EU, Verkehr

Im Frühjahr vor, im Herbst zurück: Vor allem in Deutschland sind viele genervt vom Hin und Her zwischen Sommer- und Winterzeit.

03.12.2018 - 17:53:21

Flickenteppich befürchtet - Minister: Zeitumstellung fällt frühestens 2021. Aber die Abschaffung bringt auch Risiken und Nebenwirkungen.

Brüssel - Das war nun doch ein bisschen Hopplahopp: Die schon für 2019 angekündigte Abschaffung des Wechsels zwischen Sommer- und Winterzeit lässt sich in der Europäischen Union so schnell nicht umsetzen.

«Frühestens 2021 ist es so weit, dass die Zeitumstellung beendet wird», sagte Österreichs Verkehrsminister Norbert Hofer am Montag als Vorsitzender der EU-Länder in Brüssel. Sonst drohe ein «Zeit-Fleckerl-Teppich» in Europa. Die Gegner des Uhrendrehs müssen sich also gedulden, vor allem in Deutschland.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte Mitte September vorgeschlagen, 2019 die Uhr zum letzten Mal umzustellen. Hintergrund war eine Online-Umfrage: Mehr als 80 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer plädierten für ein Ende der Zeitumstellung, darunter allein 3 Millionen aus Deutschland.

«Die Mehrheit der Menschen in Deutschland hat eine eindeutige Präferenz - ich auch», sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier der Funke Mediengruppe. «Deshalb plädiere ich wie sie für die Abschaffung der Zeitumstellung und die dauerhafte Sommerzeit.»

Der CDU-Politiker pries noch einmal die Vorteile aus deutscher Sicht: «So könnte man öfter nach der Arbeit noch ein paar Sonnenstrahlen tanken, die Menschen könnten auch in der kalten Jahreszeit länger im Freien aktiv sein, Kinder nach der Kita oder der Schule länger im Hellen draußen spielen.»

Nur: Die Pläne könnten eben auch große Nachteile bringen - das machten die Minister mehrerer EU-Länder bei den Beratungen in Brüssel deutlich. So hat Portugal die dort 1916 eingeführte Zeitumstellung im Laufe der Jahrzehnte bereits mehrfach abgeschafft - und dies immer wieder rückgängig gemacht. Die Menschen hätten sich nicht wohl damit gefühlt, sagte Minister Pedro Marques. «Das jetzige System funktioniert und es bleibt das passendste, zumindest für mein Land.»

Auf EU-Ebene wird nur entschieden, ob es den Wechsel zwischen Winter- und Sommerzeit noch geben soll. Welche Zeit in den einzelnen Ländern gilt, ist nationale Angelegenheit. Die EU-Staaten sollen wählen können, ob sie dauerhaft Winter- oder Sommerzeit haben wollen. Probleme macht nun die Koordinierung zwischen den Ländern.

«Es wäre unsinnig, wenn Deutschland oder Ungarn und Italien und Österreich unterschiedliche Zeitsysteme hätten», sagte der österreichische Minister Hofer. Vielmehr müssten sich Nachbarstaaten auf ein Modell einigen. «Welches Modell das sein wird, Sommerzeit oder Winterzeit, das werden die Gespräche in den nächsten Monaten zeigen.»

Derzeit gibt es in Mitteleuropa eine große Zeitzone von Polen bis Spanien, zu der Deutschland und 16 weitere EU-Länder gehören. Sie soll zugunsten von Reisenden und Handel möglichst erhalten bleiben. Doch käme für alle 17 Staaten die dauerhafte Sommerzeit, hieße das für Spanien im Winter Dunkelheit bis kurz vor 10.00 Uhr. Einigen sich alle auf Winterzeit, würde es in Warschau im Sommer schon um 03.00 Uhr hell. Die Zeitumstellung zweimal im Jahr dämpft die Extreme.

Mehrere EU-Minister forderten in Brüssel, zunächst die Folgen und möglichen Risiken gründlich zu prüfen. Am Ende plädierten fast alle dafür, jetzt nichts zu überstürzen. Für Deutschland sagte Verkehrsstaatssekretär Guido Beerman zwar, man wolle die Entscheidung nicht auf die lange Bank schieben. Doch sei die «Vermeidung eines Flickenteppichs für uns von zentraler Bedeutung». Eine endgültige Festlegung auf Sommer- oder Winterzeit wolle auch Deutschland erst im Laufe der Beratungen treffen.

