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Konflikte, Tempelberg

In Jerusalem gibt es die heftigsten Auseinandersetzungen seit Jahren.

10.05.2021 - 17:28:08

Nahost - Gewalt in Jerusalem schürt Sorge vor Eskalation. Hunderte Menschen werden verletzt. Im Fokus steht der Tempelberg. Die islamistische Hamas stellt Israel ein Ultimatum. Die Bundesregierung mahnt zur Deeskalation.

  • Konflikt - Foto: Mahmoud Illean/AP/dpa

    Pal?stinenser sto?en auf dem Gel?nde der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem mit israelischen Sicherheitskr?ften zusammen. Foto: Mahmoud Illean/AP/dpa

  • An der Klagemauer - Foto: Oded Balilty/AP/dpa

    Gl?ubige beten anl?sslich des Jerusalemtags an der Klagemauer. Foto: Oded Balilty/AP/dpa

  • Verletzt - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

    Ein verletzter pal?stinensischer Demonstrant wird von Sanit?tern weggebracht. Foto: Ilia Yefimovich/dpa

  • Vermummt - Foto: Mahmoud Illean/AP/dpa

    Vermummte Pal?stinenser werfen mit Steinen auf israelische Sicherheitskr?fte. Foto: Mahmoud Illean/AP/dpa

  • Festnahme - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

    Israelische Sicherheitskr?fte nehmen einen pal?stinensischen Demonstranten fest. Foto: Ilia Yefimovich/dpa

  • Sanit?ter-Einsatz - Foto: Mahmoud Illean/AP/dpa

    Sanit?ter behandeln auf dem Gel?nde der Al-Aksa-Moschee einen Verwundeten. Foto: Mahmoud Illean/AP/dpa

  • Konfrontation - Foto: Ohad Zwigenberg/Haaretz/AP/dpa

    Ein israelischer Polizist sch?tzt einen j?dischen Fahrer, der von pal?stinensischen Demonstranten in der N?he der Altstadt von Jerusalem angegriffen wurde. Foto: Ohad Zwigenberg/Haaretz/AP/dpa

Konflikt - Foto: Mahmoud Illean/AP/dpaAn der Klagemauer - Foto: Oded Balilty/AP/dpaVerletzt - Foto: Ilia Yefimovich/dpaVermummt - Foto: Mahmoud Illean/AP/dpaFestnahme - Foto: Ilia Yefimovich/dpaSanit?ter-Einsatz - Foto: Mahmoud Illean/AP/dpaKonfrontation - Foto: Ohad Zwigenberg/Haaretz/AP/dpa

Jerusalem - Nach heftigen Zusammenstößen in Jerusalem wächst die Sorge vor einer Zuspitzung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern.

Auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) in der Altstadt kam es am Montag erneut zu schweren Auseinandersetzungen. Vor der Al-Aksa-Moschee setzten Polizisten Blendgranaten, Tränengas und Gummigeschosse gegen Steine werfende Palästinenser ein. Palästinensische Rettungskräfte sprachen von mehr als 300 Verletzten. Nach Polizei-Angaben wurden fast zwei Dutzend Beamte verletzt.

Der militärische Flügel der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas stellte Israel am Montag ein Ultimatum. Ein Sprecher der Organisation in Gaza forderte, Israel müsse bis 18.00 Uhr Ortszeit (17.00 MEZ) alle Polizisten und Siedler vom Tempelberg sowie aus dem Viertel Scheich Dscharrah in Ost-Jerusalem abziehen. Außerdem müssten alle im Rahmen der jüngsten Konfrontationen festgenommenen Palästinenser freigelassen werden. Es handele sich um eine Warnung.

Aus Sorge vor neuen Raketenangriffen aus dem Gazastreifen wurden nach Medienberichten öffentliche Luftschutzräume in mehreren Städten im Süden des Landes geöffnet. Außerdem seien die Routen der internationalen Flüge vom Flughafen Ben Gurion weiter in Richtung Norden verlegt worden. Man stelle sich auch auf mögliche Raketenangriffe auf den Großraum Tel Aviv ein, berichtete der Sender Kan.

Die Lage im Westjordanland und im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan angespannt. Viele Palästinenser sind zornig, weil die Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hatte, um Versammlungen zu verhindern. Zudem drohen einigen palästinensischen Familien im Stadtteil Scheich Dscharrah Wohnungsräumungen durch israelische Behörden. Dies verschärfte die Spannungen. Vergangenes Wochenende hatte es jede Nacht Konfrontationen mit zahlreichen Verletzten im Osten der Stadt gegeben.

