Konflikte, Atom

Freundliche Worte, höfliche Gesten, zur Schau gestellter Optimismus.

12.06.2018 - 06:58:06

Treffen in Singapur - Trump und Kim unterzeichnen Vereinbarung. Der Gipfel zwischen US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber scheint oberflächlich gut zu laufen.

  • Handschlag - Foto: Host Broadcaster Mediacorp Pte Ltd Pool

    Donald Trump und Kim Jong Un bei ihrem ersten Treffen. Foto: Host Broadcaster Mediacorp Pte Ltd Pool

  • Gipfeltreffen in Singapur - Foto: kyodo

    Kim Jong Un kurz vor dem Treffen mit dem US-Präsidenten. Foto: kyodo

  • Historischer Handschlag - Foto: Evan Vucci/AP

    US-Präsident Donald Trump und Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea, zu Beginn ihres Treffens in Singapur. Foto: Evan Vucci/AP

  • TV-Übertragung - Foto: YNA

    In einem Bahnhof der südkoreanischen Hauptstadt Seoul verfolgen Menschen das im Fernsehen übertragene Treffen in Singapur. Foto: YNA

  • Gipfeltreffen - Foto: YNA

    Dem Treffen in Singapur war ein langes diplomatisches Ringen vorausgegangen. Foto: YNA

  • Treffen in Singapur - Foto: Kevin Lim/The Straits Times

    Kim Jong Un und Donald Trump bei ihrem ersten Zusammentreffen. Foto: Kevin Lim/The Straits Times

  • Neuanfang - Foto: Xinhua/Ministry of Communication and Information of Singapore

    Donald Trump und Kim Jong Un beginnen mit der zweiten Runde ihrer Gespräche auf der Insel Sentosa. Foto: Xinhua/Ministry of Communication and Information of Singapore

Handschlag - Foto: Host Broadcaster Mediacorp Pte Ltd PoolGipfeltreffen in Singapur - Foto: kyodoHistorischer Handschlag - Foto: Evan Vucci/APTV-Übertragung - Foto: YNAGipfeltreffen - Foto: YNATreffen in Singapur - Foto: Kevin Lim/The Straits TimesNeuanfang - Foto: Xinhua/Ministry of Communication and Information of Singapore

«Alte Praktiken und Vorurteile haben gegen uns gearbeitet. Aber wir haben sie alle überwunden. Und jetzt sind wir hier», sagte Kim vor laufenden Kameras, als sie sich zu einer persönlichen Unterredung in der Bücherei des Hotels niederließen.

Auch Trump äußerte sich positiv. «Ich fühle mich wirklich gut, wir werden ein gutes Gespräch haben», sagte Trump. «Wir werden ein großartiges Verhältnis haben, kein Zweifel.» Auch zeigte der US-Präsident in der ihm eigenen Art mit dem Daumen nach oben. «Wir werden ungemein erfolgreich sein.» Nordkoreas Machthaber reagierte nicht auf mehrere zugerufene Fragen, ob er tatsächlich atomar abrüsten wolle.

Trump und Kim hatten sich zuvor vor jeweils sechs Flaggen der USA und Nordkoreas in dem Kolonialbau den Kameras gestellt. Beide Politiker wirkten dabei ernst und angespannt, doch fasste Trump seinem Gegenüber freundschaftlich zwei Mal kurz an die Schulter. Bereits der Auftakt hatte für Nordkorea immensen symbolischen Wert. Er signalisierte, mit der Supermacht USA auf gleicher Augenhöhe zu stehen.

Nach der ersten Unterredung über 38 Minuten kamen beide in größerer Runde auch mit den Außenministern Mike Pompeo, Stabschef John Kelly und Sicherheitsberater John Bolton zusammen. «Es liegen Herausforderungen vor uns, doch wir werden mit Trump zusammenarbeiten», sagte Kim vor dem Treffen. «Wir haben alle Arten der Skepsis und Spekulationen um diesen Gipfel überwunden, und ich glaube, das ist gut für den Frieden.»

Auf nordkoreanischer Seite nahmen der berüchtigte frühere Geheimdienstchef und einflussreiche Berater General Kim Yong Chol sowie Außenminister Ri Yong Ho an den Beratungen teil. Anschließend kamen beide Delegationen zu einem Arbeitsessen zusammen. Für den Nachmittag waren ursprünglich keine weiteren Gespräche mehr geplant.

