Ihr Broker

  • Sonderkonditionen
  • Mehrfach reguliert
  • Sehr finanzstark
  • Reguliert in CYPERN & Australien

Mehr Erfahren >>

CFDs sind komplexe Instrumente und umfassen aufgrund der Hebelfinanzierung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren.

trading-house Börsenakademie

Gemeinsam erfolgreich

MARKETS.COM
Parteien, Regierung

Kanzler Sebastian Kurz hat das Heft des Handelns verloren.

20.05.2019 - 21:08:06

Kanzler vor dem Aus? - Misstrauensanträge könnten Kurz den Job kosten. Die SPÖ möchte ultimativ seinen Sturz. Es drohen zwei Misstrauensanträge. Die Staatskrise ist perfekt.

Wien - Inmitten der dramatischen Politkrise in Österreich warb Kanzler Sebastian Kurz am Mittag noch um ein «Maximum an Stabilität». Sein Appell an die Opposition, staatspolitische Räson walten und ihn das Land in Ruhe führen zu lassen, verhallte aus seiner Sicht ungehört.

Die oppositionelle SPÖ verstand den Ruf ganz anders: SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner ließ am Abend nach einem Gespräch bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Bombe platzen. Die gesamte Regierung müsse zurücktreten und bis zu den geplanten Neuwahlen gegen ein Übergangskabinett aus Experten ausgetauscht werden.

Was sonst eine billige, unwirksame Forderung sein könnte, hat in der aktuellen Lage das Potenzial zum Kanzlersturz. Die Liste «Jetzt» hat bereits einen Misstrauensantrag angekündigt, der angesichts der Entwicklungen duchaus Aussicht auf Erfolg hat.

Am vierten Tag nach Bekanntwerden des Skandal-Videos um den bisherigen Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wurde damit aus einer Regierungskrise eine veritable Staatskrise. Auch wenn die Protagonisten ihr Handeln mit dem Ringen um ein schnelles Wiederherstellen von Handlungsfähigkeit und Vertrauen begründen - im Moment ist unklarer denn je, wie die Alpenrepublik diese Krise überwinden soll. «Der Kanzler hat gar keinen Grund, dass er seine Minister aus der Regierung abzieht», sagte die ÖVP-nahe Politikberaterin Heidi Glück im TV-Sender «Puls 4» zur SPÖ-Forderung. Erfahrungsgemäß dauert es von der Ankündigung von Neuwahlen bis zur Bildung einer neuen Regierung ein halbes Jahr. Die Bildung einer Übergangsregierung wird zum Kräftemessen.

Den Auftakt eines erneut historischen Tages in der jüngeren Geschichte des Landes machte eine politisch erfahrene Randfigur. Peter Pilz verkündete höchst selbstbewusst, dass seine Liste «Jetzt» einen Misstrauensantrag gegen Kurz stellen werde. «Dann ist der Bundeskanzler Geschichte - und das ist gut so», meinte der Abgeordnete. «Wo Kurz drauf steht, ist Scheitern drin», sagte Pilz und spielte darauf an, dass Kurz 2017 die SPÖ/ÖVP-Koalition platzen ließ und nun das ÖVP/FPÖ-Bündnis beendet hat. Pilz setzt auf die 51 Stimmen der inzwischen bei der ÖVP tief in Ungnade gefallenen FPÖ. Eine einfache Mehrheit unter den 183 Abgeordneten würde reichen, den Kanzler zu stürzen. Dennoch schien die Ankündigung der kleinsten Fraktion im Parlament zunächst eher von mittlerer Bedeutung.

«Bisher üblich war selbst in schwierigsten Zeiten einer Regierung der Minimalkonsens, nicht mit der Opposition zu stimmen», sagte der Politologe Peter Filzmaier und zeigte sich damit zunächst eher skeptisch zu den Erfolgsaussichten des Ansinnens.

Und auch das Auftreten des designierten FPÖ-Chef Norbert Hofer schien dem Vorstoß der Liste «Jetzt» etwas Brisanz zu nehmen. Hofer gab sich bei mehreren Auftritten während des Tages ruhig, sachlich und konziliant. Damit knüpfte der 48-Jährige an den Stil an, der ihn schon im Wahlkampf um das Bundespräsidentenamt 2016 beinahe in die Hofburg gebracht hätte.

Hofer kündigte die Prüfung der FPÖ-Finanzen durch einen externen Wirtschaftsprüfer an, um jeden Verdacht auf illegale Parteienfinanzierung - wie er durch das Ibiza-Video entstanden war - zu zerstreuen. «Ich darf auch versprechen, dass es keinen Schmutzkübel-Wahlkampf geben wird. Ich stehe nicht dafür zur Verfügung», betonte Hofer.

