Ihr Broker

  • DAX 0,70
  • EUR/USD 0,50
  • GOLD 0,30

Nur Spreads

Keine Kommission

Jetzt registrieren

CFDs sind komplexe Instrumente und umfassen aufgrund der Hebelfinanzierung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren.

Prozesse, Kriminalität

Gut ein Jahr nach der Tötung von fünf Kindern in Solingen droht ihrer Mutter die Höchststrafe wegen fünffachen Mordes.

02.11.2021 - 14:10:10

Prozesse - Solinger Kindermorde: Höchststrafe für Mutter beantragt

Wuppertal - Gut ein Jahr nach der Tötung von fünf Kindern in Solingen hat der Staatsanwalt die Höchststrafe für ihre unter Mordverdacht stehende Mutter gefordert.

Er beantragte am Dienstag am Wuppertaler Landgericht lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere ihrer Schuld, was eine Haftentlassung nach 15 Jahren nahezu ausschließt.

Die 28-Jährige habe die fünf Kinder heimtückisch umgebracht. Diese seien völlig arglos gewesen, als sie von ihrer eigenen Mutter betäubt und dann ertränkt oder erstickt worden seien. Die Kinder waren am 3. September vergangenen Jahres von Polizisten zugedeckt und tot in ihren Betten entdeckt worden.

Die Version der Angeklagten, ein Unbekannter sei in ihre Wohnung eingedrungen, habe sie gefesselt und ihre Kinder getötet, sei aus einer Reihe von Gründen abwegig. Es hätten sich auch keine Spuren dafür gefunden.

Sehnsucht nach heiler Familie

Vielmehr sei sie enttäuscht darüber gewesen, dass ihr Mann in der Nachbarschaft eine neue Frau gefunden hatte. «Sie hatte eine gewisse Sehnsucht nach einer heilen Familie, trat die Flucht in die Mutterrolle an», so der Staatsanwalt. «Sie lebte in einer Art Fassadenwelt, die sie selbst aufgebaut hatte. Nach dem Aus der Fassade waren die Kinder funktionslos geworden.»

Nebenkläger-Anwalt Jochen Ohliger kritisierte die Verteidiger der Mutter, die die These ins Spiel gebracht hatten, der Vater der Kinder könnte einen Auftragskiller auf seine eigenen Kinder angesetzt haben. Dies sei der «feige Versuch der Verteidigung, meinen Mandanten da reinzuziehen. Er hat vier Kinder verloren, da wird die Grenze des Zulässigen überschritten», sagte der Anwalt. «Er war sicherlich nicht der Ehemann des Jahres.» Dass Beziehungen auseinandergehen, sei aber normal.

Verteidiger Thomas Seifert sagte, es liege nahe, dass die Angeklagte als Kleinkind Opfer ihres Vaters geworden sei. Dieser war wegen Besitzes von Kinderpornografie rechtskräftig verurteilt worden. Als Jugendliche sei die 28-Jährige zudem vergewaltigt worden. Daher sei es nachvollziehbar, dass seine Mandantin eine hochgradige Narzisstin geworden sei, vom Ausmaß vergleichbar mit Donald Trump. Sie habe die Familie schaffen wollen, die sie selbst nicht hatte.

Boden unter den Füßen verloren

Bis zum Tattag habe sie sich in nicht zu beanstandender Weise um die Kinder gekümmert und den Haushalt mit sechs Kindern bis zur Perfektion geführt. Das Foto ihres Ehemanns mit der neuen Partnerin habe ihr dann aber den Boden unter den Füßen weggezogen.

Sollte sie die Tat begangen haben, bestehe Wiederholungsgefahr, so der Anwalt. Er beantragte dennoch einen Freispruch, weil es Zweifel an ihrer Täterschaft gebe. Sollte das Gericht dem nicht folgen, sei eine Strafe von acht Jahren wegen Totschlags mit Unterbringung in einer Psychiatrie angebracht.

Die vom Gericht bestellten psychiatrischen und psychologischen Gutachter hatten der Angeklagte volle Schuldfähigkeit attestiert und keine Hinweise auf eine gravierende psychische Störung gefunden.

Die 28-jährige Deutsche, die den Schlussvorträgen mit starrem Blick und ohne besondere Regung folgte, verzichtete auf ihr Recht auf das letzte Wort. Das Gericht will das Urteil am Donnerstag verkünden.

Die Leichen der Kinder waren am 3. September vergangenen Jahres in der Wohnung der Familie in Solingen entdeckt worden: Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8). Ihre Mutter hatte sich im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen, aber überlebt. Ihr ältester Sohn blieb unverletzt. Die Mutter hatte ihn zur Großmutter an den Niederrhein geschickt. Die Angeklagte hat die Tat mehrfach bestritten.

© dpa-infocom, dpa:211102-99-833543/2

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Kriminalität - Partnerin und Kinder getötet - Mädchen vergewaltigt. Der Partner steht nun vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft geht von einer grausigen weiteren Tat aus. In einem Haus nahe Sheffield werden die Leichen einer Frau und dreier Kinder entdeckt. (Politik, 26.11.2021 - 16:12) weiterlesen...

Prozesse - Nach Streit zugestochen: Fast fünf Jahre Haft. Aber für ein «völlig sinnloses Verbrechen» muss der Täter mehrere Jahre hinter Gitter. Ob das Maske-Tragen zum Eskalieren des Streits beigetragen hat, bleibt ungewiss. (Politik, 25.11.2021 - 19:14) weiterlesen...

Beim Joggen erschossen - Fall Ahmaud Arbery: Schuldsprüche im Mordprozess. Ein Video des brutalen Vorfalls hat international für Aufsehen gesorgt. Anfangs gab es noch nicht mal Festnahmen - jetzt aber einen klaren Schuldspruch. Im Februar 2020 ist Ahmaud Arbery beim Joggen erschossen worden. (Politik, 24.11.2021 - 20:58) weiterlesen...

Schleswig-Holstein - Tödlicher Messerstich auf 16-Jährigen - Jugendstrafe. Nun hat das Landgericht Flensburg sein Urteil verkündet. Ein 19-Jähriger ersticht in Flensburg einen drei Jahre jüngeren Jugendlichen - die Tat am Karfreitag löst tiefe Betroffenheit aus. (Politik, 24.11.2021 - 13:12) weiterlesen...

Pharma - Walmart, CVS und Walgreens: Wegen Opioid-Krise verurteilt. Das Verfahren gilt als wegweisend - der Druck auf Betreiber großer Apothekenketten wächst. Die US-Einzelhändler Walmart, CVS und Walgreens sind im Rahmen der Opioid-Krise schuldig gesprochen worden. (Wirtschaft, 24.11.2021 - 02:47) weiterlesen...

Prozess - Getöteter schwarzer Jogger Arbery - Beratung der Jury. Ahmaud Arbery war am 23. Februar vergangenen Jahres beim Joggen in Brunswick erschossen worden. Drei weiße Männer sind angeklagt. Sie warten auf ihr Urteil. Prozess - Getöteter schwarzer Jogger Arbery - Beratung der Jury (Politik, 23.11.2021 - 20:54) weiterlesen...