Terrorismus, Christchurch

Mindestens 50 Todesopfer sind es inzwischen: Das Massaker in zwei Moscheen wird Neuseeland verändern.

17.03.2019 - 12:30:06

Rechtsextremist in U-Haft - Neuseeland trauert mit seinen Muslimen. Dem mutmaßlichen Täter droht lebenslange Haft. Bei einem Auftritt vor Gericht macht er eine Geste, die in der rechten Szene wohlbekannt ist.

  • «Okay»-Zeichen - Foto: Mark Mitchell/SNPA/ New Zealand Herald POOL/AAP

    Der mutmaßliche Täter formt im Bezirksgericht ein «Okay»-Zeichen mit seinen Fingern. Foto: Mark Mitchell/SNPA/ New Zealand Herald POOL/AAP

  • Trost - Foto: TVNZ/AP

    Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern tröstet eine Frau während ihres Besuchs einer Moschee in Wellington. Foto: TVNZ/AP

  • Trauer - Foto: Vincent Thian/AP

    Trauernde Menschen legen am Botanischen Garten von Christchurch Blumen nieder. Foto: Vincent Thian/AP

  • Vorbereitungen auf Friedhof - Foto: Mark Baker/AAP

    Arbeiter heben auf einem muslimischen Friedhof in Christchurch Gräber aus. Foto: Mark Baker/AAP

  • Vermisst - Foto: Mick Tsikas/AAP

    Freunde eines vermissten Mannes halten in Christchurch Fotos von ihm hoch. Die Zahl der Toten ist nach dem Anschlag auf 50 gestiegen. Foto: Mick Tsikas/AAP

  • Maori gedenken der Anschlagsopfer - Foto: Jono Searle/AAP

    Mitglieder der Maori-Gemeinschaft zeigen während eines Gedenkgottesdienstes am Islamischen College of Brisbane den Hakka, einen rituellen Tanz der Ureinwohner Neuseelands. Foto: Jono Searle/AAP

  • Spurensuche - Foto: Mick Tsikas/AAP

    Polizisten suchen in der Nähe der Al-Nur-Moschee in Christchurch nach Beweismitteln. Foto: Mick Tsikas/AAP

«Okay»-Zeichen - Foto: Mark Mitchell/SNPA/ New Zealand Herald POOL/AAPTrost - Foto: TVNZ/APTrauer - Foto: Vincent Thian/APVorbereitungen auf Friedhof - Foto: Mark Baker/AAPVermisst - Foto: Mick Tsikas/AAPMaori gedenken der Anschlagsopfer - Foto: Jono Searle/AAPSpurensuche - Foto: Mick Tsikas/AAP

Christchurch - Neuseeland steht nach dem Massaker mit mindestens 50 Todesopfern in zwei Moscheen unter Schock. Im gesamten Land wurde am Wochenende mit der muslimischen Gemeinde von Christchurch getrauert.

Dort hatte ein Attentäter am Freitag in den Gotteshäusern mit Schnellfeuerwaffen ein Blutbad angerichtet. Am Sonntag lagen noch mehr als 30 Menschen im Krankenhaus, teils mit lebensgefährlichen Verletzungen. Der mutmaßliche Täter ist ein 28-jähriger Rechtsextremist mit australischem Pass. Er sitzt nun in Untersuchungshaft.

Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass der Täter allein unterwegs war. Zwar gab es in Christchurch nach und nach vier weitere Festnahmen - offensichtlich aber ohne Zusammenhang zu dem Verbrechen. Dem Australier, der seit mehreren Jahren in Neuseeland lebte, droht nun wegen vielfachen Mordes lebenslange Haft. An seiner rechtsextremen Gesinnung gibt es keine Zweifel. Kurz vor der Tat stellte er eine 74-seitige Kampfschrift mit rassistischen Parolen ins Internet und verschickte sie auch per E-Mail.