Typisch für ihn: Im Gegensatz zu Strache lobte Hofer die Presse. Er schätze die Arbeit der Medien sehr. Eine bemerkenswerte Äußerung angesichts des Umstands, dass sein FPÖ-Weggefährte Strache nach Medien-Veröffentlichungen vor den Trümmern seines politischen Lebens steht. Nach einem Gespräch beim Bundespräsidenten betonte Hofer, dass sich die FPÖ ihrer staatspolitischen Verantwortung bewusst sei.

Am Abend aber überschlugen sich die Ereignisse. Kurz verkündete die Trennung vom umstrittenen FPÖ-Innenminister Herbert Kickl, die anderen FPÖ-Minister wollen nun das Kabinett verlassen, Rendi-Wagner setzte Kurz die politische Pistole an die Brust und will ihn und sein Team zugunsten eines Experten-Kabinetts abgesetzt sehen. Kickl setzte noch eins drauf. Er schloss ein Misstrauensvotum seiner Partei gegen den Regierungschef nicht aus. «Der Hausverstand sagt einem, dass es relativ schwer ist, von jemandem das Vertrauen zu verlangen, dem man gerade das Misstrauen ausgesprochen hat», drohte er im Gespräch mit der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Die Liste «Jetzt» bleibt jedenfalls bei ihrem Misstrauensantrag, über den voraussichtlich erst am Montag nach der EU-Wahl abgestimmt wird. Es werde «die Verantwortung des Bundeskanzlers bleiben, dass er Österreich in eine unmögliche und unrühmliche Lage manövriert hat», meinte Fraktionschef Wolfgang Zinggl. «Er ist durch die Koalition bewusst ein unnötiges und verantwortungsloses Risiko eingegangen.»

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Tories beginnen mit dritter Abstimmung über Parteichef. Der Letztplatzierte der fünf Kandidaten scheidet aus. Bis 18 Uhr deutscher Zeit können die Mitglieder der Tory-Fraktion ihre Stimme abgeben. Mit einem Ergebnis wird um 19 Uhr gerechnet. Weiterhin haushoher Favorit ist Boris Johnson. Er hatte gestern bei der zweiten Wahlrunde in der Fraktion 126 der 313 Stimmen aus der Tory-Fraktion erhalten. London - Die Abgeordneten der britischen Konservativen haben in einer dritten Wahlrunde um das Amt des Parteichefs und Premierministers mit der Stimmabgabe begonnen. (Politik, 19.06.2019 - 16:50) weiterlesen...

Johnson weit vorne im Rennen um May-Nachfolge. London - Im Rennen um das Amt des konservativen Parteichefs und künftigen Premierministers hat der britische Ex-Außenminister Boris Johnson einen weiteren großen Erfolg errungen. Johnson erhielt gestern 126 der 313 Stimmen aus der Tory-Fraktion und zieht damit als haushoher Favorit in die nächste Wahlrunde heute. Bei einer TV-Debatte zwischen den fünf verbliebenen Bewerbern in der BBC am Abend wollte sich Johnson nicht festlegen lassen, ob er das Land im Zweifel auch ohne Abkommen am 31. Oktober aus der EU führen wird. Johnson weit vorne im Rennen um May-Nachfolge (Politik, 19.06.2019 - 01:58) weiterlesen...

Parlamentswahl in Griechenland - Schlechte Umfragewerte für Regierungschef Tsipras. Und die Parlamentswahl ist bereits in drei Wochen. Es sieht nicht gut aus für den griechischen Ministerpräsidenten: Die Popularitätswerte seiner Partei sinken drastisch. (Politik, 14.06.2019 - 08:58) weiterlesen...

Anstoß. Die Koalitionsspitzen schwören sich in Berlin auf ihre weitere Zusammenarbeit ein. Rolf Mützenich (v.l.), kommissarischer Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt stoßen zu Beginn einer Klausurtagung mit einem Bier an. (Media, 13.06.2019 - 22:20) weiterlesen...

Steinbrück: GroKo wird Weihnachten nicht erreichen. «Ich glaube, dass diese große Koalition Weihnachten nicht erreichen wird», sagte Steinbrück in der ARD-Sendung «maischberger. die woche». Er glaube, dass bei möglichen weiteren Niederlagen bei Landtagswahlen die Dynamik innerhalb der SPD nicht mehr zu steuern sei und es dann eine breite Meinungsbildung gebe, dass die SPD die große Koalition verlassen solle. Er bezieht sich dabei auf anstehende Wahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Berlin - Der frühere SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist überzeugt, dass die schwarz-rote Koalition in Berlin dieses Jahr nicht übersteht. (Politik, 13.06.2019 - 01:52) weiterlesen...