International, Konflikte

Licht und Schatten für Israel: Nach den blutigen Gaza-Protesten erhöht sich der diplomatische Druck auf den jüdischen Staat.

16.05.2018 - 14:12:05

Nach blutigen Gaza-Protesten - Krise zwischen Israel und Türkei. Doch nach den USA eröffnet bereits das zweite Land seine Botschaft in Jerusalem.

  • Guatemala eröffnet Botschaft in Jerusalem - Foto: Especial/NOTIMEX/Illustration

    Nationalflaggen von Guatemala und Israel in Guatemala. Foto: Especial/NOTIMEX/Illustration

  • Neue Botschaft in Jerusalem - Foto: Ronen Zvulun/Pool Reuters/AP

    Das lateinamerikanische Land Guatemala hat in Jerusalem feierlich seine Botschaft eröffnet. Foto: Ronen Zvulun/Pool Reuters/AP

  • Trauer um Gaza-Tote in der Türkei - Foto: Emrah Gurel/AP

    Nach den blutigen Gaza-Protesten weht auf dem Taksim-Platz in Istanbul eine türkische Flagge weht auf Halbmast. Foto: Emrah Gurel/AP

Guatemala eröffnet Botschaft in Jerusalem - Foto: Especial/NOTIMEX/IllustrationNeue Botschaft in Jerusalem - Foto: Ronen Zvulun/Pool Reuters/APTrauer um Gaza-Tote in der Türkei - Foto: Emrah Gurel/AP

Jerusalem/Gaza - Nach den blutigen Gaza-Protesten mit 60 getöteten Palästinensern spitzt sich eine diplomatische Krise zwischen Israel und der Türkei zu. Die türkische Regierung forderte nach dem israelischen Botschafter in Ankara auch den Generalkonsul des Landes in Istanbul zur Ausreise auf.

Indes eröffnete am Mittwoch mit Guatemala nach den USA bereits das zweite Land seine Botschaft in Jerusalem. Medizinische Hilfslieferungen erreichten den Gazastreifen. Schwerstverletzte sollen nun in Ägypten behandelt werden.

Am Montag waren nach Angaben der israelischen Armee im Gazastreifen rund 40 000 Palästinenser an den Grenzzaun zu Israel gekommen. Gewalttätige Demonstranten hätten explosive Gegenstände und Brandbomben auf Soldaten und den Sicherheitszaun geworfen, teilte die Armee mit. Soldaten hätten entsprechend reagiert und das Feuer eröffnet. Nach palästinensischen Angaben töteten die Soldaten 60 Menschen, mehr als 2800 wurden verletzt. Es war damit der blutigste Tag seit dem Gaza-Krieg 2014.

Im Gazastreifen protestierten die Menschen nicht nur gegen die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem, sondern auch gegen eine mehr als zehnjährige Blockade des Küstenstreifens durch Israel und Ägypten. Die Trauer der Palästinenser über die Toten mischte sich am Dienstag, dem Tag der Nakba (Katastrophe), auch mit dem Zorn über die Vertreibung und Flucht Hunderttausender Palästinenser im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. Dabei haben israelische Soldaten nach palästinensischen Angaben erneut zwei Palästinenser getötet.

Das Vorgehen der israelischen Armee löste international scharfe Kritik aus. Die israelischen Botschafter in Belgien und Luxemburg wurden nach Angaben des israelischen Außenministeriums zu Gesprächen geladen. Die Türkei forderte nach dem israelischen Botschafter auch noch den Generalkonsul zur Ausreise auf. Die türkischen Botschafter in Israel und Washington wurden zurückberufen. Das israelische Außenministerium bestellte den türkischen Gesandten zu einer Rüge ein.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte das Vorgehen Israels als «Genozid» bezeichnet. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erhob seinerseits schwere Vorwürfe gegen Erdogan. In den israelisch-türkischen Beziehungen hatte es bereits in der Vergangenheit schwere Krisen gegeben.

«Unterm Strich ist die Krise mit der Türkei Teil einer allgemeinen Front, die in den vergangenen Tagen in Europa, Asien und Südafrika gegen uns aufgemacht wurde», schrieb die linksliberale Zeitung «Jediot Achronot» am Mittwoch. «Anders gesagt: Fast die ganze Welt ist gegen uns.». Netanjahu als Außenminister habe darin versagt, «die internationale Wut gegen uns zu lindern».

Die türkische Regierung warf Israel und Ägypten am Mittwoch vor, den Transport von verletzten Palästinensern in die Türkei zu verhindern. Die Landeerlaubnis von Hilfsflugzeugen sei bisher nicht erteilt worden, sagte Vize-Ministerpräsident Recep Akdag.

Indes sollen 20 schwerverletzte Palästinenser in Ägypten behandelt werden. Die Krankenhäuser hätten nicht genügend Kapazitäten für alle Verletzten der vergangenen Wochen, sagte Aiman Sahabani, Leiter der Notaufnahme im Schiffa-Krankenhaus in Gaza. «Wir sprechen von mehr als 3000 Fällen, die dringend Operationen brauchen und komplizierte medizinische Eingriffe.»

Lastwagen mit medizinischen Hilfsmitteln passierten die Grenze zum Gazastreifen. Die acht Lastwagen kamen von der Palästinensischen Autonomiebehörde, der Hilfsorganisation UNICEF und der israelischen Armee, wie die zuständige israelische Behörde Cogat mitteilte. In den Paketen seien unter anderem Bandagen, Desinfektionsmittel und Material zur Versorgung von Kindern gewesen.

Die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas wies die zwei Lastwagen der Armee in der Nacht allerdings zurück. Die EU, die USA und Israel stufen die Hamas als Terrororganisation ein. Sie hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben.

Guatemala eröffnete am Vormittag seine Botschaft in Jerusalem. Bei der Zeremonie sprach Präsident Jimmy Morales von einer «mutigen Entscheidung» seines Landes und einem «wichtigen Schritt für die Zukunft beider Völker». Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu dankte Morales und sagte, Guatemala sei «immer unter den Ersten» gewesen.

Die Palästinenserführung kritisierte den Schritt massiv.

Die Verlegungen der Botschaften sind umstritten. Der Status von Jerusalem soll nach Auffassung der internationalen Gemeinschaft in zukünftigen Friedensgesprächen zwischen Israel und den Palästinensern festgelegt werden. Israel beansprucht ganz Jerusalem als Hauptstadt, die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen künftigen eigenen Staat Palästina.

Die Palästinenserführung rief nach der Verlegung der US-Botschaft ihre Vertreter aus Rumänien, Ungarn, Österreich und Tschechien für Beratungen zurück. Dies berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Die Botschafter dieser vier Länder hatten an einer israelischen Veranstaltung zur Eröffnung der US-Botschaft teilgenommen.

@ dpa.de

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