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Terrorismus, Kriminalität

Fünf Menschen sterben, als ein Mann in der norwegischen Kleinstadt Kongsberg mit Pfeil und Bogen Jagd auf Menschen macht.

14.10.2021 - 18:38:08

Kongsberg - Bogenangriff in Norwegen: Polizei schließt Terror nicht aus. Der mutmaßliche Täter kann gefasst werden. Er stand bereits im Fokus der Behörden.

  • Spurensicherung - Foto: Terje Bendiksby/dpa

    Ein Ermittler der Spurensicherung verl?sst ein Geb?ude, dass nach der Gewalttat durch einen Polizisten gesichert wird. Foto: Terje Bendiksby/dpa

  • Gewalttat - Foto: Terje Bendiksby/NTB Scanpix/AP/dpa

    Ein Pfeil steckt in der Wand nach dem Angriff in Kongsberg. Foto: Terje Bendiksby/NTB Scanpix/AP/dpa

  • Polizeisiegel - Foto: Terje Bendiksby/NTB/dpa

    Polizeisiegel kleben nach der Gewalttat in Kongsberg an einer Haust?r. Foto: Terje Bendiksby/NTB/dpa

  • Polizeichef - Foto: Terje Pedersen/NTB/dpa

    Polizeichef Ole Bredrup S?verud bei einer Pressekonferenz zu den aktuellen Erkenntnissen nach der Gewalttat. Foto: Terje Pedersen/NTB/dpa

  • Kongsberg - Foto: Terje Bendiksby/NTB/dpa

    Eine Fahne weht in der norwegischen KLeinstadt auf Halbmast. Foto: Terje Bendiksby/NTB/dpa

  • Kongsberg - Foto: Terje Bendiksby/NTB/dpa

    Spurensuche in der N?he des Tatorts. Foto: Terje Bendiksby/NTB/dpa

Spurensicherung - Foto: Terje Bendiksby/dpaGewalttat - Foto: Terje Bendiksby/NTB Scanpix/AP/dpaPolizeisiegel - Foto: Terje Bendiksby/NTB/dpaPolizeichef - Foto: Terje Pedersen/NTB/dpaKongsberg - Foto: Terje Bendiksby/NTB/dpaKongsberg - Foto: Terje Bendiksby/NTB/dpa

Kongsberg - Nach der Gewalttat mit fünf Toten in der norwegischen Kleinstadt Kongsberg kann die Polizei einen terroristischen Hintergrund nicht ausschließen.

«Die Tat wirkt wie ein Terrorakt, aber wir kennen die Beweggründe des Täters nicht», sagte der Chef der Behörde, Hans Sverre Sjøvold. Der mutmaßliche Täter sei im Gesundheitswesen ein- und ausgegangen. Er betonte, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. Am Freitag soll er dem Haftrichter vorgeführt werden. Außerdem sollen Rechtspsychiater sich ein Bild von ihm machen.

Ein Mann hatte am Mittwochabend in der Innenstadt von Kongsberg zahlreiche Menschen mit mehreren Waffen, darunter auch Pfeil und Bogen, angegriffen. Bei seiner Flucht vor der Polizei verschaffte er sich auch Zugang zu Wohnungen. Fünf Menschen wurden getötet, vier Frauen und ein Mann. Nach Angaben der Polizei sind die Opfer im Alter zwischen 50 und 70 Jahren. Drei Menschen wurden verletzt, darunter auch ein Polizist, der in einem Supermarkt einkaufen war. Zunächst war von zwei Verletzten die Rede gewesen.

Umfassende Erklärung abgegeben

Festgenommen wurde ein 37-jähriger dänischer Staatsbürger, der aber in Norwegen lebt. Die Polizei bestätigte, der Verdächtige habe wegen Hinweisen auf eine Radikalisierung bereits im Fokus der Behörden gestanden. Die Hinweise deuteten an, dass er zum Islam konvertiert sei. Die Staatsanwältin teilte mit, dass der Mann eine umfassende Erklärung abgegeben habe. Er habe sein Tun auch begründet, doch man wolle die Details nicht der Öffentlichkeit mitteilen. Bislang wurde der Mann nicht konkret des Terrors beschuldigt.

Ein alter Jugendfreund des inhaftierten Mannes sagte in einem Interview mit der Internetzeitung «Nettavisen», er habe die Polizei bereits 2017 informiert, dass er seinen Freund für gefährlich halte. Norwegische Medien berichteten über Youtube-Videos, in denen ein Mann, bei dem es sich um den Verdächtigen handeln soll, sich als Muslim bezeichnet und eine Handlung angekündigt. Ein Sprecher des Sicherheitsdienstes sagte, er kenne das Video nicht und könne auch nicht bestätigen, dass es sich um den Inhaftierten handelt. Es sei aber sehr wahrscheinlich.

Einem Bericht der norwegischen Nachrichtenagentur NTB zufolge wurde der Däne bereits zweimal verurteilt. Er soll unter anderem Familienmitgliedern gedroht haben, sie umzubringen.

Große Anteilnahme

Der Polizei war am Mittwoch um 18.13 Uhr von mehreren Personen gemeldet worden, dass sich ein Bewaffneter durch die Stadt bewege und mit Pfeil und Bogen auf Menschen schieße. Nur fünf Minuten später wurde er von einer Polizeipatrouille gesichtet. Die Beamten wurden jedoch mit Pfeilen beschossen und der Mann konnte fliehen. Polizeisprecher Ole Bredrup Sæverud sagte am Donnerstag, es sei wahrscheinlich, dass die Opfer erst danach getötet wurden. Der Angreifer konnte nach Polizeiangaben rund eine halbe Stunde nach dem ersten Notruf festgenommen werden.

Der Vorfall ereignete sich am Vorabend des Regierungsantritts des neuen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre. Der Sozialdemokrat bezeichnete die Tat bei seiner Amtsübernahme am Donnerstag als schrecklich. «Es ist schockierend, daran zu denken, was die Menschen erlebt haben, und ich fühle mit allen Betroffenen, mit denen, die sich unsicher fühlen und mit denen, die darüber informiert wurden, dass sie ihre Lieben verloren haben.»

Reaktionen kamen auch aus dem Ausland. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb an den Norwegischen König Harald V.: «Meine aufrichtige Anteilnahme gilt den Angehörigen und Freunden der Opfer. Ich hoffe inständig, dass die Verletzten schnell und vollständig genesen. Es betrübt mich, dass Norwegen zehn Jahre nach dem schrecklichen Terroranschlag in Utøya und Oslo erneut von Gewalt heimgesucht wird.» Deutschland stehe an der Seite von Norwegen um die Demokratie gegen Gewalt und Hass zu verteidigen.

Auch der deutsche Außenminister Heiko Maas und die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen drückten unter anderem ihr Mitgefühl für die Opfer aus. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, der bis 2013 norwegischer Ministerpräsident war, twitterte: «Schockierende Nachrichten aus Kongsberg. [...] Wir müssen im Kampf gegen Hass und Gewalt zusammenstehen.»

Der Vorfall weckt schlimme Erinnerungen: In diesem Sommer war es zehn Jahre her, dass der Terrorist Anders Behring Breivik im Regierungsviertel von Oslo eine Bombe zündete und anschließend auf der Insel Utøya Jugendliche regelrecht hinrichtete. 77 Menschen verloren ihr Leben. 2019 hatte ein junger Norweger eine Moschee in Bærum bei Oslo gestürmt, konnte jedoch überwältigt werden.

© dpa-infocom, dpa:211014-99-589248/17

@ dpa.de

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