Kölner Stadt-Anzeiger

Köln - Köln.

10.09.2019 - 03:06:21

Kölner Stadt-Anzeiger: Firmen fliehen vor Brexit nach NRW - Landesregierung: 106 britische Firmen verlegten bisher ihren Sitz ins Bundesland. Der geplante Austritt von Großbritannien aus der Europäischen Union führt dazu, dass britische Firmen ihren Sitz in NRW nehmen.

Köln - Köln. Der geplante Austritt von Großbritannien aus der Europäischen Union führt dazu, dass britische Firmen ihren Sitz in NRW nehmen. "Nach aktuellem Stand sind es 106 Unternehmen, die sich seit dem Referendum bei uns neu angesiedelt haben", sagte NRW-Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner (CDU) dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Dienstag-Ausgabe). "Über Neuansiedlungen von Unternehmen freuen wir uns natürlich. Wir sehen das auch als Erfolg unserer gezielten Standortpolitik", fügte er hinzu.

Andreas Schäfer, Leiter der Außenwirtschaftsberatung der IHK Köln, sieht besonderen Handlungsbedarf in der britischen Bank- und Versicherungsbranche. "Die Finanzdienstleister benötigen eine EU-Lizenz, um bei uns Geschäfte abwickeln zu können. Die bisherige EU-Lizenz verfällt mit dem Brexit", erläuterte Schäfer auf Anfrage. Deswegen habe etwa Ford in Köln eine eigene Bank zur Automobilfinanzierung gegründet. Doch auch für Firmen aus anderen Branchen sei Köln attraktiv. So baue das britische Unternehmen JCB gerade seine neue Zentrale und ein Schulungszentrum in Frechen auf. "Das Unternehmen hat mehr als 30 Millionen Euro in Frechen investiert, die Eröffnungsfeier findet im Oktober statt", so der IHK-Experte.

Auch die landeseigene Wirtschaftsförderungsgesellschaft NRW.Invest verzeichnet ein Interesse britischer Firmen an einer Verlagerung nach NRW. Prokurist Rainer Hornig sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Der größte Teil der Unternehmen, die wegen des Brexits nach NRW kommen, arbeitet in der Finanzbranche und im Bereich IT-Services." Aber auch viele Firmen aus dem Groß- und Einzelhandel hätten sich neu angesiedelt. NRW.Invest rechnet damit, dass es eine zweite Ansiedlungswelle gibt, wenn es zu einem harten Brexit kommt. "Bislang warten viele Unternehmen die politische Entwicklung noch ab", so Hornig.

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