Energie, Klima

Im Hambacher Forst steht Tag drei der Räumung von Baumhäusern und der Proteste dagegen an.

15.09.2018 - 11:37:24

Räumung bleibt schwierig - Proteste und Polizeieinsatz im Hambacher Forst gehen weiter. Der Polizeieinsatz gestaltet sich zäh und könnte sich noch Tage hinziehen. Die Aktivisten geben nicht auf.

Kerpen - Bei der Räumung der Baumhäuser im Hambacher Forst bereiten unterirdische Gänge der Braunkohlegegner den Einsatzkräften Probleme. Mit Teleskopkameras prüfe die Feuerwehr, ob sich in den Gängen Umweltaktivisten verschanzt hätten, sagte ein Sprecher der Feuerwehr Kerpen.

Auch die Grubenwehr ehemaliger Zechen wurde zurate gezogen. Die Experten hätten die «Stollen» geprüft und für einsturzgefährdet erklärt, sagte der Sprecher. Solange unklar sei, ob es weitere Gänge gebe und dort Aktivisten versteckt seien, könne auch kein schweres Räumgerät eingesetzt werden, sagte der Sprecher der für die Räumung zuständigen Stadt Kerpen, Erhard Nimtz.

Unterdessen besetzten nach Angaben der Polizei Aachen neun Aktivisten drei Bagger im Braunkohlekraftwerk Niederaußem in der Nähe des Hambacher Forstes. Die Polizei zog dort Einsatzkräfte zusammen. Die Braunkohlegegner sprachen von 20 Aktivisten in Niederaußem. Der Energiekonzern RWE plant, im Herbst den Wald für den Braunkohleabbau abzuholzen.

Aktivisten von der Aktion Unterholz haben für heute zu einer Demonstration aufgerufen. Am Sonntag ist das Anpflanzen Hunderter junger Bäume geplant. Am Freitagabend hatten sich rund 200 Menschen am Hambacher Forst an einer Kundgebung für den Erhalt des Waldes beteiligt.

Der Energiekonzern RWE will im Herbst weite Teile des Waldes abholzen, um weiter Braunkohle baggern zu können. In dem Wald haben Gegner der Rodung 50 bis 60 Baumhäuser errichtet. Am Donnerstagmorgen hatte die Polizei im Auftrag der zuständigen Baubehörden begonnen, diese zu entfernen.

Die Behörden begründen die Aktionen unter anderem mit dem fehlenden Brandschutz in den Baumhäusern. Diese gelten als Symbol des Widerstands gegen die Kohle und die damit verbundene Klimabelastung. In dem Wald stehen Jahrhunderte alte Buchen und Eichen.

Insgesamt nahm die Polizei am Freitag 17 Menschen in Gewahrsam, wie die Behörde in Aachen am Abend mitteilte. Von sechs bereits am Donnerstag festgenommen Personen wurden fünf wieder auf freien Fuß gesetzt.

Im Zentrum des Einsatzes am Freitag stand die kleine Baumhaussiedlung «Oaktown». Die Polizei brachte mehrere angekettete Personen auf den Boden, ein Polizei habe sich dabei leicht verletzt. Die Polizei berichtete außerdem von sogenannten Rauchtöpfen, die Besetzer angezündet hätten. Die Polizei hatte Baumhausbewohner am Verlauf des Tages zudem beschuldigt, sie mit Exkrementen und einem brennenden Holzscheit beworfen zu haben.

Aktivisten warfen der Polizei ihrerseits vor, mindestens 20 Bäume, darunter auch einige sehr alte, gefällt zu haben, um Platz für die Räumfahrzeuge zu schaffen. Die Polizei gab einzelne Fällungen zu.

Die Baumhäuser befinden sich in 20 bis 25 Metern Höhe, was eine Entfernung erschwert. Die Polizei rechnet mit einem tagelangen Einsatz. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurden bislang zehn Baumhäuser entfernt. Drei befanden sich im Abbau.

@ dpa.de