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Konflikte, Anschlag

Für das islamische Opferfest einigten sich die Taliban und Afghanistans Regierung auf eine Waffenruhe.

31.07.2020 - 18:58:43

Anschläge - Blutige Stunden vor dreitägiger Waffenruhe in Afghanistan. Doch kurz zuvor werden viele Menschen bei einem Anschlag getötet, an der Grenze zu Pakistan gibt es einen Zwischenfall. Auch am Morgen bleibt es nicht ruhig.

  • Tote nach Anschlag auf Gedenkveranstaltung in Kabul - Foto: Rahmat Gul/AP/dpa

    Bei der Explosion einer Autobombe in der afghanischen Zentralprovinz Logar sind nach Angaben von Provinzräten mindestens 18 Menschen getötet worden. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa

  • Tote bei Bombenexplosion in Afghanistan - Foto: Ahmadi/XinHua/dpa

    Trotz einer Waffenruhe für das islamische Opferfest Eid al-Adha reißt die Gewalt in Afghanistan nicht ab. Foto: Ahmadi/XinHua/dpa

Tote nach Anschlag auf Gedenkveranstaltung in Kabul - Foto: Rahmat Gul/AP/dpaTote bei Bombenexplosion in Afghanistan - Foto: Ahmadi/XinHua/dpa

Kabul - Trotz einer Waffenruhe für das islamische Opferfest Eid al-Adha reißt die Gewalt in Afghanistan nicht ab.

Seit Mitternacht Kabuler Zeit gilt eine Feuerpause zwischen der afghanischen Regierung und den militant-islamistischen Taliban, doch nur wenige Stunden zuvor wurden nach Angaben von Provinzräten bei der Explosion einer Autobombe in der Zentralprovinz Logar mindestens 18 Menschen getötet. Dutzende weitere Menschen seien bei dem Anschlag auf einem belebten Platz in der Provinzhauptstadt «Irgendwann müssen wir auch den Schritt nach hinten antreten. Einen Schritt zurück von der Lagekarte, weil es dann auch an der Zeit ist, dass die Afghanen, die Regierung, die Gesellschaft dieses Problem aus eigener Kraft maßgeblich lösen muss.»

Der Afghanistankonflikt ist laut einem UN-Bericht immer noch einer der tödlichsten Konflikte für Zivilisten. Mehr als 1200 Zivilisten wurden demnach in der ersten Jahreshälfte 2020 in Afghanistan getötet. Seit Jahresbeginn flohen laut des UN-Nothilfebüros mehr als 100 000 Menschen innerhalb des Landes vor Gefechten aus ihren Dörfern.

Am Dienstag hatten sich die Taliban und Kabul auf die dreitägige Waffenruhe verständigt. Die Vereinten Nationen begrüßten die Ankündigung und forderten die Konfliktparteien auf, die Gelegenheit für einen Start des Friedensprozesses zu nutzen. Seit Monaten sind Friedensgespräche zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung geplant, doch der Konflikt im Land geht brutal weiter. Das Gewaltniveau im zweiten Jahresquartal liege «weit über historischen Normen», hieß es am Freitag in einem Bericht des US-Generalinspekteurs für den Wiederaufbau in Afghanistan (Sigar).

Streit zwischen Taliban und Kabul gab es vor allem um einen Gefangenentausch, der im Rahmen des Abkommens zwischen den USA und den Taliban am 29. Februar in Doha (Katar) vereinbart wurde. Das Abkommen sieht einen Abzug der internationalen Truppen vor. Im Gegenzug hatten die Taliban versichert, ihre Beziehungen mit anderen Terrorgruppen wie Al-Kaida zu beenden. Der Deal sollte auch den Weg für innerafghanische Friedensgespräche ebnen. Bis zu 5000 inhaftierte Taliban sollten im Tausch gegen 1000 von den Rebellen festgehaltene Gefangene freikommen.

Nur wenige Stunden vor der Autobombenattacke am Donnerstag hatten die Taliban verkündet, dass mehr als 1000 Gefangene auf freiem Fuß sind. Die afghanische Regierung ließ bisher 4600 Taliban frei.

Unterdessen sind Afghanistans Streitkräfte nach einem Zwischenfall mit vielen Toten und Verletzten an der Grenze zu Pakistan in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Am Donnerstag wurden in der Grenzstadt Spin Boldak laut afghanischem Verteidigungsministerium neun Zivilisten durch pakistanischen Beschuss getötet und 50 weitere Menschen verletzt. Hintergrund waren nach Angaben lokaler Behörden Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten, die gegen die Schließung des Grenzübergangs protestiert hatten.

Pakistan beschuldigte Afghanistan, zuerst das Feuer auf Zivilisten eröffnet zu haben, und sprach von Verlusten auf beiden Seiten. Über diplomatische und militärische Kanäle sei ein Ende der Gefechte erreicht worden, hieß es aus dem pakistanischen Außenministerium.

© dpa-infocom, dpa:200730-99-987640/9

@ dpa.de