Kirche, Missbrauch

Katholische Kirche - Kardinal: Empörung über Missbrauchsskandal ist Heuchelei

04.01.2019 - 07:14:06

Katholische Kirche - Kardinal: Empörung über Missbrauchsskandal ist Heuchelei. Rom - Die Empörung über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche ist aus Sicht des deutschen Kardinals Walter Brandmüller Heuchelei. «Da benimmt sich die Gesellschaft ziemlich heuchlerisch», sagte Brandmüller der Deutschen Presse-Agentur kurz vor seinem 90. Geburtstag.

«Was in der Kirche an Missbrauch passiert ist, ist nichts anderes, als was in der Gesellschaft überhaupt geschieht.» Sexueller Missbrauch sei alles andere als ein spezifisch katholisches Phänomen. Der eigentliche Skandal sei, dass sich die Kirchenvertreter in diesem Punkt nicht von der gesamten Gesellschaft unterschieden.

«Nicht weniger wirklichkeitsfremd ist es, zu vergessen beziehungsweise zu verschweigen, dass 80 Prozent der Missbrauchsfälle im kirchlichen Umfeld männliche Jugendliche, nicht Kinder, betrafen», kritisierte Brandmüller. Es sei zudem «statistisch erwiesen», dass es einen Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität gebe.

Eine im vergangenen Jahr vorgestellte Studie hatte ergeben, dass in Deutschland zwischen 1946 und 2014 insgesamt 1670 katholische Kleriker 3677 meist männliche Minderjährige sexuell missbraucht haben sollen. Zudem hatten die mit der Studie beauftragten Wissenschaftler problematische Strukturen in der katholischen Kirche benannt, die Missbrauch nach wie vor befördern könnten - etwa die umstrittene Verpflichtung der Priester zur Ehelosigkeit (Zölibat) und die ausgeprägte klerikale Macht einzelner Geistlicher. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, hatte darauf hingewiesen, dass der Zölibat und Homosexualität «für sich genommen» keinen Missbrauch hervorriefen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Missbrauchsbeauftragter: Kirche muss Strukturen überdenken. Durch den Zölibat, eine «schwierige Sexualmoral», ausgeprägte Hierarchien, die «moralische Machtposition» der Kirchen und dadurch, dass Frauen im geistlichen Umfeld kaum eine Rolle spielten, werde Missbrauch begünstigt. «Es ist unumgänglich, dass die Kirche sich alle Bausteine ihrer Struktur ernsthaft kritisch vor Augen führt», sagte Rörig der Deutschen Presse-Agentur. Berlin - Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die katholische Kirche angesichts des Spitzentreffens im Vatikan aufgefordert, jahrhundertealte Machtstrukturen zu überdenken. (Politik, 22.02.2019 - 06:48) weiterlesen...

Gipfel im Vatikan - Missbrauch: Kirche muss Machtstrukturen überdenken. Die Kirche muss beweisen, dass sie es ernst meint, sagt der deutsche Missbrauchsbeauftragte. Im Vatikan findet ein beispielloses Spitzentreffen zum Thema Missbrauch statt. (Politik, 22.02.2019 - 06:44) weiterlesen...

Gipfel im Vatikan - Ein Plan gegen den Missbrauch - Papst verlangt Taten. In der Glaubwürdigkeitskrise der Kirche fordert der Papst von seinen obersten Männern konkrete Taten statt vieler Worte. Mit eigenen Vorschlägen will er beweisen, dass er es ernst meint. Missbrauchsopfer verlangen eine «Chemotherapie» gegen den Krebs in der Kirche. (Politik, 21.02.2019 - 18:28) weiterlesen...

Gipfel im Vatikan - «Fahrplan» gegen Missbrauch: Papst verlangt konkrete Taten. Der Papst verlangt von den Spitzen der katholischen Kirche konkrete Taten statt vieler Worte. Dazu hat er einen ganzen Arbeitskatalog vorgelegt. Missbrauchsopfer verlangen eine «Chemotherapie» gegen den Krebs in der Kirche. (Politik, 21.02.2019 - 17:30) weiterlesen...

Fragen und Antworten - Was will und kann der Missbrauchsgipfel? Die Erwartungen an das Gipfeltreffen zum Thema Missbrauch im Vatikan sind hoch. (Politik, 21.02.2019 - 17:25) weiterlesen...

Gipfel im Vatikan - «Fahrplan» gegen Missbrauch - Papst verlangt konkrete Taten. Der Papst verlangt von den Spitzen der katholischen Kirche konkrete Taten statt vieler Worte. Dazu hat er einen ganzen Arbeitskatalog vorgelegt. Missbrauchsopfer verlangen eine «Chemotherapie» gegen den Krebs in der Kirche. (Politik, 21.02.2019 - 15:12) weiterlesen...