Konflikte, International

In Afghanistan ist kein Frieden in Sicht.

09.11.2018 - 08:50:05

Taliban dabei - Gespräche in Moskau über Waffenruhe in Afghanistan. Nun unternimmt Moskau einen Anlauf, damit wieder Schwung in die Bemühungen um ein Kriegsende kommt.

Moskau - Russland will neuen Schwung in die stockenden Friedensbemühungen in Afghanistan bringen. Bei einer internationalen Konferenz in Moskau geht es darum, Möglichkeiten für eine Waffenruhe in dem Land auszuloten.

An den Gesprächen nehmen erstmals auch die radikalislamischen Taliban teil. Deren politisches Büro in Katar werde eine Delegation zu dem Treffen entsenden, hatten die Taliban angekündigt. Darüber hinaus sollen Vertreter des afghanischen Hohen Friedensrates bei dem Treffen dabei sein.

Auf der Agenda stehe die Aufnahme direkter Gespräche zwischen der afghanischen Regierung und Vertretern der Taliban, sagte der Sprecher des Friedensrates, Sajid Ehsan Tahiri, im Vorfeld. Der 2010 gegründete Hohe Friedensrat ist verantwortlich für die Aussöhnung mit bewaffneten Gruppen in Afghanistan. Die Regierung in Kabul wird laut Medienberichten keine hochrangigen Vertreter entsenden, hatte sich aber für die Teilnahme des Friedensrates ausgesprochen.

Mit konkreten Ergebnissen wird allerdings nicht gerechnet. Ein Abschlussdokument soll es nicht geben, hatte das Außenministerium in Moskau bereits vor Tagen Hoffnungen gedämpft. Die Taliban hatten zuletzt betont, es handle sich bei dem Treffen nicht um eine Konferenz. Jeder Teilnehmer werde seine eigene Meinung darlegen, wie der Konflikt in Afghanistan friedlich beigelegt werden könne.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow will die Konferenz nach Angaben seines Ministeriums am Vormittag eröffnen. Russland hofft auf eine bessere Abstimmung in der Region, um ein Ende des afghanischen Bürgerkriegs zu erreichen. Der Konflikt kann nach russischer Auffassung nur durch Verhandlungen gelöst werden. Dafür sollten die Aktivitäten der Staaten in der Region besser koordiniert werden.

Ein erster Anlauf für eine solche Konferenz war im August am Einspruch der afghanischen Regierung gescheitert. Sie bestand darauf, dass der Friedensprozess unter afghanischer Führung stattfinden soll. Erst am Dienstag hielt sich Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Kabul auf. Er rief zu Frieden auf. Die Nato bildet bei ihrer Mission «Resolute Support» afghanische Sicherheitskräfte aus.

In dem Land herrscht seit Jahren Bürgerkrieg zwischen den Taliban und der vom Ausland unterstützten Landesführung. Die afghanischen Sicherheitskräfte sind dabei immer stärkerem Druck durch die Taliban ausgesetzt. Militärkreisen zufolge sterben täglich rund 35 afghanische Polizisten und Soldaten in Gefechten und bei Anschlägen.

Neben Moskau bemüht sich auch die US-Regierung seit mehreren Monaten intensiv um Friedensgespräche. Im Zuge dessen trafen sich US-Gesandte bisher zwei Mal zu Direktgesprächen mit Vertretern der Taliban. Laut russischem Außenministerium wird bei dem Gespräch in Moskau ein Vertreter der US-Botschaft dabei sein. Noch im August hatten die Amerikaner eine Einladung Russlands ausgeschlagen.

Die USA sind seit mehr als 15 Jahren im Afghanistan-Krieg involviert. Russland befürchtet, dass sich Washington langfristig Einfluss in der Region sichern möchte. Zudem will Moskau die Bedrohung durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) möglichst klein halten. Im August hatte der russische Sondergesandte für Afghanistan, Samir Kabulow, erklärt, zwischen Russland und den Taliban hätten sich gute Kontakte ergeben. Moskau hoffe, dass die Taliban gegen den IS vorgehen. Von 1979 bis zu ihrem Abzug 1989 hatten schon starke sowjetische Truppen vergeblich und unter hohen Verlusten in Afghanistan gekämpft.

@ dpa.de