Militante Palästinenser aus dem Gazastreifen feuerten zudem zuletzt mehrere Raketen auf die israelische Grenzregion. Israel schloss den Erez-Grenzübergang zu dem Palästinensergebiet und die davor liegende Fischereizone. Aus Sorge vor einer Eskalation wollte die Armee weitere Kräfte an den Gazastreifen verlegen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu berief nach Angaben eines Sprechers für den späten Montagnachmittag das Sicherheitskabinett zu Beratungen ein. Nach Angaben der Armee sollten entlang der Grenze zum Gazastreifen die Straßen abgeriegelt werden. Das Militär kündigte zudem an, das Manöver «Feuerwagen» am Dienstag auszusetzen. Es ist seine größte Truppenübung seit drei Jahrzehnten.

Ein Zwischenfall auf einer Straße am Rande der Altstadt von Jerusalem verschärfte am Montag die Spannungen: Ein israelischer Autofahrer rammte mit seinem Auto einen Palästinenser, nachdem sein Fahrzeug von einer Gruppe von Palästinensern mit Steinen beworfen worden war. Die israelische Polizei teilte mit, der Mann habe die Kontrolle über das Auto verloren. Anschließend wurde der Fahrer von einer Menge attackiert. Ein israelischer Polizist schoss in die Luft und zwang die Palästinenser, von ihm abzulassen.

Der Status Jerusalems ist eine der zentralen Streitfragen im Nahost-Konflikt. Israel beansprucht Jerusalem als «ewige und unteilbare Hauptstadt» für sich. Die Palästinenser halten ihrerseits an ihrem Anspruch auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt fest.

Israel beging am Montag den Jerusalem-Tag. Das Land feiert damit die Eroberung des Ostteils von Jerusalem einschließlich der Altstadt während des Sechstagekriegs 1967.

Am Nachmittag begann ein Marsch. Nach Warnungen, er könne neue Spannungen auslösen, wurde dessen Route verändert. Sie führt nun nicht mehr durch das Damaskustor und das Muslimische Viertel der Altstadt. Zuvor hatte es die Polizei Juden bereits verboten, bei dem Marsch auch den Tempelberg zu besuchen. Das Ende des Ramadan wurde bis spätestens Donnerstag erwartet. Israel hofft dann auf eine Beruhigung.

Israelis und Palästinenser machten sich gegenseitig für die jüngste Eskalation verantwortlich. Israels Präsident Reuven Rivlin erklärte: «Der Staat Israel respektiert die Religionsfreiheit und wird dies auch weiterhin tun. Er wird allerdings Störungen der öffentlichen Ordnung, Sabotageakte und Unterstützung von Terrorismus nicht dulden.» Ein Sprecher Netanjahus beschuldigte militante Palästinenser, Steine in der Al-Aksa-Moschee gesammelt zu haben, um damit israelische Soldaten zu bewerfen. Hussein al-Scheich, Berater von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, warf Israel eine «Erstürmung» des Tempelberg-Geländes vor.

International wuchs die Besorgnis über die Gewalt. «Wir fordern beide Seiten auf, jetzt dringend einen Beitrag zu leisten, um die Situation zu deeskalieren», sagte der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, in Berlin. Bundesaußenminister Heiko Maas warnte vor einer Zuspitzung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern. «Wir können nur alle Seiten auffordern, in dieser wirklich explosiven Lage zu deeskalieren», sagte der SPD-Politiker am Montag nach Beratungen mit EU-Kollegen in Brüssel.

Auch die USA zeigten sich beunruhigt. UN-Generalsekretär António Guterres forderte Israel nach Angaben eines Sprechers auf, «maximale Zurückhaltung» zu üben. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan telefonierte nach offiziellen Angaben am Montag Abbas und Hamas-Führer Ismail Hanija. Erdogan verurteilte in den Gesprächen Israels «Angriffe in Jerusalem» scharf und bezeichnete sie als «Terror». Einem Bericht der Zeitung «Times of Israel» zufolge wird sich der UN-Sicherheitsrat mit der Situation in Jerusalem befassen.

Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist für Juden wie Muslime von herausragender Bedeutung. Es ist die drittheiligste Stätte im Islam. Zugleich standen dort früher zwei jüdische Tempel, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.

© dpa-infocom, dpa:210510-99-535490/11

@ dpa.de