Prozesse, Kriminalität

Immer wieder gelingt es Betrügern, sich vor arglosen Senioren als Polizist auszugeben und sie abzuzocken.

07.11.2018 - 10:44:06

Prozessauftakt in Heidelberg - Blindes Vertrauen ausgenutzt: Falscher Polizist vor Gericht. Vor dem Landgericht Heidelberg wird jetzt ein Fall mit einer ungewöhnlich hohen Schadenssumme verhandelt.

Heidelberg - Sie hat Schmuck und Wertsachen im Wert von rund 300.000 Euro verloren, weil sie einem vermeintlichen Polizisten Glauben schenkte.

Heute stehen sich die geschädigte Frau aus Sinsheim in Baden-Württemberg und der mutmaßliche Täter vor dem Heidelberger Landgericht gegenüber. Zum Prozessauftakt sind zehn Zeugen geladen, neben der Seniorin auch echte Polizeibeamte. Das Urteil wird am 22. November erwartet (Az. 1 KLs 430 Js 5973/18). Auch anderswo gibt es vergleichbare Fälle.

Die Betrügereien laufen nach folgendem Muster ab: Alte Leute werden am Telefon von den angeblichen Polizisten mit dem Hinweis auf Einbrecher in ihrer Umgebung unter Druck gesetzt. Sie sollten ihre Wertsachen der Polizei aushändigen, die sie in sichere Verwahrung nehme - die Wertsachen würden zurückgegeben, sobald die Gefahr vorbei sei. Tatsächlich machen sie die Betrüger dann davon. Keine Versicherung springt ein, weil das Geld freiwillig übergeben und nicht geraubt wurde.

Der beschuldigte 30-Jährige in dem Fall, der vor dem Heidelberger Landgericht verhandelt wird, fungierte laut Anklage in einer Gruppe mit weiteren Tätern als sogenannter Läufer, also als der, der die Beute abholte. Vor dem Landgericht Tübingen startet an diesem Donnerstag ein ähnlicher Prozess.

Zuletzt warnte die Polizei in Baden-Württemberg in den Kreisen Ludwigsburg und Böblingen wieder vor falschen Polizisten. Es gebe gerade eine neue Welle von Anrufen angeblicher Mitarbeiter örtlicher Polizeidienststellen. Eine spezielle Technik der oft vom Ausland aus agierenden Täter zeigt demnach auf der Telefonanzeige die Polizei-Notrufnummer 110 oder eine andere örtliche Telefonnummer, um die Anrufe authentischer wirken zu lassen.

Im Jahr 2017 registrierte das Landeskriminalamt in Baden-Württemberg 1955 derartige Fälle, davon 1843 erfolglose Versuche. Der Schaden belief sich auf 5,3 Millionen Euro. Im Jahr 2016 waren es noch 225 Fälle, davon 182 Versuche. Der Schaden lag bei knapp 1,4 Millionen Euro.

@ dpa.de

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