Hubertus Heil, Deutschland

Lebenslanges Lernen ist in Zeiten des digitalen Wandels umso wichtiger, wird oft betont.

27.09.2022 - 13:40:18

Geförderte Bildungszeit für Beschäftigte soll kommen. Nun konkretisiert die Regierung ihre Pläne. Die Arbeitgeber warnen vor aus ihrer Sicht unnötigen Neuerungen.

Beschäftigte in Deutschland sollen künftig eine öffentlich geförderte Bildungszeit für ihre Weiterbildung nehmen können. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) kündigte bei der Präsentation der Nationalen Weiterbildungsstrategie am Dienstag in Berlin die Vorlage eines Gesetzentwurfs bis zum Jahresende an. Die Instrumente zur Förderung der beruflichen Weiterbildung sollten mit dem geplanten Gesetz komplett neu geordnet werden.

«Wir werden eine neue Bildungszeit und Bildungsteilzeit einführen», sagte Heil. «Beschäftigte können damit ihre Weiterbildung selbst in die Hand nehmen und eigenständig betreiben», erläuterte er. «Sie können auf diesem Weg einen Berufswechsel erreichen oder auch eine besser bezahlte Stelle, beispielsweise wenn sie als gelernte Hotelkauffrau ins Hotelmanagement aufsteigen wollen.»

Weiterbildung solle auch verstärkt durch die Bundesagentur für Arbeit gefördert werden können, ähnlich wie beim Kurzarbeitergeld. «Wir werden ein Instrument schaffen, das wir Qualifizierungsgeld nennen», kündigte Heil an. «Es geht dabei um Betriebe, in denen ein größerer Teil der Belegschaft von Transformation betroffen ist, vor allem in Teilen des Maschinenbaus oder auch bei Zeitungsverlagen.» Der Politiker erläuterte: «Werden die Mitarbeiter in großem Umfang weitergebildet, wollen wir mit diesem neuen Instrument des Qualifizierungsgelds Unterstützung auch durch die Bundesagentur für Arbeit ermöglichen.»

Kritik der Arbeitgeber

Zuvor war bekannt geworden, dass Deutschlands Arbeitgeber eine von der Koalition geplante Stärkung von Weiterbildungsmöglichkeiten für Beschäftigte in Deutschland kritisch sehen. So würde die im Koalitionsvertrag vereinbarte «Bildungs(teil)zeit» die bereits unüberschaubare Rechtslage in Sachen Weiterbildung unnötig verkomplizieren, heißt es in einem Positionspapier des Arbeitgeberverbands BDA.

Die BDA kritisiert: «Bereits heute bestehen zahlreiche Möglichkeiten der arbeitsmarktbezogenen Weiterbildungsförderung für unterschiedliche Zielgruppen und mit unterschiedlichen Zielsetzungen.» Statt neue Förderinstrumente einzuführen, sollten die vorhandenen in eine Gesamtstruktur gebracht werden. Sofern mit der «Bildungs(teil)zeit» das gesamtgesellschaftliche Ziel einer Steigerung der Weiterbildungsbeteiligung erreicht werden solle, müsse diese aus Steuermitteln finanziert werden und nicht aus Mitteln der Beitragszahlenden, so der Arbeitgeberverband.

@ dpa.de