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KriminalitÀt, Terrorismus

Frankreich hat sich noch nicht von dem Schock ĂŒber den Mord am Lehrer Samuel Paty erholt - da schlĂ€gt schon wieder ein Angreifer auf brutale Weise zu.

29.10.2020 - 18:34:11

Höchste Terrorstufe - Drei Tote in Nizza bei Messerangriff in Kirche. Drei Menschen verlieren in SĂŒdfrankreich ihr Leben - PrĂ€sident Macron findet deutliche Worte.

  • Messerattacke in Nizza - Foto: Eric Gaillard/Pool Reuters/AP/dpa

    Emmanuel Macron, Pr?sident von Frankreich, spricht nach der Messerattacke in der Kirche Notre-Dame in Nizza zu Medienvertretern. Foto: Eric Gaillard/Pool Reuters/AP/dpa

  • Messerattacke in Nizza - Foto: Eric Gaillard/Pool Reuters/dpa

    Emmanuel Macron (M, link), Pr?sident von Frankreich, und Christian Estrosi (M, rechts), B?rgermeister von Nizza, treffen sich nach der Messerattacke in der Kirche Notre-Dame. Foto: Eric Gaillard/Pool Reuters/dpa

  • Messerattacke in Nizza - Foto: Valery Hache/AFP/dpa

    Polizisten der Eliteeinheit Raid treffen ein, um die Kirche Notre-Dame nach einem Messerangriff zu durchsuchen. Foto: Valery Hache/AFP/dpa

  • Messerattacke in Nizza - Foto: Valery Hache/AFP/dpa

    Franz?sische Gerichtsmediziner treffen am Ort eines Messerangriffs in Nizza ein. Foto: Valery Hache/AFP/dpa

Messerattacke in Nizza - Foto: Eric Gaillard/Pool Reuters/AP/dpaMesserattacke in Nizza - Foto: Eric Gaillard/Pool Reuters/dpaMesserattacke in Nizza - Foto: Valery Hache/AFP/dpaMesserattacke in Nizza - Foto: Valery Hache/AFP/dpa

Paris - Schon wieder Grauen und Entsetzen in Frankreich: Bei einer brutalen Messerattacke in einer Kirche in der sĂŒdfranzösischen Metropole Nizza sind mindestens drei Menschen getötet worden.

Mehrere weitere wurden bei dem Angriff verletzt, der mutmaßliche TĂ€ter wurde festgenommen. Frankreich rief die höchste Terrorwarnstufe aus,

PrÀsident Emmanuel Macron sprach von einem «islamistischen Terroranschlag». Frankreich sei angegriffen worden, sagte der Staatschef in Nizza. Es ist die dritte Attacke in Frankreich innerhalb weniger Wochen.

Der Angriff ereignete sich laut Medien gegen 9.00 Uhr morgens in der Kirche Notre-Dame mitten in der Einkaufsstraße von Nizza. Zwei Menschen seien innerhalb der Kirche «auf schreckliche Weise» getötet worden, sagte Nizzas BĂŒrgermeister Christian Estrosi. Die Art und Weise erinnere an den Tod des vor zwei Wochen ermordeten Lehrers Samuel Paty, erklĂ€rte Estrosi weiter, ohne Details zu nennen.

Paty war in der NĂ€he seiner Schule in einem Pariser Vorort enthauptet worden. Mindestens einem der Opfer in Nizza sei die Kehle durchgeschnitten worden, sagte Éric de Moulins-Beaufort, Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz, der französischen Nachrichtenagentur AFP. Unter den Todesopfern ist demnach auch der 45-jĂ€hrige KĂŒster der Basilika. Eine Frau habe sich noch in ein nahe gelegenes CafĂ© flĂŒchten können und sei dort schließlich gestorben, sagte BĂŒrgemeister Estrosi. Premierminister Jean Castex bestĂ€tigte, dass drei Menschen bei der Tat getötet wurden.

Estrosi zufolge rief der AttentĂ€ter «Allahu akbar» («Gott ist groĂŸÂ»). Nach dpa-Informationen handelt es sich um einen Mann, der 1999 in Tunesien geboren ist. Der Pariser Abgeordnete Éric Ciotti aus der Region erklĂ€rte, der mutmaßliche TĂ€ter sei erst vor kurzem ĂŒber die italienische Insel Lampedusa nach Europa gekommen. Die Ermittler hatten sich bis zum frĂŒhen Abend noch nicht zum TĂ€ter und zum Tathergang geĂ€ußert.

Castex sprach von einer «niedertrĂ€chtigen» und «barbarischen» Attacke und kĂŒndigte eine entschlossene Antwort der Regierung an. Es sei die Stufe «Urgence Attentat» des Anti-Terror-Alarmplans «Vigipirate» ausgerufen worden, sagte er in der Pariser Nationalversammlung. Diese Warnstufe ermöglicht die außergewöhnliche Mobilisierung von Ressourcen im Kampf gegen den Terror.

