Notfälle, Katastrophen

Kentuckys Gouverneur Beshear hat Mühe, das Ausmaß der Zerstörung in Worte zu fassen - so gigantisch ist die Verwüstung nach den Tornados in den USA.

12.12.2021 - 13:42:08

Unwetter - Verwüstung und Trauer nach Durchzug von Tornados in USA. Rettungsteams suchen weiter nach Überlebenden.

  • Tornados in den USA - Foto: Greg Eans/The Messenger-Inquirer via AP/dpa

    Besch?digte Fahrzeuge und pers?nliches Eigentum sind ?ber ein weites Gebiet entlang der Kentucky 81 in Bremen, Kentucky, verstreut. Foto: Greg Eans/The Messenger-Inquirer via AP/dpa

  • Tornados in den USA - Foto: Greg Eans/The Messenger-Inquirer via AP/dpa

    Rettungskr?fte s?umen die Kentucky 81, um die Gegend nach einem gewaltigen Tornado aufzur?umen. Foto: Greg Eans/The Messenger-Inquirer via AP/dpa

  • Tornados in den USA - Foto: Ryan C. Hermens/Lexington Herald-Leader via AP/dpa

    In der Innenstadt von Mayfield, Kentucky, liegen Geb?ude in Tr?mmern, nachdem ein Tornado am Freitagabend durch die Region gezogen war. Foto: Ryan C. Hermens/Lexington Herald-Leader via AP/dpa

  • Tornados in den USA - Foto: Mark Humphrey/AP/dpa

    Menschen helfen bei der Bergung von Gegenst?nden aus einem zerst?rten Haus in Mayfield, Kentucky. Foto: Mark Humphrey/AP/dpa

Tornados in den USA - Foto: Greg Eans/The Messenger-Inquirer via AP/dpaTornados in den USA - Foto: Greg Eans/The Messenger-Inquirer via AP/dpaTornados in den USA - Foto: Ryan C. Hermens/Lexington Herald-Leader via AP/dpaTornados in den USA - Foto: Mark Humphrey/AP/dpa

Die «New York Times» sah es mittlerweile als gesichert an, dass allein in Kentucky mindestens 70 Menschen ums Leben kamen. CNN meldete am frühen Sonntagmorgen, es werde befürchtet, dass mehr als 80 Menschen in den US-Staaten Kentucky, Mississippi, Missouri, Arkansas, Illinois und Tennessee gestorben seien. Es dürften jedoch Tage vergehen, bis das volle Ausmaß der Katastrophe bekannt wird. Der Sender berichtete von mehr als 30 Tornados in den sechs Bundesstaaten.

Schneise der Verwüstung

Allein in Kentucky hinterließen die Tornados über 200 Meilen (320 Kilometer) hinweg eine Schneise der Verwüstung. «Alles in ihrem Pfad ist weg. Häuser, Geschäfte, Regierungsgebäude - einfach weg. Teile von Industrieanlagen, Dächer sind in Bäumen. Es ist schwer vorstellbar, dass das überhaupt möglich ist», sagte Beshear. «Die Verwüstung ist mit nichts zu vergleichen, was ich in meinem Leben gesehen habe, und ich habe Mühe, es in Worte zu fassen.»

Die Tornados verwandelten unter anderem eine Kerzenfabrik in Mayfield in ein Trümmerfeld - dort wurde wegen des Hochbetriebs zur Weihnachtszeit in der Nacht zu Samstag gearbeitet. Nur 40 der rund 110 Menschen in der Fabrik seien gerettet worden, sagte der Gouverneur. Wo einst die Fabrik gestanden habe, liege jetzt ein mehr als vier Meter hohes Trümmerfeld mit Metallschrott und Autowracks. «Es wäre ein Wunder, würde dort jemand lebendig gefunden.»

Auf Fotos vom Samstag war zu sehen, wie Menschen bei der Bergung von Gegenständen aus einem zerstörten Haus in Mayfield halfen. Auf anderen waren Straßenzüge der Kleinstadt zu erkennen - die Häuser wirkten wie wegrasiert.

