen Medienberichten zufolge setzte die staatliche Fluggesellschaft Iraqi Airways zudem vorerst ihre Verbindungen zu iranischen Zielen aus.

Hintergrund sind zwei auf den Erreger SARS-CoV-2 zurückgeführte Todesfälle in der iranischen Großstadt Ghom - die ersten gemeldeten Infektion in dem Land. Die älteren Männer sollen aber nicht außerhalb der Stadt und auch nicht in Kontakt mit chinesischen Touristen gewesen ein. Das Ausmaß möglicher Infektionen im Iran ist unklar.

Angesichts des rapiden Anstiegs von Infektionsfällen in Südkorea sprach Präsident Moon Jae In von einer «ernsthaften Situation». Er kündigte «rasche und starke» Gegenmaßnahmen an. Nach Behördenangaben kamen über Nacht 52 neue Fälle hinzu. Damit stieg die Zahl der Infektionen in Südkorea auf 156. Am Vortag wurde der erste Todesfall in Südkorea gemeldet - ein 63-jährigen Mann im südöstlichen Cheongdo.

@ dpa.de

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