Zu den Empfängern gehört auch Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern. Die Nachricht ging nach ihren Angaben neun Minuten vor Beginn der Tat ein - zu spät, um das Massaker noch verhindern zu können. Es habe auch keinen Hinweise auf die Tatorte gegeben, sagte Ardern. Die Stimmung im Land fasste sie bei einem Besuch in Christchurch mit den Worten zusammen: «Neuseeland ist in Trauer vereint.» Auf staatlichen Gebäuden wehten die Flaggen auf halbmast. Offen war noch, ob es eine staatliche Trauerfeier gibt.

Die Opfer sind mit hoher Wahrscheinlichkeit alle muslimischen Glaubens. Nach einer - noch inoffiziellen - Liste handelt es sich dabei um Menschen im Alter von drei bis 77 Jahren. Viele kamen aus Einwandererfamilien. Auch Flüchtlinge etwa aus Syrien sind darunter. Mehr als 60 Stunden nach der Tat waren am Sonntag noch nicht alle identifiziert. Ardern versprach aber, dass die Toten bis Mittwoch an die Familien übergeben werden. Die muslimischen Familien warten darauf, dass sie die Opfer endlich beerdigen können.

Neuseelands Polizei setzte sich gegen Vorwürfe zur Wehr, nicht schnell genug am Tatort gewesen zu sein. Polizeichef Mike Bush sagte, vom ersten Notruf um 13.41 Uhr Ortszeit (1.41 Uhr MEZ) bis zum Eintreffen der ersten Streife in der Al-Nur-Moschee habe es nur sechs Minuten gedauert. Dort starben 42 Menschen. Nach 36 Minuten, so Bush, sei der Attentäter überwältigt worden. Dies geschah allerdings erst, nachdem er in einer zweiten Moschee acht weitere Menschen getötet hatte.

Offenbar hatte der Mann weitere Morde geplant. «Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen», sagte Regierungschefin Ardern. Die Regierungschefin trat Spekulationen entgegen, wonach der ehemalige Fitness-Trainer nicht in Neuseeland, sondern in seiner Heimat Australien vor Gericht gestellt wird. Ardern sagte: «Er wird sich vor dem neuseeländischen Justizsystem für seinen terroristischen Angriff zu verantworten haben.»

Am Samstag wurde der 28-Jährige von einem Gericht offiziell des Mordes beschuldigt. Zu dem Termin wurde er in Handschellen und weißer Häftlingskleidung geführt. Dabei zeigte er das «Okay»-Zeichen in die Kameras, wie es in der englischsprachigen Welt verbreitet ist: Daumen und Zeigefinger zusammengehalten, die anderen Finger abgespreizt. In der rechten Szene gilt dies auch als Geste für «White Power» - die rassistische Idee, dass Menschen weißer Hautfarbe anderen überlegen seien.

Der Täter hatte seine Tat mit einer Helmkamera live im Internet übertragen. Das Video davon ist 17 Minuten lang. Trotz aller Versuche, die Weiterverbreitung zu verhindern, kursierte es auch am Wochenende noch auf verschiedenen Plattformen. Insgesamt wurden bei dem Australier fünf Waffen sichergestellt, halbautomatische Feuerwaffen und Schrotflinten, und auch Sprengstoff. Der Mann wohnte zuletzt in der neuseeländischen Stadt Dunedin. Er hatte seit 2017 einen Waffenschein und war auch Mitglied in einem Schützenverein.

Als Reaktion auf den brutalsten Anschlag in der jüngeren Geschichte Neuseelands will die Regierung nun die Waffengesetze verschärfen. «Unsere Waffengesetze werden sich ändern», kündigte Ardern an. In dem Pazifikstaat darf man bislang nach einer Überprüfung durch die Behörden schon mit 16 Jahren Waffen besitzen. Dazu benötigt man einen Waffenschein, muss die Waffen aber nicht alle einzeln anmelden. Neuseeland mit seinen knapp fünf Millionen Einwohnern war bislang von Terrorismus und Amokläufen weitgehend verschont geblieben.

