Bundespräsident, Parteien

Max Otte, Vorsitzender der Werte-Union, will für das Bundespräsidentenamt kandidieren.

25.01.2022 - 16:30:07

Bundespräsidenten-Wahl - Chef der Werte-Union droht der Rauswurf aus der CDU. Die AfD hatte den CDU-Politiker zuvor vorgeschlagen. Die Christdemokraten reagieren entsetzt.

Berlin - Der Chef der erzkonservativen Werte-Union, Max Otte, steht wegen seiner geplanten Kandidatur für das Bundespräsidentenamt auf Vorschlag der AfD vor seinem Rauswurf aus der CDU.

Deren Führung forderte ihn am Dienstag auf, die Partei freiwillig zu verlassen. Otte lehnt dies jedoch ab. Die Kölner CDU, der Otte angehört, will ein Parteiausschlussverfahren einleiten. Das habe der Kreisverband gemeinsam mit dem Landesverband und der Bundespartei beschlossen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Die AfD hatte Otte angeboten, die Kandidatur gegen Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier zu übernehmen. Bei einem gemeinsamen Auftritt mit den AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla erklärte Otte am Dienstag, dass er dies annehme. Er sehe die Kandidatur als eine Möglichkeit, Gräben zuzuschütten. «Wenn man vorgeschlagen wird für das höchste Staatsamt, was über den Parteien steht, ist das in meinen Augen keine Zusammenarbeit. Es ist eine individuelle Entscheidung, ob ich diesen Vorschlag annehme oder nicht.»

Otte betonte, er sehe seine Kandidatur nicht als Provokation. «Es ist mir ernst.» Dem «Spiegel» sagte er, er empfinde den Vorschlag «als große Ehre». Chrupalla sprach von einem «guten Tag für die Demokratie». Man wolle eine Alternative aufstellen. Otte sei ein «honoriger Politiker» und ein «Mann aus der Mitte». Weidel nannte den CDU-Mann einen «wertkonservativen, liberalen Kandidaten» und einen «ehrwürdigen Bundespräsidentenkandidaten».

Kurz zuvor hatte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak erklärt: «Wer dies als Christdemokrat überhaupt erwägt, von der AfD für das Amt des Bundespräsidenten nominiert zu werden, der verletzt die Werte der CDU und hat in unserer Partei nichts verloren.» Ziemiak betonte: «Wir fordern auch ganz ausdrücklich Herrn Dr. Otte auf, die CDU zu verlassen.»

Die CDU-Spitze setzte Otte ein Ultimatum bis 17.30 Uhr, um zu erklären, ob er die Nominierung annehme oder nicht. Um 18.00 Uhr werde der Bundesvorstand über das weitere Verfahren beraten, kündigte der künftige Generalsekretär Mario Czaja an, der noch nicht im Amt ist. Auch er betonte: «Wer mit der AfD kooperiert oder zusammenarbeitet, hat in der CDU nichts zu suchen, der kann in der CDU nicht verbleiben.» Das hätten auch der bisherige und der neue Parteivorsitzende, Armin Laschet und Friedrich Merz, immer wieder betont.

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