Unwetter, Notfälle

Hurrikan «Maria» hat eine Schneise der Verwüstung durch Puerto Rico geschlagen.

26.09.2017 - 20:24:06

«Humanitäre Katastrophe» - Nach Hurrikan: Puerto Rico pocht auf Hilfe aus Washington. Der Gouverneur bittet, die US-Bürger in dem Außengebiet nicht zu vergessen. Nach längerem Schweigen äußert sich Trump - und erklärt die Schwierigkeiten der Hilfsmaßnahmen.

San Juan/Washington - Angesichts der schweren Verwüstungen nach Hurrikan «Maria» auf Puerto Rico dringt der Gouverneur des US-Außengebiets auf mehr Unterstützung von der Bundesregierung in Washington.

«Das ist eine humanitäre Katastrophe, die 3,4 Millionen US-Bürger betrifft. Wir werden die volle Unterstützung der US-Regierung brauchen. Die Leute dürfen nicht vergessen, dass wir US-Bürger sind - und stolz darauf», heißt es in einer Stellungnahme von Gouverneur Ricardo Rosselló.

Präsident Donald Trump kündigte für den kommenden Dienstag einen Besuch auf der Insel an. Er verwahrte sich zugleich gegen Kritik, die Hilfe komme zu langsam in dem Außengebiet an. «Wir haben sehr, sehr hart in Puerto Rico gearbeitet. Es ist schwierig, weil es eine Insel ist. In Texas können wir die Trucks einfach rüberschicken», erklärte er am Dienstag.

Man habe für die Aufbauarbeiten in Texas nach dem schweren Hurrikan «Harvey» gute Noten bekommen, das werde auch bei Puerto Rico der Fall sein. «Aber der Unterschied ist, das ist eine Insel, die mitten im Meer liegt. Es ist ein großes Meer, ein sehr großes Meer.»

Puerto Ricos Gouverneur hatte zuvor im US-Fernsehen ein Hilfspaket des Kongresses gefordert. «Wir brauchen mehr Hilfe. Wir brauchen mehr Material und wir brauchen mehr Einsatzkräfte», sagte Rosselló. «Der Kongress muss etwas tun und ein Hilfspaket schnüren.»

Das Außengebiet stand zuletzt mehrfach am Rand der Pleite, es ist auf Geld aus Washington angewiesen. Der Gouverneur warnte vor einer Auswanderungswelle, sollte den Menschen auf der Karibikinseln nicht geholfen werden: «Wenn wir keine Hilfe bekommen, werden Tausende, wenn nicht Millionen Puerto Ricaner in die USA kommen. Das würde für schwere demografische Probleme sowohl in Puerto Rico als auch in den Vereinigten Staaten sorgen», sagte Rosselló.

Die Aufräumarbeiten auf der Insel gingen währenddessen weiter. Am Dienstag sollten sich die Mitarbeiter der Regierung und die Angestellten vieler Privatfirmen wieder zur Arbeit melden. In einigen Teilen der Insel gab es wieder Strom und fließendes Wasser.

Mangel herrschte allerdings noch immer an Benzin. Nur etwa 30 Prozent der Tankstellen waren geöffnet. Zahlreiche Puerto Ricaner wollten auf das US-Festland fliegen. Allerdings war der Flugverkehr weiter eingeschränkt, viele Reisende hingen am Flughafen fest.

Trump sah sich in den vergangenen Tagen Vorwürfen ausgesetzt, er widme der Lage auf der Insel nicht genügend Aufmerksamkeit. Er hatte in mehreren Beiträgen auf Twitter harsche Kritik an Footballspielern geübt, sich aber gleichzeitig nicht zu der Zerstörung auf Puerto Rico geäußert.

Am Montagabend (Ortszeit) holte er dies nach. «Puerto Rico, das bereits zuvor unter einer maroden Infrastruktur und massiven Schulden gelitten hat, steckt in ernsthaften Problemen», twitterte Trump. «Das alte Elektrizitätsnetz, das in einem fürchterlichen Zustand war, wurde zerstört. Lebensmittel, Wasser und Medikamente sind die Hauptpriorität - da läuft es gut.»

Dann erinnerte er die Puerto Ricaner noch daran, dass sie mit Milliarden US-Dollar bei Banken in der Kreide stehen. In einer Art Konkursverfahren werden derzeit die Verbindlichkeiten restrukturiert. Eine Kontrollkommission verordnete schmerzhafte Einschnitte. Puerto Rico leidet unter einem aufgeblähten Staatsapparat und verzeichnet hohe Sozialausgaben, Abwanderung sowie eine schlechte Infrastruktur.

Als assoziierter Freistaat gehört die Insel nicht zu den Vereinigten Staaten. Zwar sind die Bewohner US-Bürger, aber sie dürfen nicht an der Präsidentschaftswahl teilnehmen, und ihre Delegierten im Kongress in Washington haben kein Stimmrecht. Zuletzt stimmten die Puerto Ricaner in einem Referendum dafür, sich um eine Aufnahme in die USA zu bemühen. Das letzte Wort hat aber der Kongress.

@ dpa.de

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