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Konflikte, Afghanistan

Mit Dschalalabad im Osten des Landes verliert die afghanische Regierung die vorletzte Großstadt.

15.08.2021 - 09:04:44

Afghanistan - Auch Dschalalabad im Osten Afghanistans fällt an die Taliban. Auch sie wurde den Taliban kampflos überlassen. Das wirft Fragen zum möglichen Angriff auf Kabul auf.

Kabul - Die militant-islamistischen Taliban haben nun auch die Großstadt Dschalalabad im Osten Afghanistans übernommen. Die Provinzhauptstadt von Nangarhar sei kampflos von den Islamisten erobert worden.

Das bestätigten zwei Provinzräte und ein Bewohner der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Damit verliert die Regierung die vorletzte noch unter ihrer Kontrolle stehende Großstadt des Landes. Ein möglicher Angriff auf ihre letzte Bastion Kabul könnte bald erfolgen. Erst am Samstagabend hatten die Taliban die wichtige Stadt Mazar-i-Scharif im Norden mehr oder wenig kampflos eingenommen. Dort waren bis Ende Juni deutsche Soldaten stationiert.

Die Islamisten seien um 6.00 Uhr morgens (Ortszeit) nach Dschlalabad, eine wirtschaftlich wichtige Stadt mit 280 000 Einwohnern, eingedrungen, sagte ein Bewohner. Sie würden niemanden belästigen und hätten den Menschen gesagt, sie sollten nicht stehlen. Soldaten, die sie sähen, entwaffneten sie und schickten sie nach Hause, sagte der Bewohner weiter.

Ring um Hauptstadt Kabul ist zugezogen

Zwei Provinzräte erklärten, es habe keine Kämpfe gegeben. «Kämpfen wäre sinnlos gewesen.» In sozialen Medien geteilte Bilder zeigten rund ein Dutzend Taliban-Kämpfer im Büro des Provinzgouverneurs. Noch unbestätigten Berichten zufolge übernahmen die Islamisten auch weitere Bezirke in der Provinz Nangarhar. Es wäre damit nur eine Frage der Zeit, bis auch eine durch die Provinz verlaufende Hauptverbindung nach Pakistan über Land unter ihrer Kontrolle stünde. 

Der Ring um die Hauptstadt Kabul ist somit mehr oder weniger zugezogen. Präsident Aschraf Ghani hatte am Samstag Sami Sadat, den jungen, ehemaligen Kommandeur des 215. Armeekorps zuständig für den Süden Afghanistans - der mittlerweile praktisch vollständig Taliban-Gebiet ist - zum neuen Sicherheitsbeauftragten für die Stadt Kabul ernannt.

Es ist fraglich, ob der neue Kabul-Beauftragte Sadat noch groß dazu kommen wird, die Kräfte und Verteidigungslinien für die Hauptstadt zu verstärken. Es ist nicht bekannt, wie viele der auf dem Papier rund 300 000 Mann starken Sicherheitskräfte - Armee und Polizei - mittlerweile den Dienst quittiert haben. Am Samstag hatte Ghani in einer Fernsehansprache gesagt, die Sicherheitskräfte «remobilisieren» zu wollen.

Mehrere kampflose Übergaben von Provinzhauptstädten

Nach den jüngsten kampflosen Übergaben mehrerer Provinzhauptstädte ist zudem unklar, ob die Sicherheitskräfte in Kabul sich den Taliban widersetzen würden. Weiter ist offen, wie lange sich Ghani angesichts der brisanten Lage noch halten kann. Er hatte am Samstag gesagt, er wolle «bald» einen Plan vorlegen, um weiteres Blutvergießen und Zerstörung zu verhindern. Auf Spekulationen über seinen Rücktritt war er nicht eingegangen.

Angesichts des blitzartigen Eroberungszugs bereitet die Bundesregierung unter Hochdruck eine von der Bundeswehr abgesicherte Evakuierungsaktion in der Hauptstadt Kabul vor. Deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte sollen zu Wochenbeginn schnell außer Landes gebracht werden.

Außenminister Heiko Maas sagte der «Bild am Sonntag», dass nun die zügige Evakuierung deutscher Diplomaten und anderer Mitarbeiter das Wichtigste sei. «Wir werden nicht riskieren, dass unsere Leute den Taliban in die Hände fallen. Wir sind für alle Szenarien vorbereitet.»

Nach Informationen der Zeitung fliegt die Luftwaffe schon an diesem Montag mit Militärtransportern vom Typ A400M nach Kabul. Voraussichtlich werde es im usbekischen Taschkent Zwischenlandungen geben. Für die Passagiere soll es dann laut «BamS» mit Chartermaschinen weiter nach Deutschland gehen.

Racheaktionen der Taliban befürchtet

In Masar-i-Scharif hatte die Bundeswehr bis vor kurzem ein großes Feldlager im Camp Marmal in der Nähe des Flughafens. Dort waren bis zum Sommer noch rund 1000 deutsche Soldaten stationiert. Ende Juni waren in vier Militärmaschinen die letzten verbliebenen Soldaten nachts ausgeflogen worden. Die Bundeswehr hatte zuletzt afghanische Sicherheitskräfte im Zuge der Nato-Mission «Resolute Support» ausgebildet.

Der Provinzrat Sabiullah Kakar sagte, Masar-i-Scharif sei vollständig unter Kontrolle der Islamisten. Auch das 209. Armeekorps am Rande der Stadt sei gefallen, durch einen «Deal» mit den Taliban. In sozialen Medien wurden Bilder von Taliban geteilt, die bei der berühmten Blauen Moschee ihre Fahne anbrachten.

In Masar-i-Scharif könnten sich weiter auch Ortskräfte der Bundeswehr befinden. An ihnen werden Racheaktionen der Taliban befürchtet. Viele waren angesichts der steigenden Gefahr in den vergangenen Wochen bereits nach Kabul übergesiedelt. Eine ehemalige Bundeswehr-Ortskraft in Kabul sagte, seine Familie weine vor Angst, seit sie die Nachricht des Falls der Stadt erreicht habe. Sie gingen davon aus, dass Kabul auch bald eingenommen werde. Afghanistan-Experte Thomas Ruttig von der Denkfabrik Afghanistan Analyst Networks sagte, es sei «sehr, sehr unwahrscheinlich», dass sich die Entwicklung noch drehen könne.

Wegen des rasanten Eroberungszugs der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan sind 84 Soldaten ins Nachbarland Usbekistan in Zentralasien geflohen. Das teilte das usbekische Außenministerium am Sonntag in der Hauptstadt Taschkent mit. Die Mitarbeiter afghanischer Sicherheitsorgane hätten am Samstag um Hilfe gebeten. Drei von ihnen seien verletzt gewesen. Nach usbekischen Angaben hielten sich zeitweise weitere afghanische Soldaten auf einer Brücke zwischen beiden Ländern auf. Sie seien mittlerweile wieder umgekehrt.

Das Außenministerium der Ex-Sowjetrepublik führt nach eigenen Angaben Gespräche mit dem Nachbarland über die Rückkehr von Afghanen in ihre Heimat. Zudem sei die mehr als 130 Kilometer lange Grenze verstärkt worden. Am Sonntag habe sich die Lage zunächst entspannt, hieß es.

In den vergangenen Wochen waren bereits Hunderte Angehörige afghanischer Sicherheitsorgane aus Angst vor den Taliban nach Tadschikistan und Usbekistan geflohen. Russland ist besorgt, dass der Konflikt auf die benachbarten Ex-Sowjetrepubliken übergreifen könnte.

© dpa-infocom, dpa:210815-99-846296/3

@ dpa.de

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