Konflikte, Syrien

Nach einem möglichen Giftgasangriff Syriens feilt der Westen weiter an einer gemeinsamen Strategie.

13.04.2018 - 07:00:06

Westen feilt an Strategie - Noch keine Entscheidung über Militäreinsatz in Syrien. Scharf und aggressiv ist die Rhetorik, die Drohkulisse wird immer gefährlicher.

  • Rakete - Foto: Ammar Safarjalani/XinHua

    Eine Rakete der syrischen Armee steigt in Ost-Ghuta in den Himmel. Foto: Ammar Safarjalani/XinHua

  • Mutmaßlicher Giftgasangriff - Foto: AP

    Dieses vom Syrischen Zivilschutz zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt einen Sanitäter, der ein Kleinkind medizinisch versorgt. Foto: AP

  • Konflikt in Syrien - Foto: Ammar Safarjalani/XinHua

    Rauch steigt nach dem Einschlag einer Rakete der syrischen Armee über Duma auf. Foto: Ammar Safarjalani/XinHua

  • Tomahawk - Foto: U.S. Navy/Leah Stiles/Released

    Start eines Cruise Missile vom Typ Tomahawk. Foto: U.S. Navy/Leah Stiles/Released

  • Tomahawk-Start - Foto: Eine Tomahawk-Rakete startet von einem US-Kriegsschiff. Foto: US Navy

    Eine Tomahawk-Rakete startet von einem US-Kriegsschiff. Foto: US Navy

  • Konflikt in Syrien - Foto: Ammar Safarjalani/XinHua

    Syrische Soldaten patrouillieren durch die Straßen des Ortes in Ost-Ghuta. Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff hat sich die Krise um den Bürgerkrieg in Syrien dramatisch zugespitzt. Foto: Ammar Safarjalani/XinHua

  • Duma - Foto: Syrian Civil Defense White Helmets/AP

    Ein Junge holt im syrischen Duma durch ein Beatmungsgerät Luft. Foto: Syrian Civil Defense White Helmets/AP

Rakete - Foto: Ammar Safarjalani/XinHuaMutmaßlicher Giftgasangriff - Foto: APKonflikt in Syrien - Foto: Ammar Safarjalani/XinHuaTomahawk - Foto: U.S. Navy/Leah Stiles/ReleasedTomahawk-Start - Foto: Eine Tomahawk-Rakete startet von einem US-Kriegsschiff. Foto: US NavyKonflikt in Syrien - Foto: Ammar Safarjalani/XinHuaDuma - Foto: Syrian Civil Defense White Helmets/AP

Washington/Paris/London - Ein Militäreinsatz westlicher Länder in Syrien ist trotz anhaltend massiver Drohungen noch keine endgültig beschlossene Sache. Für die USA erklärte das Weiße Haus am Donnerstag (Ortszeit), eine Entscheidung sei noch nicht gefällt.

US-Präsident Donald Trump war zuvor mit seinen Sicherheitsberatern zusammengekommen. Sprecherin Sarah Sanders erklärte: «Wir werten weiter Geheimdiensterkentnisse aus und sind in engen Abstimmungen mit unseren Partnern und Alliierten.»

Bei einem am Samstag gemeldeten Giftgasangriff auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Duma in Ost-Ghuta sollen nach unterschiedlichen Angaben zwischen 42 und 85 Menschen getötet worden sein. Ermittler der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) sind auf dem Weg nach Syrien. Sie sollen dort ab Samstag mit Untersuchungen beginnen.

Als Option für eine Reaktion gelten gezielte Raketenangriffe auf ein Objekt oder mehrere ausgewählte Ziele. Sehr heikel daran wäre, dass in Syrien stationierte russische Truppen getroffen werden könnten.

Syriens Schutzmacht Russland weist die Vorwürfe gegen Damaskus zurück. Das russische Außenministerium rief zur Besonnenheit auf.

Trump telefonierte noch in der Nacht zum Freitag mit der britischen Premierministerin Theresa May. In einer Mitteilung der Downing Street hieß es, Trump und May seien sich einig, dass der Einsatz von Chemiewaffen durch das syrische Militär «nicht unbeantwortet» bleiben könne und dass ein weiterer Einsatz von Chemiewaffen durch das Assad-Regime verhindert werden müsse. Über ein geplantes Telefonat Trumps mit dem französischen Staatschef Emmanuel Macron lag zunächst keine offizielle Erklärung vor.

Am Morgen hatte Trump noch eine baldige Entscheidung über einen Militäreinsatz angekündigt. Er machte Syriens Führung unter Baschar al-Assad für eine Giftgasattacke verantwortlich. Kurz zuvor hatte er getwittert: «Es könnte sehr bald sein oder überhaupt nicht so bald.»

Nach Einschätzung des früheren US-Botschafters in Deutschland, John Kornblum, wird Trump wegen seiner Drohungen mit einem Militärschlag kaum noch anders können, als in Syrien anzugreifen. «Nach der massiven Warnung wird Trump nicht mehr hinter seine Drohungen zurück können», sagte Kornblum den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). «Jetzt gar nichts zu machen, käme einem Gesichtsverlust gleich. Ich gehe davon aus, dass es eine US-Militäraktion in der einen oder anderen Form geben wird.»

Eine Beteiligung Deutschlands schloss Bundeskanzlerin Angela Merkel kategorisch aus. Dies wurde vom FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff scharf kritisiert. «Sollten unsere Partner Unterstützung brauchen und eventuell anfordern, dann sollte das zumindest nicht von vorneherein ausgeschlossen sein.»

In New York suchte der Sicherheitsrat hinter verschlossenen Türen einen Ausweg aus der Krise. Auf Antrag Russlands soll das höchste UN-Gremium am Freitag zu einer neue, öffentlichen Sitzung zusammenkommen.

Frankreich hat nach Macrons Worten Beweise für den Einsatz von Chemiewaffen seitens der syrischen Regierung. In Washington sagte US-Verteidigungsminister James Mattis, endgültige Beweise für den Chemiewaffeneinsatz der syrischen Regierung würden noch gesucht.

Der Sender MSNBC berichtete, Blut- und Urinproben legten den Einsatz chemischer Waffen nahe. Der Sender berief sich ohne nähere Angaben auf zwei Regierungsmitarbeiter, die mit Erkenntnissen eines Geheimdienstes vertraut seien. Es seien Chlorgas und ein namenloses Nervengas eingesetzt worden. Sie hätten Vertrauen in die Geheimdiensterkenntnisse, wenn auch nicht zu 100 Prozent.

Britische U-Boote sind unterdessen nach übereinstimmenden Medienberichten bereits in Position und Reichweite, um Marschflugkörper nach Syrien zu starten. Das Verteidigungsministerium lehnte dazu jeden Kommentar ab.

Die syrische Armee ist schon seit Tagen in voller Alarmbereitschaft und hatte sich am Mittwoch von weiteren Stützpunkten zurückgezogen, um einer möglicherweise bevorstehenden Attacke weniger Angriffsfläche zu bieten. Fluglinien änderten ihre Flugrouten in der Region. Russische Medien berichteten unterdessen akribisch über diverse Flüge amerikanischer Aufklärungsmaschinen im östlichen Mittelmeer sowie über Verlegungen britischer Militärmaschinen in die Region.

@ dpa.de

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