Ob eine grundsätzliche Einigung auf die atomare Abrüstung Nordkoreas oder zumindest auf einen Fahrplan für den weiteren Prozess gefunden werden kann, blieb bislang unklar. Unterhändler hatten bis zuletzt um mögliche Vereinbarungen gerungen. Der erste Gipfel beider Länder wird von großen Hoffnungen begleitet. Der Streit um Nordkoreas Atomwaffenprogramm ist einer der gefährlichsten Konflikte der Welt. Kim gibt vor, dass seine Raketen mit Atomsprengköpfen das US-Festland treffen können.

In einem wütenden Tweet wies Trump am frühen Morgen seine Kritiker zurecht. «Wir haben unsere Geiseln (zurück), die Tests, die Forschung und alle Raketenabschüsse sind gestoppt», schrieb Trump. «Und diese Experten, die mir von Anfang an Fehler vorwarfen, haben nichts anderes zu sagen», fuhr er fort. «Wir werden okay sein.» Mit dem Hinweis auf die Geiseln bezog sich Trump auf drei US-Bürger, die im Mai aus der Haft in Nordkorea freigelassen worden waren.

In US-Medien waren zuvor Zweifel aufgekommen, ob die USA bei dem Gipfel mit Kim entscheidende Fortschritte erzielen können. So wurde spekuliert, die USA könnten bei den Nordkoreanern gegen eine Wand laufen. Trump hatte erklärt, er werde bereits am Dienstagabend wieder nach Hause fliegen. In früheren Planungen war von Mittwoch die Rede gewesen.

«Eine vollständige, überprüfbare und unumkehrbare Denuklearisierung auf der koreanischen Halbinsel ist das einzige Ergebnis, das die USA akzeptieren werden», gab Außenminister Pompeo als Messlatte vor. «Wenn sich die Diplomatie nicht in die richtige Richtung bewegt, werden die Sanktionen verschärft.» Nach dem Eklat am Wochenende auf dem Gipfel der sieben großen Industrienationen (G7) in Kanada stand Trump zusätzlich unter Druck, einen Erfolg vorzuweisen.

Nie zuvor ist ein amtierender amerikanischer Präsident mit einem Führer des isolierten Landes zusammengetroffen. Das Treffen ist schon deswegen heftig umstritten, weil Kim sein Land diktatorisch regiert, massiv gegen Menschenrechte verstößt und nach Schätzungen der US-Regierung 80 000 bis 120 000 Menschen in teils schlimmen Verhältnissen in Arbeitslagern gefangen hält.

65 Jahre nach Ende des Koreakrieges und 70 Jahre nach Gründung Nordkoreas streben beide Seiten als Grundlage für die atomare Abrüstung auch eine Friedenslösung an. Damals wurde nur ein Waffenstillstandsabkommen besiegelt. Insbesondere Nordkorea wünscht sich vertragliche Vereinbarungen, dass die Führung in Pjöngjang nicht durch einen Angriff gestürzt wird.

Nordkoreas Machthaber sucht außer starken Sicherheitsgarantien eine Aufhebung der scharfen Sanktionen, die die Vereinten Nationen und auch die USA auch einseitig als Reaktion auf seine Atom- und Raketentests verhängt haben. In einem Entgegenkommen hatte Kim im April einen Atom- und Raketenteststopp erklärt und verkündet, sich künftig auf die Wirtschaftsentwicklung konzentrieren zu wollen.

Politisch will Nordkorea diplomatische Beziehungen zu den USA. Auf dem Gipfel könnte eventuell verkündet werden, dass die USA als ersten Schritt zunächst eine Vertretung in Pjöngjang einrichten könnte. Da der Kriegszustand seit dem Ende des Koreakrieges 1953 völkerrechtlich nie beendet wurde, wäre ein Friedensvertrag nötig, um die Sicherheitsbedürfnisse zu befriedigen. Nordkorea schlägt zur Lösung des Atomkonflikts ein «synchrones» und «phasenweises» Vorgehen vor.

Den USA geht es auch darum, dass Pjöngjang seine Langstreckenraketen sowie jene Raketen mit kürzerer Reichweite beseitigt, die zwar nicht die USA, aber Südkorea oder Nachbarn wie Japan treffen können.

@ dpa.de

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