Hofer verwahrte sich jedenfalls gegen den Vorwurf, dass Österreich als Ratsvorsitz eine Lösung verschleppe. Sein Land wäre für eine sehr rasche Abschaffung der Zeitumstellung gewesen, aber andere Länder nicht, betonte der Minister. Als Kompromiss habe man die Verschiebung vorgeschlagen. «Hätten wir darauf bestanden, das sofort zu machen, wäre der Vorschlag gescheitert und die Zeitumstellung wäre nicht zu beenden gewesen», sagte der Verkehrsminister.

In den EU-Staaten werden seit 1996 am letzten Sonntag im März sowie am letzten Sonntag im Oktober die Uhren jeweils eine Stunde umgestellt. In Deutschland gibt es die Sommerzeit schon seit 1980.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Kampf gegen Lohn-Dumping - EU-Länder wollen bessere Arbeitsbedingungen für Fernfahrer Täglich sind allein in Deutschland Hunderttausende Lastwagen unterwegs - für die Fahrer ein Knochenjob, bei dem bisher oft nicht alles fair abläuft. (Wirtschaft, 04.12.2018 - 16:42) weiterlesen...

Kampf gegen Lohn-Dumping - EU-Staaten einigen sich auf Sozialstandards für Lkw-Fahrer. Auch die Fuhrunternehmer sind in der Pflicht. Die EU-Verkehrsminister haben Maßnahmen beschlossen, um die Arbeitsbedingungen von Lkw-Fahrern zu verbessern. (Wirtschaft, 04.12.2018 - 06:51) weiterlesen...

EU-Staaten einigen sich auf Sozialstandards für Lkw-Fahrer. Für gleiche Arbeit am gleichen Ort solle gleicher Lohn gelten, hieß es in der Nacht in Brüssel. Außerdem sollten die Fahrer nicht mehr in ihren Führerhäusern übernachten dürfen. Dem Verkehrsminister-Beschluss zufolge dürfen die Kraftfahrer außerdem maximal vier Wochen am Stück in Europa unterwegs sein. Nun muss noch eine Einigung mit dem Europaparlament gefunden werden, bevor die Änderungen in Kraft treten können. Brüssel - Die EU-Verkehrsminister haben sich mehrheitlich auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Lkw-Fahrern in Europa geeinigt. (Politik, 04.12.2018 - 04:52) weiterlesen...

Minister: Ende der Zeitumstellung kommt frühestens 2021. «Frühestens 2021 ist es soweit, dass die Zeitumstellung beendet wird», sagte der österreichische Verkehrsminister Norbert Hofer vor Beratungen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel. Österreich führt derzeit den Vorsitz der EU-Länder. Sein Land wäre für eine sehr rasche Abschaffung der Zeitumstellung gewesen, sagte Hofer. Doch andere Länder hätten damit Probleme gehabt. Brüssel - Die Abschaffung des jährlichen Wechsels von Sommer- auf Winterzeit kommt nicht im nächsten Jahr. (Politik, 03.12.2018 - 09:14) weiterlesen...

Flickenteppich befürchtet - EU-Verkehrsminister beraten über Ende der Zeitumstellung. Doch es gibt noch offene Fragen und Zweifel. Wann endet die halbjährliche Zeitumstellung in Europa? Darüber beraten nun die zuständigen EU-Verkehrsminister. (Politik, 03.12.2018 - 07:18) weiterlesen...

EU-Verkehrsminister beraten über Ende der Zeitumstellung. Es gebe noch eine ganze Reihe von Problemen zu lösen, hieß es vor dem Treffen der Ressortchefsin Brüssel aus informierten Kreisen. Vor allem gehe es darum, wie ein Flickenteppich mit vielen unterschiedlichen Zeitzonen in Europa vermieden werden könne. Eine Einigung bei der Zusammenkunft, zu der auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer erwartet wird, scheint unwahrscheinlich. Schon jetzt gibt es drei Zeitzonen in der EU: In Deutschland und 16 weiteren Staaten gilt dieselbe Zeit. Brüssel - Die EU-Verkehrsminister beraten über ein mögliches Ende der Zeitumstellung in Europa. (Politik, 03.12.2018 - 07:06) weiterlesen...