Notfälle, Migration

Nach der Tragödie im Ärmelkanal mit mindestens 27 Toten wollen Frankreich und Großbritannien mehr gegen Schleuser unternehmen.

25.11.2021 - 10:24:06

Unglück im Ärmelkanal - Paris und London ringen um härteren Kurs gegen Schleuser. Auch andere Länder müssten mehr leisten. Auch Deutschland steht im Fokus.

London/Paris - Nach dem Tod von mindestens 27 Menschen beim Untergang eines Bootes mit Migranten im Ärmelkanal will Großbritannien härter gegen Schleuser vorgehen.

Innen-Staatssekretär Kevin Foster sagte in der BBC, die Regierung sei entschlossen, das Geschäftsmodell der Menschenschmuggler zu zerstören. Dazu sei ein gemeinsamer europäischer Ansatz nötig. Am Mittwoch war ein Boot mit Migranten, die illegal nach Großbritannien einreisen wollten, gekentert. Fünf mutmaßliche Schleuser wurden festgenommen. Einer davon kam aus Deutschland.

«Wir sind bereit, Unterstützung auf dem Boden zu bieten. Wir sind bereit, Ressourcen zu bieten. Wir sind bereit, Personal zu schicken und den französischen Behörden zu helfen», sagte Foster. Zuvor hatte Premierminister Boris Johnson gemeinsame Patrouillen an der französischen Küste gefordert. «Ich verstehe die Schwierigkeiten, mit denen alle Länder konfrontiert sind, aber wir wollen jetzt mehr gemeinsam tun - und das ist unser Angebot», sagte Johnson.

«Großbritannien und Frankreich müssen zusammenarbeiten», sagte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin im RTL-Fernsehen. «Wir müssen aufhören die einzigen zu sein, die gegen Schleuser kämpfen.» Belgien, die Niederlande und Deutschland müssten stärker einbezogen werden und die Ermittlungen besser unterstützen. «Der Schleuser, den wir heute Nacht festgenommen haben, hatte deutsche Kennzeichen», sagte Darmanin. «Er hat diese Schlauchboote in Deutschland gekauft.»

Großbritannien hat Frankreich wiederholt vorgeworfen, zu wenig zu tun, um die Überfahrten zu verhindern. In diesem Jahr sind bereits etwa 26 000 Migranten aus Frankreich an der englischen Küste angekommen - drei Mal so viele wie im gesamten Vorjahr.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Johnson hatten noch am Mittwochabend über Schritte zur Verhinderung weiterer solcher Dramen beraten. Beide hätten sich auf verstärkte Anstrengungen verständigt, Schleuserbanden zu stoppen, die das Leben von Menschen in Gefahr bringen, teilte die britische Seite anschließend mit.

Macron äußerte nach Angaben des Elysée-Palastes in Paris die Erwartung, dass die Briten zu Zusammenarbeit bereit seien und das Flüchtlingsdrama nicht zu politischen Zwecken instrumentalisierten. «Frankreich wird nicht zulassen, dass der Ärmelkanal zu einem Friedhof wird», hatte Macron bereits am Abend gesagt.

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