Temperaturen um den Gefrierpunkt

Beshear schwor die Menschen im Katastrophengebiet angesichts von Tiefsttemperaturen um den Gefrierpunkt und großflächigen Stromausfällen auf schwierige Stunden ein. «Es wird eine harte Nacht für viele Menschen in Kentucky werden», sagte er. Dem Gouverneur drohte zwischenzeitlich die Stimme zu versagen - etwa, als er von dem Heimatort seines Vaters namens Dawson Springs erzählte. «Einen Block von dem Haus meiner Großeltern steht kein Haus mehr», sagte Beshear. «Und wir wissen nicht, wo all diese Menschen sind.»

In Illinois stürzte das Dach eines Verteilzentrums des Online-Händlers Amazon teilweise ein. Dort starben sechs Menschen, 45 Personen wurden nach Angaben der Feuerwehr aus den Trümmern gerettet. Amazon-Gründer Jeff Bezos äußerte sich bestürzt über die «tragischen Berichte» aus Edwardsville. «Wir sind untröstlich über den Verlust unserer Teammitglieder», twitterte er in der Nacht zum Sonntag.

Das Sturmsystem ist die jüngste einer ganzen Reihe von Naturkatastrophen in den USA. Die Vereinigten Staaten litten in diesem Jahr unter verheerenden Stürmen, schweren Überflutungen und großflächigen Waldbränden. US-Präsident Joe Biden sieht in der Häufung und Heftigkeit der Katastrophen eine Folge des Klimawandels, dessen Bekämpfung er zu einer seiner Top-Prioritäten gemacht hat.

Nach den Worten des Meteorologen Marco Manitta vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach sind die Tornados in Kentucky im Zusammenhang mit einer langlebigen Superzelle - einer großen Gewitterwolke - entstanden. In den USA gebe es für die Entstehung solcher Gewitterwolken gelegentlich günstige Bedingungen. Die aktuellen Tornados hätten eine Stärke von F4 auf der sogenannten Fujita-Skala erreicht, die die Schadensklasse angibt. Das entspreche der zweithöchsten Stufe. Bei solchen Tornados könnten auch feste Gebäude einstürzen oder stark beschädigt werden, sagte Manitta.

Gerade in den USA, wo viele Gebäude aus Holz gebaut seien, könnten die Zerstörungen umso heftiger ausfallen. Hinzu komme, dass die Tornados über teils dicht besiedeltes Gebiet gezogen seien. Dadurch nähmen die Stürme auch mehr Trümmer auf, die dann zusätzliche Zerstörungskraft entfalten können. Tornados der Stärke F4 könnten ohne weiteres auch Autos durch die Luft wirbeln, sagte Manitta. Ein starker Unterdruck könne dafür sorgen, dass Häuser regelrecht explosionsartig zerstört werden.

Präsident Biden sagt Hilfen zu

Biden sagte den von den Tornados betroffenen Bundesstaaten am Samstag Hilfe zu. «Ich verspreche Ihnen, was auch immer benötigt wird, die Bundesregierung wird einen Weg finden, es zu liefern», sagte der Präsident bei einem kurzfristig anberaumten Auftritt in Wilmington (Delaware). Er stimmte am Samstag einer Notstandserklärung für den Bundesstaat Kentucky zu, der am schlimmsten von den Tornados heimgesucht wurde. Damit wird Hilfe des Bundes beschleunigt. Der Gouverneur hatte zuvor bereits den Notstand in Kentucky verhängt unddie Nationalgarde aktiviert.

Biden stellte auch einen Besuch im Katastrophengebiet in Kentucky in Aussicht. Er sagte aber, er wolle damit warten, bis er die Rettungsoperationen nicht behindere. Gemeinsam mit First Lady Jill Biden bete er für die Opfer und deren Angehörigen.

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