Macron kĂŒndigte einen verstĂ€rkten Schutz von Kirchen und Schulen an. Der schon lĂ€nger laufende inlĂ€ndische Anti-Terroreinsatz «Sentinelle» des MilitĂ€rs solle von bisher 3000 auf nun 7000 Soldaten aufgestockt werden. «Heute steht die ganze Nation hinter unseren katholischen MitbĂŒrgern», sagte Macron in der NĂ€he des Tatorts. Man dĂŒrfe nicht dem Geist der Spaltung nachgeben.

Der 42-JĂ€hrige war am Nachmittag in die sĂŒdfranzösische Metropole gereist und tauschte sich dort unter anderem mit SicherkrĂ€ften aus. In zahlreichen Kirchen im Land lĂ€uteten nach der brutalen Attacke am Nachmittag um Punkt 15.00 Uhr die Glocken. Die Anti-Terrorstaatsanwaltschaft ĂŒbernahm in dem Fall die Ermittlungen. Sie ermittelt unter anderem wegen Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben.

Erst vor zwei Wochen hatte die brutale Ermordung des Lehrers Paty im ganzen Land riesiges Entsetzen ausgelöst. Das Motiv des 18-jÀhrigen Angreifers war den Ermittlern zufolge, dass Paty in einer Unterrichtsstunde zum Thema Meinungsfreiheit Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte.

Ende September hatte ein junger Mann vor den ehemaligen RedaktionsrÀumen des Satireblatts «Charlie Hebdo» zwei Menschen mit einem Messer verletzt. Das Magazin hatte zu Beginn des Prozesses rund um die brutale Terrorserie 2015, bei der auch zahlreiche Zeichner des Blattes ermordet wurden, erneut Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. Auch hier gab der Angreifer die Karikaturen als Motiv an.

Macron hatte nach der Attacke gegen Paty die Meinungsfreiheit und die Veröffentlichung auch religionskritischer Karikaturen verteidigt. Der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan sprach daraufhin von einer «Lynchkampagne» gegen Muslime in Europa und rief zum Boykott französischer Waren auf.

In Frankreich kam es noch zu weiteren VorfĂ€llen, ein Zusammenhang zur Attacke in Nizza konnte aber zunĂ€chst nicht bestĂ€tigt werden. Die Polizei tötete im sĂŒdfranzösischen Avignon einen mutmaßlichen Angreifer, der Passanten mit einer Waffe bedroht haben soll. Es gab Polizeikreisen zufolge vorerst keine Hinweise auf einen Terrorhintergrund. AFP berichtete, dass der Mann psychische Probleme gehabt haben solle. In Lyon wurde ein mit einem Messer bewaffneter Mann festgenommen. Niemand wurde verletzt, der Mann sei Sicherheitskreisen bekannt gewesen.

Am französischen Konsulat in Dschidda in Saudi-Arabien wurde außerdem ein Sicherheitsbeamter angegriffen und leicht verletzt. Der TĂ€ter wurde festgenommen. Die genauen HintergrĂŒnde der Tat blieben zunĂ€chst unklar. Die französische Botschaft in Riad sprach in einer Mitteilung von einer «Messerattacke». Franzosen in Saudi-Arabien wurden zugleich zu «höchster Wachsamkeit» aufgerufen.

Weltweit war die Anteilnahme nach der mörderischen Attacke groß. Saudi-Arabien verurteilte den Angriff der staatlichen Nachrichtenagentur SPA zufolge mit klaren Worten. «Solche extremistischen Taten stehen im Widerspruch zu allen Religionen und allem menschlichen Glauben», teilte das Außenministerium demnach mit. Zugleich sei wichtig, solche «Verhaltensweisen» abzulehnen, die zu Hass, Gewalt und Extremismus fĂŒhren, teilte das Ministerium mit, ohne konkreter zu werden.

Die Spitzen der EU-Institutionen sicherten Frankreich ihre SolidaritĂ€t zu. Ganz Europa sei solidarisch mit dem Land, schrieb etw EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen auf Twitter. Auch Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin brachte sein «tiefes MitgefĂŒhl» zum Ausdruck. Papst Franziskus bekundete seine NĂ€he und sein MitgefĂŒhl mit den Trauernden. UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres nannte die Attacke «abscheulich». US-PrĂ€sident Trump schrieb auf Twitter, die USA stĂŒnden Frankreich «in diesem Kampf» zur Seite. BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Tat als einen «Akt abscheulicher Gewalt» und betonte: «Der Gewalt und den islamistischen Motiven, die offenbar hinter ihr stehen, mĂŒssen wir mit aller Entschiedenheit entgegentreten.»

Nizza wurde bereits 2016 von einem Terroranschlag erschĂŒttert, dabei starben 86 Menschen. Frankreich wird seit Jahren von einer islamistischen Terrorwelle heimgesucht.

© dpa-infocom, dpa:201029-99-127159/15

@ dpa.de