Mit etwa 50.000 Gläubigen - darunter viele Einwanderer aus Staaten wie Pakistan und Bangladesch - sind Muslime in Neuseeland eine Minderheit. Viele der Opfer waren als Einwanderer gekommen. Ihre Familien haben Wurzeln in Ländern wie Pakistan, Bangladesch, Afghanistan, Ägypten, Saudi-Arabien und Indien. Die genaue Herkunft will die Polizei aber erst bekanntgeben, wenn alle Leichen identifiziert sind.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Neuseeland gedenkt der Opfer von Christchurch. In weiten Teilen des Landes stand am Freitag von 13.32 Uhr bis 13.34 Uhr Ortszeit das Leben still. In Christchurch kamen Tausende zu einer Zeremonie in der Nähe der Al-Nur-Moschee zusammen. Allein dort waren 42 Menschen getötet worden. Nur Stunden nach der Feier warb der neuseeländische Vize-Premier und Außenminister Winston Peters in Istanbul bei einer Debatte zum Thema Islamfeindlichkeit um Vertrauen. Christchurch - Mit zwei Schweigeminuten hat Neuseeland der 50 Todesopfer des Anschlags auf zwei Moscheen in der Stadt Christchurch gedacht. (Politik, 22.03.2019 - 18:20) weiterlesen...

Kopftücher und Schweigeminuten - Neuseeland gedenkt der Opfer von Christchurch. In der Türkei wirbt derweil der Vize-Premier vor muslimischen Außenministern um Vertrauen - und beendet einen Krach mit Erdogan. Ein Land in Trauer vereint: Eine Woche nach dem rassistisch motivierten Massaker in Christchurch gedenkt Neuseeland der Toten. (Politik, 22.03.2019 - 14:10) weiterlesen...

Kopftuch und Schweigeminuten: Neuseeland gedenkt 50 Opfern. Von 13.32 Uhr bis 13.34 Uhr Ortszeit stand in dem Pazifikstaat das öffentliche Leben praktisch still - ein Zeichen der Solidarität mit den 50 000 Muslimen, die dort zu Hause sind. Im Anschluss an die Trauerfeier wurden zahlreiche Opfer beigesetzt. Allein auf den Friedhöfen in Christchurch gab es knapp 30 Beerdigungen. Christchurch - Zwei Schweigeminuten im ganzen Land, Menschenketten, dazu viele Frauen mit Kopftuch: Eine Woche nach dem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch hat Neuseeland der 50 Todesopfer gedacht. (Politik, 22.03.2019 - 11:04) weiterlesen...

Kopftuch und Schweigeminuten - Neuseeland gedenkt 50 Todesopfern. Eine Woche nach dem Massaker in zwei Moscheen gedenkt Neuseeland der 50 Toten. Ein Imam macht auch anti-muslimische Parolen von Politikern für die Tat verantwortlich. Ein Land, in Trauer vereint. (Politik, 22.03.2019 - 11:04) weiterlesen...

50 Tote - Neuseeland gedenkt Opfern von Christchurch. Eine Woche nach dem rassistisch motivierten Massaker in Christchurch gedenkt Neuseeland der Toten. Der Imam der Al-Nur-Moschee macht auch anti-muslimische Parolen von Politikern verantwortlich. Ein Land, in Trauer vereint. (Politik, 22.03.2019 - 07:04) weiterlesen...

Neuseeland gedenkt Opfer des Anschlags von Christchurch. In weiten Teilen des Landes stand von 13.32 Uhr bis 13.34 Uhr Ortszeit das Leben still. Fast genau zu dieser Zeit hatte vor einer Woche ein Attentäter während der Freitagsgebete die erste der beiden Moscheen überfallen. Als mutmaßlicher Täter sitzt ein 28 Jahre alter Rechtsextremist aus Australien in Untersuchungshaft. Ihm droht lebenslange Haft. Christchurch - Mit zwei Schweigeminuten hat Neuseeland der 50 Todesopfer des rassistisch motivierten Anschlags auf zwei Moscheen in der Stadt Christchurch gedacht. (Politik, 22.03.2019 - 01:54) weiterlesen...