Vulkane, NotfÀlle

Nach dem Vulkanausbruch samt Tsunami spricht Tongas Regierung von einer «beispiellosen Katastrophe».

18.01.2022 - 16:32:11

Untersee-Vulkan - Vulkanausbruch: Tonga macht Angaben zu Toten und SchÀden. Mehrere abgelegene Inseln seien schwer getroffen worden. Rettungsarbeiten gestalten sich schwierig.

  • Hunga Ha'apai - Foto: Tonga Geological Services/ZUMA Press Wire Service/dpa

    ?ber dem Vulkan Hunga Ha'apai steigt eine gro?e Asche-, Dampf- und Gaswolke ?ber dem Meeresspiegel auf. Foto: Tonga Geological Services/ZUMA Press Wire Service/dpa

  • Vulkanausbruch Tonga - Foto: Uncredited/Satellite image ?2022 Maxar Technologies/dpa

    Dieses von Maxar Technologies zur Verf?gung gestellte Satellitenbild zeigt aschebedeckte H?user und Geb?ude nach dem Vulkanausbruch. Foto: Uncredited/Satellite image ?2022 Maxar Technologies/dpa

  • Vulkanausbruch Tonga - Foto: Cpl Vanessa Parker/New Zealand Defense Force/AP/dpa

    Das von den neuseel?ndischen Verteidigungskr?ften zur Verf?gung gestellte Foto zeigt aschebedeckte H?user und Geb?ude nach einem Vulkanausbruch. Foto: Cpl Vanessa Parker/New Zealand Defense Force/AP/dpa

  • Nach Ausbruch von Untersee-Vulkan im Pazifik-Raum - Foto: Tonga Geological Services/ZUMA Press Wire/dpa

    Mitarbeiter des Geologischen Dienstes von Tonga beobachten und ?berwachen den Ausbruch des Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai aus sicherer Entfernung. Foto: Tonga Geological Services/ZUMA Press Wire/dpa

Hunga Ha'apai - Foto: Tonga Geological Services/ZUMA Press Wire Service/dpaVulkanausbruch Tonga - Foto: Uncredited/Satellite image ?2022 Maxar Technologies/dpaVulkanausbruch Tonga - Foto: Cpl Vanessa Parker/New Zealand Defense Force/AP/dpaNach Ausbruch von Untersee-Vulkan im Pazifik-Raum - Foto: Tonga Geological Services/ZUMA Press Wire/dpa

Nuku'alofa - Tage nach dem gewaltigen Ausbruch eines Untersee-Vulkans sickern Informationen zum Ausmaß der SchĂ€den aus dem SĂŒdsee-Archipel Tonga: Die Regierung des Inselreichs hat in einer ersten offiziellen Mitteilung seit der Eruption von Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai im Pazifik mindestens drei Tote bestĂ€tigt.

Es handele sich um zwei Tongaer und einen britischen StaatsbĂŒrger, teilte das BĂŒro von Premierminister Siaosi Sovaleni am Dienstag mit. Die Kommunikationsverbindungen waren seit dem Ausbruch am Samstag beeintrĂ€chtigt, weil ein wichtiges Unterseekabel durch das Seebeben gekappt wurde. Man arbeite an der Wiederherstellung der Dienste - einschließlich des Internets, hieß es weiter.

Überall Asche

Die Regierung Tongas sprach von einer «beispiellosen Katastrophe». Demnach wurden auch Verletzte gemeldet. Durch die Eruption sei eine vulkanische Aschewolke entstanden, die alle Inseln Tongas bedeckte. Außerdem habe der Ausbruch bis zu 15 Meter hohe Tsunamiwellen verursacht. «Obwohl die Tsunami-Warnung aufgehoben wurde und die vulkanische AktivitĂ€t deutlich zurĂŒckgegangen ist, wird die Überwachung fortgesetzt», hieß es weiter.

Der Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai hatte am Wochenende eine gigantische Wolke aus Asche und Gas kilometerweit in die Höhe geschleudert und Tsunami-Wellen ausgelöst, die selbst in Japan, Alaska und SĂŒdamerika noch an die KĂŒsten schwappten. Auf Satellitenbildern waren spektakulĂ€re Aufnahmen der Eruption zu sehen, die Experten zufolge wahrscheinlich die stĂ€rkste weltweit seit dem Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991 war. Die Druckwelle des Vulkanausbruches wurde sogar von MessgerĂ€ten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ĂŒber Deutschland erfasst.

Der Untersee-Koloss, der sich 1800 Meter hoch und 20 Kilometer breit unter der WasseroberflÀche erhebt, liegt nur 65 Kilometer nördlich von Tongas Hauptstadt Nuku'alofa. Das Königreich Tonga hat rund 107.000 Einwohner.

