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Migration, Flüchtlinge

Mit mehr als 200 Migranten an Bord ruft das Rettungsschiff «Louise Michel» im Mittelmeer um Hilfe.

29.08.2020 - 20:16:08

Rettungsschiff von Banksy - Küstenwache nimmt 49 Migranten von «Louise Michel» auf. Erst rund einen Tag später nimmt die italienische Küstenwache einen Teil der Menschen auf. Banksy unterstreicht derweil seine Unterstützung für das Schiff.

  • Louise Michel - Foto: -/Louise Michel/dpa

    Die Besatzung des Rettungsschiffs der Louise Michel braucht dringend Unterst?tzung. Foto: -/Louise Michel/dpa

  • Rettungsschiff ?Louise Michel? - Foto: Ein Junge an Bord der ?Louise Michel?, das vom renommierten K?nstler Banksy finanziert wird, winkt der Besatzung des Rettungsschiffes ?Astral?. Das Rettungsschiff ?Louise Michel? kann sich nach Angaben der Besatzung mit mehr als 200 Migranten an Bord nich

    Ein Junge an Bord der ?Louise Michel?, das vom renommierten K?nstler Banksy finanziert wird, winkt der Besatzung des Rettungsschiffes ?Astral?. Das Rettungsschiff ?Louise Michel? kann sich nach Angaben der Besatzung mit mehr als 200 Migranten an Bord nich

Louise Michel - Foto: -/Louise Michel/dpaRettungsschiff ?Louise Michel? - Foto: Ein Junge an Bord der ?Louise Michel?, das vom renommierten K?nstler Banksy finanziert wird, winkt der Besatzung des Rettungsschiffes ?Astral?. Das Rettungsschiff ?Louise Michel? kann sich nach Angaben der Besatzung mit mehr als 200 Migranten an Bord nich

Rom - Rund einen Tag nach den ersten Hilferufen der «Louise Michel» hat die italienische Küstenwache nach eigenen Angaben 49 Migranten von dem privaten Rettungsschiff im Mittelmeer aufgenommen.

Ein von der Insel Lampedusa entsandtes Patrouillenschiff habe 32 Frauen, 13 Kinder und 4 Männer an Bord genommen, teilte die Behörde am Samstag mit. Diese galten demnach als am stärksten gefährdet. Zuvor hatte die rund 30 Meter lange «Louise Michel» nach Angaben der Besatzung mehr als 200 Migranten an Bord und konnte sich wegen Überfüllung nicht länger sicher fortbewegen. Die zuständigen Behörden hätten demnach zunächst seit Freitag nicht auf Hilferufe reagiert. Banksy, Streetart-Künstler und Unterstützer des Schiffes, meldete sich am Samstag mit einem neuen Video zu Wort.

Die Besatzung der unter deutscher Flagge fahrenden «Louise Michel» habe die italienische Küstenwache, das maltesische Militär und die Seenotleitung Bremen vergeblich um Hilfe gebeten, hieß es in weiteren Tweets. Das Schiff befand sich am Samstag südöstlich von Lampedusa. Eine zehnköpfige Crew kümmere sich um 219 Menschen an Bord des Schiffes, 33 von ihnen befänden sich noch in einer Rettungsinsel. An Bord befinde sich bereits ein Toter, andere seien verletzt. Zuvor hatte die Besatzung des Schiffes nach eigenen Angaben 130 weiteren Menschen in Seenot geholfen, darunter vielen Frauen und Kindern.

Erst kürzlich war bekannt geworden, dass der geheimnisumwitterte Streetart-Künstler Banksy das Rettungsschiff unterstützt. «Er hat das Schiff finanziert und bemalt», hatte die Sprecherin einer Organisation, die eine eigene Website zur Louise Michel erstellt hat, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur bestätigt. Wer der Besitzer des Schiffes ist, wollte die Sprecherin nicht sagen.

In einem neuen Video auf Instagram kritisierte der Künstler den Umgang der EU mit Flüchtlingen auf dem Mittelmeer. «Wie die meisten Menschen, die es zu etwas in der Kunstwelt gebracht haben, habe ich eine Yacht gekauft, um auf dem Mittelmeer herumzukreuzen», ist mit ironischem Unterton in den Untertiteln des knapp einminütigen Videos zu lesen.

Der Zusammenschnitt zeigt Fotos und Videosequenzen, die unter anderem die «Louise Michel» und schwarze Migranten im Wasser zeigen. Auf dem rosa bemalten Schiff ist auf einer Schiffswand ein Kunstwerk Banksys zu sehen, das ein Mädchen mit Schwimmweste und einen herzförmigen Rettungsring zeigt. «Es ist ein Schiff der französischen Marine, das wir in ein Rettungsboot umgebaut haben, weil die EU-Behörden Notrufe von «Nicht-Europäern» absichtlich ignorieren», hieß es.

Das Video, das innerhalb von drei Stunden mehr als 1,5 Millionen Mal aufgerufen wurde, endet in Anlehnung an die Bewegung «Black Lives Matter» mit der Aufschrift: «All Black Lives Matter» (etwa: Alle schwarzen Leben zählen).

Unterdessen forderten internationale Organisationen ein Einlenken der Behörden. Den Migranten auf der «Louise Michel» und mehr als 200 weiteren auf der «Sea-Watch 4» müsse es gestattet werden, sofort an Land zu gehen, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. «Das Fehlen einer Übereinkunft über einen regionalen Ausschiffungsmechanismus, der seit langem von UNHCR und IOM gefordert wird, ist keine Entschuldigung dafür, gefährdeten Menschen einen sicheren Hafen und die benötigte Hilfe zu verweigern, wie es das Völkerrecht vorschreibt», teilten die beiden UN-Organisationen mit.

Sea-Watch International hatte zuvor ebenfalls über Twitter um Hilfe gebeten. Das Rettungsschiff «Sea-Watch 4» habe den Kurs geändert und sich auf den Weg gemacht, um der manövrierunfähigen «Louise Michel» zu helfen, hieß es in einem Tweet vom Samstagmorgen. «Warum? Weil die europäischen Behörden erneut Hilfe verweigern. Schande über die EU!»

Die Sprecherin einer Organisation, die eine eigene Website zur «Louise Michel» erstellt hat, sagte der Deutschen Presse-Agentur am späten Samstagnachmittag, die «Sea-Watch 4» sei nun zur Unterstützung vor Ort, werde aber keine Migranten aufnehmen. Die «Mare Jonio» der italienischen Organisation Mediterranea Saving Humans habe sich ebenfalls auf den Weg gemacht, sei aber «noch weit entfernt».

In Italien gingen die Zahlen der in Booten ankommenden Migranten in diesem Sommer stark in die Höhe. Die Menschen fahren sowohl von Libyen als auch von Tunesien aus los. Viele Tunesier verlassen ihr Land, weil es unter einer Wirtschaftskrise leidet. In Süditalien sorgen die steigenden Zahlen zunehmend für Widerstand in den Ankunftsorten. Die Regierungen in Italien und Malta stellten den Seenotrettern zuletzt oft hohe Hürden in den Weg. Zugleich wiesen sie - häufig nach längerem Warten - sichere Häfen zu.

© dpa-infocom, dpa:200829-99-351451/5

@ dpa.de

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