Konflikte, Nahost

Mit einem «Marsch der Rückkehr» wollte die radikal-islamische Hamas den Anspruch palästinensischer Flüchtlinge auf eine Heimkehr in das Gebiet des heutigen Israels untermauern.

31.03.2018 - 09:38:05

UN-Generalsekretär besorgt - Nationaler Tag der Trauer in Gaza. Die israelische Armee reagierte mit Gewalt. Die UN fürchten eine Verschlimmerung der Lage.

Gaza/New York - Nach den blutigen Zusammenstößen von Palästinensern und israelischen Soldaten am Rande des Gazastreifens hat sich UN-Generalsekretär António Guterres «zutiefst besorgt» geäußert.

Seine Gedanken seien bei den Angehörigen der Opfer, sagte ein Sprecher des Generalsekretärs am Freitag (Ortszeit) in einer Stellungnahme. Der UN-Sicherheitsrat trat wegen der Gewalteskalation in der Nacht zum Karsamstag in New York zusammen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas rief einen nationalen Tag der Trauer aus.

Bei den Massenprotesten hatten am Freitag israelische Sicherheitskräfte nach palästinensischen Angaben mindestens 15 Palästinenser erschossen. Mehr als 1400 wurden verletzt, die meisten davon durch Tränengas.

Der Sicherheitsrat wollte sich in einer geschlossenen Sitzung über die Vorgänge informieren lassen, erklärte ein UN-Diplomat der Deutschen Presse-Agentur.

Der palästinensische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Rijad Mansur, berichtete im Vorfeld der Sicherheitsratssitzung sogar von 17 Toten. Darunter seien auch Kinder. Sein Land betrachte die Handlungsweise Israels als «ein riesiges Massaker gegen unser Volk», sagte Mansur. Er forderte den Sicherheitsrat zum Handeln auf. Das UN-Organ müsse sich ernsthaft darum kümmern, die Zivilbevölkerung in Gaza zu schützen.

Nach palästinensischen Medienberichten waren am Freitag mehr als 20.000 Menschen zu einem «Marsch der Rückkehr» gekommen. Die radikal-islamische Hamas wollte mit der Aktion ihren Anspruch auf ein «Recht auf Rückkehr» für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen in das Gebiet des heutigen Israels untermauern. Israel lehnt eine Rückkehr in das eigene Staatsgebiet ab.

Am Samstag blieben in den Palästinensergebieten und in Ost-Jerusalem die Läden geschlossen. Der Generalstreik bezog sich auch auf Privatschulen, die samstags offen sind. Am Samstag sollten die Toten in Gaza beerdigt werden. Die Bevölkerung wurde dazu aufgerufen, die Verletzten zu besuchen.

Die Vereinten Nationen fürchteten, dass sich die Situation in Gaza in den kommenden Tagen verschlimmern könnte, sagte der stellvertretende Untergeneralsekretär für politische Angelegenheiten, Tayé-Brook Zerihoun, in einem Briefing des Sicherheitsrats. Er ermahnte Israel zur Aufrechterhaltung seiner Verantwortung unter humanitärem Recht. Tödliche Gewalt dürfe nur als letztes Mittel angewandt werden. Zivilisten dürften nicht zum Ziel werden, vor allem keine Kinder.

Der UN-Generalsekretär forderte «unabhängige und transparente Ermittlungen» zu den Vorfällen. Zudem rief er die Beteiligten auf, auf jegliche Handlungen zu verzichten, die zu weiteren Todesfällen führen oder die Zivilbevölkerung gefährden könnten. Die Tragödie vom Freitag zeige die Dringlichkeit, mit der der Friedensprozess im Nahen Osten wiederbelebt werden müsse, um es Palästinensern und Israelis zu ermöglichen, in Frieden und Sicherheit als Nachbarn zu leben.

Die Proteste in Gaza sollen bis zum 15. Mai dauern. Anlass sind die Feiern zum 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser begehen den 15. Mai als Nakba-Tag (Tag der Katastrophe), weil im ersten Nahost-Krieg 1948 rund 700.000 Palästinenser flohen oder vertrieben wurden.

@ dpa.de

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