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Gesellschaft, Frauen

Frauen verdienen meist weniger, sind schlechter abgesichert und sind stärker als Männer unbezahlt in Fürsorge und Pflege von Angehörigen eingespannt.

14.06.2019 - 16:32:06

Zehntausende auf der Straße - Frauen streiken in der Schweiz für mehr Gleichberechtigung. Mit einem Frauenstreik machen Tausende Schweizerinnen jetzt Druck - und färben die Straßen violett.

  • Gleichberechtigung - Foto: Walter Bieri/KEYSTONE

    Tausende Frauen demonstrieren in der Schweiz für mehr Gleichberechtigung. Foto: Walter Bieri/KEYSTONE

  • Streik für mehr Gleichberechtigung - Foto: Alexandra Wey/Keystone

    Tausende Frauen demonstrieren bei dem Streik für mehr Gleichberechtigung - vor allem gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Foto: Alexandra Wey/Keystone

  • Tamponsteuer - Foto: Peter Klaunzer/Keystone

    Protest mit einem Riesentampon vor dem Bundeshaus: die Frauen fordern eine geringere Besteuerung von Damenhygieneartikeln. Foto: Peter Klaunzer/Keystone

  • Frauenstreik - Foto: Melanie Duchene/Keystone

    Mitarbeiterinnen einer Kita haben ihre Arbeit niedergelegt und nehmen am Streik für mehr Gleichberechtigung tei. Foto: Melanie Duchene/Keystone

  • Bauchfrei - Foto: Alexandra Wey/Keystone

    Eine Frau zeigt ihren Bauch mit der Aufschrift «I gave life» («Ich habe Leben gegeben»). Foto: Alexandra Wey/Keystone

  • Politikerin mit Boxhandschuhen - Foto: SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen (r.) nimmt mit Boxhandschuhen an dem Streik teil. Foto: Peter Klaunzer/Keystone

    SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen (r.) nimmt mit Boxhandschuhen an dem Streik teil. Foto: Peter Klaunzer/Keystone

Gleichberechtigung - Foto: Walter Bieri/KEYSTONEStreik für mehr Gleichberechtigung - Foto: Alexandra Wey/KeystoneTamponsteuer - Foto: Peter Klaunzer/KeystoneFrauenstreik - Foto: Melanie Duchene/KeystoneBauchfrei - Foto: Alexandra Wey/KeystonePolitikerin mit Boxhandschuhen - Foto: SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen (r.) nimmt mit Boxhandschuhen an dem Streik teil. Foto: Peter Klaunzer/Keystone

Bern - Mit einem Frauenstreik im ganzen Land haben Zehntausende Schweizerinnen am Freitag für mehr Gleichberechtigung demonstriert. Sie forderten vor allem gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.

In vielen Städten und Ortschaften hatten Gewerkschafterinnen, Unternehmerinnen und Politikerinnen Märsche und Kundgebungen organisiert. Allein in Bern beteiligten sich bis zum Mittag rund 10.000 Menschen an den Protesten.

Auf dem Berner Bundesplatz verschafften sich die Frauen mit Pfannendeckeln, Hörnern, Trillerpfeifen und Rasseln Gehör. Gegen Mittag legten die Demonstranten den Verkehr rund um den Züricher Hauptbahnhof zwischenzeitlich lahm. In Luzern kam es zu einem Sitzstreik.

Wie das Schweizer Fernsehen berichtete, hatten bereits in der Nacht Frauen mit Pfannenkonzerten und Autocorsos den Streiktag eingeläutet. Am Morgen wurde dem Parlament eine Petition mit 11 000 Unterschriften für eine geringere Besteuerung von Tampons überreicht. Um 11.00 Uhr legten dann viele Frauen kurzzeitig die Arbeit nieder, auch die Sitzung des Nationalrats wurde unterbrochen.

Die Gewerkschaft hatte zudem dazu aufgerufen, um 15.24 Uhr in den Feierabend zu gehen - nach ihrer Rechnung arbeiten die Frauen ab dann, ohne dafür bezahlt zu werden. Frauen verdienen in der Schweiz im Durchschnitt 6491 Franken (5770 Euro) brutto im Monat - das sind 18,3 Prozent weniger als Männer, wie das Bundesamt für Statistik 2016 errechnet hat.

Die Gewerkschaften forderten in einem Manifest neben Lohngleichheit eine Anerkennung und gerechte Verteilung von Haus- und Pflegearbeit. Eine weitere Forderung war eine generelle Verringerung der Arbeitszeit, damit bezahlte und unbezahlte Arbeit besser verteilt werden kann. Abtreibungen und Empfängnisverhütung sollte es nach Ansicht der Gewerkschaften zum Nulltarif geben.

Die Gleichberechtigung steht seit dem 14. Juni 1981 in der Schweizer Verfassung. Da es bei der Umsetzung haperte, wurde 1991 ein erster Frauenstreik organisiert. Damals gingen nach Angaben des Sozialarchivs hunderttausende Frauen auf die Straßen.

Vor dem Aktionstag gab es in der Schweiz wochenlange Diskussionen über die Situation der Frau. Unternehmerinnen hatten sich beschwert, dass die Gewerkschaften den Tag für sich in Anspruch nehmen wollten. Die konservative Wochenzeitung «Weltwoche» argumentierte, Frauen gehe es bestens, schließlich brauchten sie nicht zum Militär. Eine Journalistin schrieb dort: «Statt frei will man heute Opfer sein». Die Verbraucherzeitschrift «Beobachter» kam demonstrativ einmal als «Beobachterin» heraus.

@ dpa.de