Rente, Deutschland

Gute Nachrichten stehen den Rentnern in Haus - doch langfristig sind die Aussichten gar nicht rosig.

14.11.2017 - 10:12:05

Dramatische Prognose - IG Metall fordert nachhaltige Rentenfinanzen. Deshalb erreicht die Jamaika-Partner die Forderung, kräftig gegenzusteuern.

Würzburg - Angesichts der guten Aussichten für Rentner und Beitragszahler werden die Rufe nach einer vorausschauenden Rentenpolitik lauter.

«Statt heute die Beiträge zu senken, sollte die Regierung an morgen denken und angemessene Rücklagen bilden», sagte das IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Heute gibt die Deutsche Rentenversicherung Bund in Würzburg die voraussichtliche Rentenerhöhung im kommenden Jahr und die Entwicklung des Beitragssatzes bekannt.

Die rund 21 Millionen Rentner können im Sommer mit einem deutlichen Plus ihrer Bezüge von gut drei Prozent rechnen, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf den neuen Rentenversicherungsbericht berichtete. Der Beitragssatz könnte bereits Anfang 2018 um 0,1 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent sinken.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Damit die Bezieher von Grundsicherungsleistungen etwas von der prognostizierten Rentenerhöhung haben, fordern wir einen Freibetrag von 200 Euro.» Bisher würden die Rentenerhöhungen komplett mit der Grundsicherung verrechnet. «Die Einführung eines Freibetrags wäre ein echter Schritt zur Armutslinderung.»

Über die Beitragsentwicklung sagte Urban: «Die Reduzierung des Beitragssatzes um 0,1 Prozentpunkte bringt für einen Durchschnittsverdiener eine Entlastung von knapp 1,60 Euro im Monat.» Er warnte davor, dass die Beschäftigen die Senkung spätestens ab 2023 bitter bezahlen müssten. Wegen des Übertritts immer mehr geburtenstarker Jahrgänge in die Rente steige dann der Beitragssatz über viele Jahre. Gleichzeitig werde das Rentenniveau kontinuierlich sinken, mahnte Urban.

Nötig sei es, die Rentenversicherung zur Erwerbstätigenversicherung zu entwickeln, in die auch Selbstständige, Beamte und Parlamentarier einzahlen, sagte der Gewerkschafts-Spitzenfunktionär. Mit Blick auf die von der CSU forcierte Ausweitung der Mütterrente mahnte Urban, die Finanzierung von gesamtgesellschaftlichen Leistungen aus Beiträgen würden die Probleme der Rentenversicherung verschärfen. Solche Leistungen müssten aus Steuern finanziert werden.

In Würzburg informiert der Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung, Alexander Gunkel, über die Finanzentwicklung in der gesetzlichen Rente. Auf Pläne für die Alterssicherung, die auch bei den Jamaika-Sondierungspartnern eine Rolle spielen, geht Co-Vorstandschefin Annelie Buntenbach ein. Zum 1. Juli dieses Jahres war die Rente in Westdeutschland um 1,90 Prozent gestiegen, in den neuen Ländern um 3,59 Prozent.

@ dpa.de

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