Marine verteilt lebenswichtige VorrÀte

Regierungsangaben zufolge brachte Tongas Marine lebenswichtige VorrĂ€te auf einige Inseln. Auf der tiefliegenden Insel Mango mit rund 36 Bewohnern, von der ein Notsignal empfangen wurde, seien alle HĂ€user zerstört. Auf Fonoifua seien zwei HĂ€user ĂŒbrig geblieben. Die Bewohner der beiden Inseln sowie von 'Atata, wĂŒrden von der Marine in Sicherheit gebracht. Die Asche und SchĂ€den an den Anlegestellen erschwerten den See- und Lufttransport. Mit der nördlichsten Inselkette Niuas konnte demnach bisher kein Kontakt hergestellt werden. Sie galt aufgrund der Entfernung zum Vulkan jedoch als weniger gefĂ€hrdet.

«Die Kommunikation ist weiter das grĂ¶ĂŸte Problem, da Internet und internationale Telefonleitungen immer noch außer Betrieb sind», teilte das BĂŒro der Vereinten Nationen fĂŒr die Koordinierung humanitĂ€rer Angelegenheiten (OCHA) mit. «Insgesamt scheint es auch rund um die Hauptinsel Tongatapu erhebliche SchĂ€den an der Infrastruktur zu geben», berichtete OCHA weiter. StrĂ€nde, HĂ€user und Hotels - vor allem im Westen der Insel - sollen ebenfalls betroffen sein.

Die neuseelĂ€ndische Regierung hatte zunĂ€chst unter Berufung auf die Polizei in Tonga zwei TodesfĂ€lle bestĂ€tigt. Eines der Opfer ist demnach eine 50-jĂ€hrige Britin, die von einer Flutwelle erfasst wurde, als sie ihre Hunde retten wollte, wie ihr Bruder gegenĂŒber dem britischen Sender BBC bestĂ€tigte. Die Frau leitete in Tonga ein Tierheim. Tongas Regierung gab an, eine 65 Jahre alte Bewohnerin der Insel Mango und ein 49-jĂ€hriger Einwohner der Insel Nomuka seien gestorben.

Neuseeland schickt HilfsgĂŒter

Neuseeland wollte noch am Dienstag zwei Schiffe mit HilfsgĂŒtern in das 2300 Kilometer entfernte Tonga schicken. Ein formelles Hilfeersuchen stehe zwar noch aus, aber die neuseelĂ€ndische Regierung wolle die Schiffe «HMNZS Wellington» und «HMNZS Aotearoa» dennoch bereits entsenden, da diese drei Tage brauchten, um die betroffene Region zu erreichen, hieß es.

Eines der Schiffe soll dringend benötigtes Trinkwasser transportieren, denn auf Tonga ist das Wasser durch Asche verschmutzt. «Wasser hat in dieser Phase fĂŒr Tonga höchste PrioritĂ€t und die «HMNZS Aotearoa» kann 250.000 Liter transportieren und 70.000 Liter pro Tag durch eine Entsalzungsanlage produzieren», sagte Verteidigungsminister Peeni Henare. Auch im australischen Brisbane sollte am Mittwoch ein Schiff ablegen. Laut der Nachrichtenagentur AAP wird die «HMAS Adelaide» sowohl humanitĂ€re Hilfen als auch medizinisches Fachpersonal und Helikopter an Bord haben.

Farblose Landschaften

Am Montag hatten beide Nachbarstaaten Flugzeuge nach Tonga geschickt, um die Situation aus der Luft zu erkunden. Die StreitkrÀfte veröffentlichten Aufnahmen, die farblose Landschaften unter einer dicken Ascheschicht zeigen. Maschinen können derzeit nicht in der Hauptstadt landen, weil auch der Flughafen zunÀchst von der Asche befreit werden muss.

Ob der seit Dezember wieder aktive Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai nun Ruhe gibt, ist laut Experten schwer einzuschĂ€tzen. Jedoch mĂŒssten sich die Tongaer wahrscheinlich auf weitere Eruptionen einstellen, zitierte der australische Sender ABC am Dienstag den Geochemiker Oliver Nebel von der renommierten Monash University in Melbourne. «Ich glaube, dass er in den kommenden Tagen, Wochen oder Monaten erneut ausbrechen wird.» Ob dies mit der gleichen IntensitĂ€t geschehe, sei aber nicht vorherzusagen - denn niemand wisse, wie viel Magma sich noch in der Magmakammer in der Erdkruste befindet.

© dpa-infocom, dpa:220118-99-747855/12

@ dpa.de