Konflikte, Nahost

Im Frühjahr 2011 sprühten Schüler in Daraa regierungsfeindliche Graffiti an Wände - es war der Beginn des Aufstands gegen Machthaber Assad.

12.07.2018 - 18:38:06

Flagge in Daraa gehisst - Wiege des syrischen Aufstands fällt zurück an Assad. Dieser gewinnt mehr und mehr die Kontrolle zurück.

Damaskus - Mehr als sieben Jahre nach dem Beginn des Bürgerkriegs in Syrien hat die Regierung einen weiteren wichtigen Erfolg mit großer Symbolwirkung erzielt. Die Rebellen gaben die Stadt Daraa im Süden des Landes auf, die als Wiege des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad gilt.

Anhänger des Machthabers hissten am Donnerstag die syrische Flagge über dem Teil Daraas, der noch in den Händen von Aufständischen war, wie die staatliche Agentur Sana meldete.

Rebellensprecher Ibrahim Dschabawi bestätigte, die Regierungsgegner hätten zuvor eine Einigung mit Russland, dem Verbündeten Syriens, erzielt. Demnach geben die Rebellen in Daraa ihre schweren Waffen ab. Sie hatten zuletzt noch einen Teil der Stadt kontrolliert, wurden dort aber von den Regierungstruppen eingeschlossen.

Sana zufolge betraten Einheiten der syrischen Armee Daraas bisheriges Rebellengebiet, um die syrische Flagge zu hissen. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte machten sie dort Bilder und zogen danach wieder ab. Aktivisten erklärten, es hielten sich weiterhin Aufständische in der Stadt auf. Rebellensprecher Dschabawi teilte mit, das ausgehandelte Abkommen sehe nicht vor, dass dort Regierungstruppen einrückten.

Der Geheimdienst hatte im Frühjahr 2011 eine Gruppe von Schülern in Daraa festgenommen und gefoltert, die regierungsfeindliche Graffiti an Wände gesprüht hatten. Nach den Festnahmen kam es in der Stadt zu Protesten, gegen die die Regierung mit Gewalt vorging. Mittlerweile sind in dem Bürgerkrieg mehr als 400.000 Menschen ums Leben gekommen.

Syriens Armee kontrolliert inzwischen mehr als 80 Prozent der Provinz Daraa, wie regierungsnahe Medien und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldeten. Regierungsgegnern bleibt in der Region ein Streifen an der Grenze zu den von Israel besetzten Golanhöhen. Ein Gebiet wird dort auch noch von einem Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beherrscht, der am Donnerstag die Kontrolle über einen weiteren Ort gewinnen konnte.

In der Region sind Zehntausende Menschen auf der Flucht vor Kämpfen und den Regierungstruppen. Die Hilfsorganisation Oxfam warnte, Tausende seien von Hilfslieferungen abgeschnitten. In den heißen Sommermonaten benötigten sie dringend Unterkünfte, Wasser, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung.

Russland, die USA und das Nachbarland Jordanien hatten sich vor rund einem Jahr auf eine sogenannte Deeskalationszone für Daraa geeinigt. Regierungstruppen begannen im Juni dennoch eine Offensive, die von Moskaus Luftwaffe unterstützt wird. Den größten Teil der Provinz konnten Assads Anhänger nach Abkommen mit Rebellen übernehmen, die unter russischer Vermittlung ausgehandelt wurden. Mit Daraa verlieren Syriens Rebellen eines der letzten Gebiete unter ihrer Kontrolle. Ihre verbliebenen Hochburgen liegen im Nordwesten des Landes.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Trauer Angehörige des Palästinensers Mohammed Abu Naji, der angeblich bei einer Demonstration am Erez-Grenzübergang getötet wurde, trauern bei seiner Beerdigung. (Media, 19.09.2018 - 14:38) weiterlesen...

Israel sieht Verantwortung für Flugzeugabschuss bei Syrien. Die Armee wies damit russische Vorwürfe zurück, der Abschuss sei Israels Schuld. «Israel hält zudem Iran und die Hisbollah-Terrororganisation für diesen unglücklichen Vorfall für verantwortlich», hieß es in einer Stellungnahme. Das russische Aufklärungsflugzeug mit 15 Soldaten war in der Nacht zu Dienstag über dem Mittelmeer abgeschossen worden. Es fiel einem Fehltreffer der syrischen Luftabwehr zum Opfer. Tel Aviv - Die israelische Armee sieht die Verantwortung für den Abschuss eines russischen Militärflugzeuges über dem Mittelmeer bei der syrischen Regierung. (Politik, 18.09.2018 - 14:56) weiterlesen...

Palästinensischer Jugendlicher erliegt seinen Verletzungen. Gaza-Stadt - Ein 16-jähriger Palästinenser ist am Abend an den Folgen seiner bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten erlittenen Verletzungen gestorben. Das teilte das Gesundheitsministerium in Gaza mit. Der Teenager war am 3. August bei anti-israelischen Protesten an der Gaza-Grenze angeschossen worden. Seit Ende März wurden bei Protesten und Konfrontationen nach Angaben des Gesundheitsministeriums 178 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet und mehr als 19 000 verletzt. Palästinensischer Jugendlicher erliegt seinen Verletzungen (Politik, 16.09.2018 - 04:30) weiterlesen...