WM, Nationalmannschaft

Nach der Ankunft im Oman müssen sich die Nationalspieler an die WM-Bedingungen anpassen.

15.11.2022 - 12:12:40

Arbeit und Strand: Flick sucht im Oman den passenden WM-Mix. Ein letzter Test soll Sicherheit bringen. Und Fragen beantworten.

  • Im Oman gönnt Bundestrainer Hansi Flick seinen Spielern Zeit zum Eingewöhnen. - Foto: Christian Charisius/dpa

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  • Gut gelaunt in Maskat: Bundestrainer Hansi Flick beim Training mit dem DFB-Team vor dem letzten WM-Test. - Foto: Christian Charisius/dpa

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Im Oman gönnt Bundestrainer Hansi Flick seinen Spielern Zeit zum Eingewöhnen. - Foto: Christian Charisius/dpaGut gelaunt in Maskat: Bundestrainer Hansi Flick beim Training mit dem DFB-Team vor dem letzten WM-Test. - Foto: Christian Charisius/dpa

Ausschlafen, akklimatisieren - und gleich wieder ran an die Arbeit.

Nur 17 Stunden nach der späten Ankunft im selbst um Mitternacht immer noch sehr warmen Maskat hatte Hansi Flick für sein WM-Personal um Team-Senior Manuel Neuer (36) und den noch 17 Jahre alten Team-Youngster Youssoufa Moukoko das erste Training in der dieses Mal extrem kurzen Vorbereitung auf ein Turnier angesetzt. Zum Sonnenuntergang sollte in einer lockeren Einheit im Sultan-Kabus-Stadion für den finalen Formtest gegen Gastgeber Oman geprobt werden. 

Eine echte Generalprobe für die Fußball-Weltmeisterschaft wird das 994. DFB-Länderspiel eine Woche vor dem Ernstfall gegen Japan aber nicht. Denn der Bundestrainer will noch nicht seine Wunschelf für den so wichtigen Gruppen-Auftakt exakt eine Woche später in Katar aufbieten, sondern höchstens Teile davon. 

Klimawechsel als Herausforderung

Im Luxushotel am Persischen Golf mit allen Annehmlichkeiten wie Pool, Spa und einem Privatstrand konnten die bis auf den erkrankten Torwart Marc-André ter Stegen angereisten 25 WM-Akteure am Dienstag aber erst einmal ein paar Stunden ausspannen. Es gilt, möglichst schnell den Klimawechsel vom deutschen Herbst auf das tagsüber herausfordernde Wüstenwetter sowie die Zeitumstellung von plus drei Stunden zu bewältigen. «Es ist gut, vorher vor Ort zu sein und die Temperaturen anzunehmen, die Tageszeiten anzunehmen. Das war uns wichtig», hatte Flick schon im Vorfeld betont. 

Der 57-Jährige geht natürlich auch im Sultanat voran. In zwei vom Gastgeber Oman mit der Aufschrift «Germany Football Team» beschrifteten Bussen war der DFB-Tross nachts im Quartier eingetroffen. Flick schritt als Erster an ein paar Schaulustigen vorbei und trug seinen Rollkoffer nach einem kurzen «Servus» eine steile Treppe hinauf. Dann verschwand der Bundestrainer ebenso wie der dauerlächelnde Nationalteam-Rückkehrer Mario Götze Richtung Lobby. Die Zeit drängt, ein WM-Turnier mitten in der Saison ist für alle Neuland.

Pausen für Dauerläufer

Flick muss genau hinschauen und abwägen, wie er mit seinen Spielern verfährt. «Alle haben viele Spiele in den Beinen. Da ist es wichtig für uns, gerade die ersten Tage zu schauen, wer eventuell eine kleine Pause braucht», schilderte er seine Gedanken. Dauerleister wie Joshua Kimmich, Ilkay Gündogan oder der längst zum großen Turnier-Trumpf emporgeschossene Offensiv-Magier Jamal Musiala könnten mal aussetzen beim letzten WM-Probelauf - oder zumindest nicht 90 Minuten durchspielen.

Wichtig ist das zweite Länderspiel gegen Oman - nach einem 2:0-Erfolg im Februar 1998 - aber schon. «Wir haben nur noch ein Testspiel. Da wird es wichtig sein, dass wir uns auch die Sicherheit holen», bemerkte Torwart Neuer. Für einige Teamgrößen wie die zuletzt verletzt pausierenden Thomas Müller und Antonio Rüdiger ist das freundschaftliche Duell gar ein Härtetest. Sind sie tatsächlich startklar für ein strapaziöses WM-Turnier? 

«Wir rechnen mit ihm und hoffen, dass wir ihn einsetzen können, das ist unser Ziel, um dann den nächsten Schritt zu gehen», sagte Flick zu Angreifer Müller, der wegen multipler Probleme (Rücken, Hüfte, Adduktoren) wochenlang beim FC Bayern aussetzen musste. Der Rhythmus ist weg. Ein Müller-Einsatz könnte auch aufzeigen, wie und vor allem wo Flick mit dem 33 Jahre alten Angreifer plant. Musiala ist der neue Super-Zehner. Aber vorne drin wird ein Ersatz für den verletzt ausfallenden Timo Werner gesucht. Flick denkt an sein Pressing.

Hoffnung auf Müller und Rüdiger

«Unsere Idee ist schon, dass wir den Gegner unter Druck setzen wollen. Daher brauchen wir schon einen Spieler, der anlaufen kann, der taktisch gut integriert ist in das Ganze, der bereit ist, diese Wege zu gehen», erläuterte der Bundestrainer. Müller könnte vielleicht genau dieser Spieler sein, eigentlich eher als Kai Havertz oder der wuchtige Serge Gnabry. 

Auch Antonio Rüdiger wurde zuletzt bei Real Madrid wegen Hüftproblemen aus dem Spielbetrieb genommen. Es gab aber einen engen Austausch der DFB-Mediziner mit den Real-Doktoren. «Toni ist unser Abwehrchef», sagte Flick zur Bedeutung des 29-Jährigen. Auch deswegen war kein Platz im Kader für ein Alphatier wie Mats Hummels. Der Dortmunder Routinier hätte Rüdigers Gestaltungsraum und dessen Chefrolle beeinträchtigen können, ebenso die Position  und den Status von Niklas Süle. Im Abwehrzentrum wechseln Trainer während eines Turniers nicht gerne, anders als im Offensivbereich.

Götze-Comeback naht

Darum darf Mario Götze hoffen, nach fünf Jahren ohne Einsatz für Deutschland nicht nur schon gegen den Oman sein Länderspiel-Comeback zu feiern, sondern dann auch in Katar eine ihn erfüllende Turnierrolle zu erhalten. Die Form des Final-Helden von 2014 stimmt. «Die letzten Spiele waren auf einem ganz hohen Niveau», lobte Flick. Vielleicht lässt der Bundestrainer auch Sturmtalent Moukoko und Bremens spät berufenen Torjäger Niclas Füllkrug (29) gleich bei der ersten Gelegenheit im A-Team debütieren und macht sie damit noch vor WM-Start zu vollwertigen Nationalspielern in seinem Katar-Aufgebot.

Knapp ein Drittel der Deutschen traut Flick dort mit seinem Team den Einzug ins Halbfinale zu. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor. 20 Prozent der Befragten rechnen allerdings dann im Halbfinale mit dem K.o. im Titelkampf. An den Titelgewinn glauben nur 7 Prozent, 4 Prozent rechnen mit einer Niederlage im Endspiel am 18. Dezember. Aber das ist für Flick und seine Spieler im Oman gerade noch sehr weit weg.

@ dpa.de