Energie, Klima

Mit einer Mischung aus Demo und Happening feiern Braunkohle-Gegner den vorläufigen Rodungsstopp für den Hambacher Forst.

06.10.2018 - 15:21:17

Nach Rodungsstopp - Tausende demonstrieren am Hambacher Forst. Die Rettung des Waldes soll für sie aber nur der Anfang sein.

  • Hambacher Forst - Foto: Oliver Berg

    Der Forst wird laut RWE mit einem Graben sowie Seil und Flatterband umfriedet. Foto: Oliver Berg

  • Hambacher Wald - Foto: Oliver Berg

    «Hambi bleibt» - zumindest vorläufig. Foto: Oliver Berg

  • Tagebau - Foto: Federico Gambarini

    Der Tagebau Hambach schiebt sich immer näher an den Rest des Hambacher Forstes heran. Foto: Federico Gambarini

  • Hambacher Forst - Foto: Federico Gambarini

    Im Tagebau Hambach arbeiten Bergbaumaschinen. Der angrenzende Hambacher Forst gilt als Symbol des Widerstands gegen die Kohle. Foto: Federico Gambarini

  • Bechsteinfledermaus - Foto: Dr. Renate Keil/BUND-Fledermauszentrum Hannover

    Im Streit um die Rodung des Hambacher Forstes hatte der BUND argumentiert, dass der Wald mit seltenen Tieren wie der Bechsteinfledermaus geschützt werden müsse. Foto: Dr. Renate Keil/BUND-Fledermauszentrum Hannover

  • Hambacher Forst - Foto: Christophe Gateau

    Aktivisten sitzen vor dem Wiesencamp am Hambacher Forst. Die Rodung ist vorerst gestoppt. Foto: Christophe Gateau

  • Demonstration - Foto: Christophe Gateau

    Tausende Menschen demonstrieren in der Nähe des Hambacher Forsts zum Thema «Wald retten! Kohle stoppen!» gegen die Rodungspläne von RWE für den Wald. Foto: Christophe Gateau

Hambacher Forst - Foto: Oliver BergHambacher Wald - Foto: Oliver BergTagebau - Foto: Federico GambariniHambacher Forst - Foto: Federico GambariniBechsteinfledermaus - Foto: Dr. Renate Keil/BUND-Fledermauszentrum HannoverHambacher Forst - Foto: Christophe GateauDemonstration - Foto: Christophe Gateau

Kerpen - An der Demonstration am Hambacher Forst haben nach Angaben der Veranstalter 50.000 Menschen teilgenommen. «Es ist die mit Abstand größte Demo, die das Rheinische Braunkohlerevier je gesehen hat», sagte Dirk Jansen, Geschäftsführer des BUND Nordrhein-Westfalen.

Die Polizei wollte keine Angaben zur Teilnehmerzahl machen. Die Kundgebung sei friedlich verlaufen, sagte eine Polizeisprecherin.

Viele tausend Demonstranten liefen am Nachmittag auch in den Wald, was nach dem Ende der Räumungsarbeiten der Polizei nicht länger verboten ist. Allerdings dürften keine neuen Baumhäuser gebaut werden, sagte die Polizeisprecherin. Eine Sprecherin von «Ende Gelände» bestritt, dass ihre Aktivistengruppe neue Baumhäuser bauen wolle.

Unter wolkenlosem Himmel herrschte entspannte Festivalatmosphäre, die Polizei zeigte anders als in den vergangenen Wochen nur zurückhaltend Präsenz. «Hier sind wirklich Tausende unterwegs, die noch einmal ein deutliches Zeichen setzen wollen», sagte Greenpeace-Chef Martin Kaiser der Deutschen Presse-Agentur.

Die Demonstration war von der Polizei zunächst wegen Sicherheitsbedenken verboten worden. Das Verwaltungsgericht Aachen hob das Verbot jedoch auf. Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte am Freitag einen vorläufigen Rodungsstopp für den Hambacher Forst verfügt. Der Energiekonzern RWE wollte in den kommenden Monaten mehr als die Hälfte des verbliebenen alten Waldes fällen, um dort Braunkohle abbauen zu können.

Bei der Demonstration gehe es aber um viel mehr, sagte Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands. «Es geht um die Frage, ob wir die ökologische Selbstvernichtung der Menschheit verhindern können oder nicht. Wir wollen nicht nur den Kohleausstieg, sondern auch raus aus Öl und Gas.» Es dürfe nicht sein, dass in ein paar Jahrzehnten gesagt werde: «Wir wussten, dass der Mensch den Klimawandel verursacht, aber wir haben nicht gehandelt.»

Die sei «Rückenwind für die Arbeit in der Kohlekommission», sagte Greenpeace-Chef Kaiser, der selbst Mitglied der Kohlekommission ist. «Wir haben in den letzten Wochen und Monaten einen friedlichen und bürgerlichen Protest gesehen, der immer, immer größer wurde.» Dies habe einerseits an , aber auch am Verhalten der Politik. Die NRW-Landesregierung habe den Konflikt «eigentlich noch geschürt, anstatt ihn zu moderieren und eine tragfähige Lösung zu finden».

An der Demonstration am Saum des Hambacher Forstes beteiligten sich am Samstag auch Bauern aus dem Rheinischen Tagebaurevier. Sie fuhren mit ihren Traktoren laut hupend und unter Beifall von Demonstranten an dem Protest-Gelände vorbei. «Energiewende! Stoppt Braunkohle» stand auf Plakaten oder «Bauern gegen Kohle».

@ dpa.de

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