Kriminalität, Geheimdienste

Ist bei dem Anschlag auf die Skripals wirklich das Nervengift Nowitschok verwendet worden? Stammt die Substanz aus Russland? Aufklärung könnte jetzt ein Bericht von Chemiewaffenexperten bringen.

12.04.2018 - 13:47:21

OPCW legt Skripal-Report vor - Julia Skripal lehnt Hilfe aus Russland ab

Salisbury/Den Haag - Die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen hat die britischen Angaben bestätigt, nach denen der frühere russische Doppelspion Sergej Skripal mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet wurde. Die Experten der OPCW sagten aber nichts über die Herkunft des Giftes.

Das steht in einem OPCW-Bericht, der am Donnerstag in Den Haag veröffentlicht wurde. Die Experten der OPCW hatten Blutproben der Opfer und Proben des verwendeten Gifts in unabhängigen Labors analysieren lassen. London will den Bericht auch Vertragsstaaten zur Verfügung stellen.

Skripal und seine Tochter waren vor knapp sechs Wochen bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury gefunden worden. Nach Angaben der britischen Regierung waren sie mit dem in der früheren Sowjetunion produzierten Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden. London bezichtigt Moskau als Drahtzieher des Anschlags. Der Kreml weist dies zurück. Der Fall löste eine diplomatische Krise aus.

Die kürzlich aus dem Krankenhaus entlassene Tochter Julia Skripal lehnte unterdessen die angebotene Hilfe der russischen Botschaft in London ab. «Im Moment möchte ich von deren Leistungen nicht Gebrauch machen. Aber wenn ich meine Meinung ändere, lasse ich sie es wissen», teilte die 33-jährige Russin am Mittwochabend in einer über Scotland Yard verbreiteten Stellungnahme mit. Die russische Botschaft zweifelte umgehend die Echtheit des Schreibens an.

Julia Skripal ist nach eigenen Angaben an einem sicheren Ort und hat Kontakt zu ihren Freunden und ihrer Familie. Ihr Leben habe sich seit dem Anschlag komplett verändert. Ihr Vater wird weiter in der Klinik behandelt. Er ist seiner Tochter zufolge ernsthaft krank. Auch sie selbst leide noch unter den Folgen der schweren Vergiftung.

Die russische Botschaft in London kritisierte die über Scotland Yard verbreitete Erklärung scharf: Der Text sei so verfasst, dass er die Positionen der britischen Behörden untermauere und jeden Kontakt von Julia Skripal mit der Außenwelt verhindere. Außerdem habe sie nur noch ihre Cousine Viktoria Skripal und ihre Großmutter als Verwandte - beide lebten aber in Russland. «Mit welcher Familie ist Julia also in Kontakt?», heißt es in einer Mitteilung der Botschaft.

Julia Skripal möchte keinen Kontakt mehr zu ihrer Cousine haben. «Ihre Meinungen und Behauptungen sind nicht meine und die meines Vaters», heißt es in dem von der Polizei veröffentlichten Schreiben. Die Verwandte spielt eine undurchsichtige Rolle. So hatte sie behauptet, die Skripals könnten sich mit Fisch vergiftet haben. London fürchtet laut BBC, dass sie vom Kreml instrumentalisiert wird.

Skripal hatte früher für den russischen Militärgeheimdienst GRU gearbeitet und dem britischen MI6 Informationen weitergeleitet. 2004 flog er auf. Er wurde in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Bei einem Gefangenenaustausch kam er 2010 nach Großbritannien.

@ dpa.de