Energie, Regierung

Geschäfte und Sehenswürdigkeiten geschlossen, Polizei auf den Straßen, die Stimmung angespannt: Nach den Krawallen der letzten Wochenenden sehen die Pariser mit Sorge auf die für heute geplanten Proteste.

08.12.2018 - 05:02:05

Tausende Polizisten im Einsatz - Paris fürchtet neue Ausschreitungen bei «Gelbwesten»-Demos

  • Vorbereitung - Foto: Bertrand Combaldieu/AP

    Mit Holzplatten werden die Fenster einer Bank in der Nähe des Champs-Elysees in Paris gesichert. Foto: Bertrand Combaldieu/AP

  • Polizeifahrzeuge - Foto: Sabine Glaubitz

    Polizeifahrzeuge vor dem Pariser Museum Grand Palais. Foto: Sabine Glaubitz

Vorbereitung - Foto: Bertrand Combaldieu/APPolizeifahrzeuge - Foto: Sabine Glaubitz

Paris - Frankreichs Regierung befürchtet bei den für heute geplanten «Gelbwesten»-Protesten in Paris erneut Gewalt und Ausschreitungen. Die Protestbewegung hat in der Hauptstadt und im ganzen Land wieder zu Demonstrationen aufgerufen.

Mit einem massiven Aufgebot von Sicherheitskräften soll eine Eskalation verhindert werden. Allein in Paris sollen nach Angaben des Premierministers Édouard Philippe 8000 Polizisten und andere Ordnungskräfte eingesetzt werden; im ganzen Land 89.000. Viele Geschäfte und Sehenswürdigkeiten in der Hauptstadt bleiben geschlossen, Fußballspiele wurden verschoben.

Während in Frankreich die Anspannung vor dem Wochenende wuchs, sorgten Videoaufnahmen von einem früheren Polizeieinsatz für Empörung und Betroffenheit. In der Nähe von Paris waren am Donnerstag rund 150 Menschen festgenommen worden, vor allem Schüler, die in Mantes-la-Jolie protestiert hatten. Videos zeigen, wie Dutzende von ihnen in Reihen und unter der Aufsicht der Sicherheitskräfte auf dem Boden knieten oder hockten. Die Hände hielten sie am Kopf oder hinter dem Rücken. Polizeikreise bestätigten die Echtheit der Aufnahmen. Laut Nachrichtenagentur AFP waren am Donnerstag im ganzen Land rund 700 Schüler bei Protesten vorläufig festgenommen worden.

Es ist mittlerweile das vierte Wochenende, an dem die «Gilets Jaunes» (Gelbe Westen) protestieren. Zunächst wandten sie sich vehement gegen eine Erhöhung der Benzin- und Dieselsteuern - dieser Schritt wurde aber von der Regierung für das kommende Jahr ausgesetzt. Der Protest ist inzwischen viel breiter geworden und richtet sich gegen die Reformpolitik der Regierung und des Staatschefs Emmanuel Macron. Der 40-Jährige hielt sich in den Krisentagen merklich mit Äußerungen zurück und überließ Premier Philippe das Feld.

Innenminister Castaner bilanzierte, der Protest sei zunächst eher friedlich und spontan gewesen. Dann habe sich ein Teil der «Gelben Westen» aber radikalisiert. «Innerhalb der drei vergangenen Wochen konnten wir sehen, wie ein Monster geboren wurde, das seinen Schöpfern entflohen ist.»

Das Auswärtige Amt in Berlin riet Frankreich-Touristen zu einem umsichtigen Verhalten. Sie sollten Demonstrationen meiden und sich in Paris über Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr informieren.

@ dpa.de