Extremismus, Kriminalität

Hans-Georg Maaßen kann wohl aufatmen - zumindest vorerst.

12.09.2018 - 21:16:09

Vorwürfe noch nicht ausgeräumt - Seehofer stellt sich hinter Maaßen. Zwar sehen SPD, Grüne und Linksfraktion die Vorwürfe gegen ihn nicht ausgeräumt. Doch CDU, CSU und FDP stellen sich hinter ihn.

  • Treffen der Sicherheitsbehörden - Foto: Hannibal Hanschke

    Hans-Georg Maaßen, Präsident des Verfassungsschutzes, nimmt an einem Treffen der Sicherheitsbehörden teil. Foto: Hannibal Hanschke

  • Chemnitz - Foto: Andreas Seidel

    Im Laufschritt: Polizisten nach dem Abbruch des Stadtfestes Chemnitz am 26. August. Foto: Andreas Seidel

  • Seehofer und Maaßen - Foto: Michael Kappeler

    Unter Beobachtung: Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen (l.) im Blick seines Dienstherrn Horst Seehofer. Foto: Michael Kappeler

  • Sondersitzung - Foto: Bernd von Jutrczenka

    Horst Seehofer und Hans-Georg Maaßen kommen zur Sondersitzung des Innenausschusses im Deutschen Bundestag. Foto: Bernd von Jutrczenka

Treffen der Sicherheitsbehörden - Foto: Hannibal HanschkeChemnitz - Foto: Andreas SeidelSeehofer und Maaßen - Foto: Michael KappelerSondersitzung - Foto: Bernd von Jutrczenka

, für eine Beruhigung der Lage zu sorgen und Dramatisierungen etwa im Sinne von Pogromen oder Hetzjagden gegen Ausländer entgegenzutreten, sagte Schuster. «Diese Absicht kritisiere ich nicht.» Die Umsetzung dieses Anliegens mit dem «Bild»-Interview, die auch Maaßen «in Teilen» bedauere, kritisiere er aber nach wie vor. Ein Behördenleiter müsse wissen, dass er politische Verwicklungen auslösen könne.

Die Vorsitzende des Innenausschusses, Andrea Lindholz (CSU), sagte knapp, sie habe nach den ausführlichen Erläuterungen Maaßens «nach wie vor volles Vertrauen zu dem Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutzes». Lindholz ist auch Mitglied im PKGr.

Auch der FDP-Obmann Stephan Thomae würdigte die «sehr ausführlichen» Erklärungen Maaßens. Er bewerte die Vorgänge in Chemnitz zwar anders, als dies der BfV-Präsident getan habe. «Aber nach den ausführlichen Erläuterungen habe er die Beweggründe des Präsidenten so verstanden, «dass ich persönlich keine Konsequenzen im Hinblick auf die Person Herrn Maaßens fordern würde».

SPD-Obmann Uli Grötsch bewertete die Stellungnahme Maaßens als nicht ausreichend, um zu erklären, wie es zu dem umstrittenen Interview des BfV-Präsidenten gekommen sei. Er forderte eine ausführlichere Beratung in der anschließenden Sondersitzung des Innenausschusses. Zur sensiblen Rolle des Verfassungsschutzpräsidenten gehöre, dass die Menschen Vertrauen zu den Sicherheitsbehörden hätten. Dieses Vertrauen sehe er durch Maaßen nach wie vor beschädigt.

Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz erklärte, er sei nicht überzeugt von Maaßen. Die massive Unausgewogenheit der öffentlichen Äußerungen des Präsidenten habe zu einem Vertrauensverlust geführt. Das Vertrauen in Maaßen sei durch dessen Erklärungen nicht schon wieder hergestellt.

Der Linken-Politiker André Hahn kritisierte, falls Maaßen das Bestreben gehabt haben sollte, die Lage zu beruhigen, habe er das genaue Gegenteil davon erreicht. Dies habe Maaßen nicht geraderücken können. Es sei der Eindruck entstanden, dass etwas bagatellisiert werden sollte. Das sei nicht hinnehmbar und nicht entschuldbar. Maaßen könne mit seiner Erklärung nicht aus dem Schneider sein. «Ich glaube nicht, dass dieser Präsident noch sehr lang im Amt sein wird.»

In einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Bericht an das Innenministerium hat Maaßen seine Äußerungen zu fremdenfeindlichen Vorfällen in Chemnitz mit Sorge vor einer Desinformationskampagne begründet. Maaßen erhebt darin schwere Vorwürfe gegen einen Twitter-Nutzer, der sich «Antifa Zeckenbiss» nennt. Es sei davon auszugehen, dass dieser ein veröffentlichtes Video vorsätzlich mit der falschen Überschrift «Menschenjagd in Chemnitz» versehen habe, «um eine bestimmte Wirkung zu erzielen», schreibt der BfV-Präsident.

In Chemnitz war am 26. August ein 35 Jahre alter Deutscher erstochen worden. Tatverdächtig sind drei Asylbewerber aus Syrien und dem Irak. Zwei sitzen in Untersuchungshaft, nach dem dritten wird gefahndet. Nach der Tat gab es fremdenfeindliche Ausschreitungen, bei denen es auch zu Gewalt von Rechtsextremisten kam. Diese wurden unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Regierungssprecher Steffen Seibert als «Hetzjagden» bezeichnet.

Maaßen widersprach dieser Einschätzung später in dem «Bild»-Interview. Die Kanzlerin bemühte sich am Mittwoch, den Konflikt zu entschärfen. In einer Rede im Bundestag sagte sie: «Begriffliche Auseinandersetzungen, ob es jetzt Hetze oder Hetzjagd ist, helfen uns wirklich nicht weiter.»

Seehofer, der den Bericht von Maaßen angefordert hatte, sagte der dpa zu den Vorfällen in Chemnitz: «Die Vorgänge sind unschön. Wir haben es mit Rechtsradikalen zu tun. Wir haben es mit antisemitischen Vorfällen zu tun und haben es aber auch mit einem Fall eines Gewaltverbrechens zu tun.» Und weiter: «Wir müssen alle drei Dinge bekämpfen, analysieren und auch mit Konsequenzen versehen soweit es um das Verbrechen geht.»

@ dpa.de