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Kriminalität, Geiseln

Fast einen ganzen Tag lang hat ein Mann in der Ukraine mehrere Menschen in einem Bus in seiner Gewalt.

21.07.2020 - 21:54:11

Polizei stürmt Linienbus - Geiselnahme in der Ukraine endet ohne Tote. Er stellt seltsame Forderungen an die Staatsspitze, worauf Präsident Selenskyj sogar eingeht. Dann endet das Geiseldrama abrupt.

  • Straßensperrung - Foto: Uncredited/AP/dpa

    Sicherheitskräfte sind bereits am Ort des Geschehens eingetroffen. Ein gepanzertes Sicherheitsfahrzeug sperrt eine Straße ab. Foto: Uncredited/AP/dpa

  • Mann nimmt Geiseln in Linienbus - Foto: -/Ukrinform/dpa

    In der westukrainischen Großstadt Luzk hat ein schwer bewaffneter Mann mindestens zehn Menschen in einem Linienbus als Geiseln genommen. Foto: -/Ukrinform/dpa

  • Geiselnahme - Foto: -/Ukrinform/dpa

    Ein Rettungswagen und Einsatzauto der Polizei stehen am Tatort einer Geiselnahme. Foto: -/Ukrinform/dpa

Straßensperrung - Foto: Uncredited/AP/dpaMann nimmt Geiseln in Linienbus - Foto: -/Ukrinform/dpaGeiselnahme - Foto: -/Ukrinform/dpa

Luzk - In der westukrainischen Großstadt Luzk ist eine stundenlange Geiselnahme in einem Linienbus ohne Tote beendet worden.

Der Täter sei festgenommen worden und alle Geiseln seien unverletzt und wieder frei, bestätigte Innenminister Arsen Awakow am Dienstagabend in Luzk. Die Polizisten hatten den Bus gestürmt. Der Täter ist Behörden zufolge 44 Jahre alt und vorbestraft.

Bei der Beendigung der Geiselnahme war auch ein Schützenpanzer im Einsatz. Außerdem wurde eine Blendgranate gezündet. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach zuvor persönlich mit dem Geiselnehmer und erfüllte eine seiner Forderungen. Dem Täter drohen wegen Terrorismus und Geiselnahme bis zu 15 Jahre Haft.

Der Mann hatte am Dienstagmorgen 13 Menschen in dem Überlandbus in der Stadt im Westen der Ex-Sowjetrepublik in seine Gewalt gebracht. Er hatte ein Sturmgewehr, eine Pistole und Handgranaten bei sich. Am Vormittag verständigte der Mann sogar selbst den Polizeinotruf und informierte die Beamten über die Geiselnahme. Mit einem Sturmgewehr zerschoss er zwei Fenster des Busses.

Präsident Selenskyj veröffentlichte nach einem Telefonat mit dem Geiselnehmer am Abend auf Facebook ein nur wenige Sekunden dauerndes Video. Darin fordert er die Menschen auf, die amerikanische Dokumentation «Earthlings» über Tierschutz aus dem Jahr 2005 anzuschauen. Das soll der Täter, der sich wohl für Tierrechte einsetzt, von Selenskyj gefordert haben.

Das Video wurde nach der Freilassung wieder von der Seite gelöscht. Beobachter befürchten, dass Selenskyj, der erst seit einem Jahr im Amt ist, mit dem Eingehen auf die Forderung Trittbrettfahrer zum Nachahmen ermutigen könnte.

Der Geiselnehmer forderte zudem, dass unter anderem Vertreter von Kirche und Staat wie Ex-Präsident Petro Poroschenko und Innenminister Awakow sich öffentlich als «Terroristen» bezeichnen. Darauf wurde jedoch nicht eingegangen. Selenskyj selbst hatte im Laufe der Verhandlungen betont, auf jeden Fall Opfer vermeiden zu wollen. «Wir haben niemanden verloren. Heute können Verwandte und Nahestehende alle umarmen, die den Tag im Bus im Fadenkreuz verbracht haben», schrieb er bei Facebook.

Der Mann hatte zunächst nur drei Menschen, einen Jugendlichen und zwei Frauen, freigelassen. Sie stiegen aus dem Bus und wurden dann von einem Polizisten weggeleitet. Dann begannen die Polizisten nach rund zwölf Stunden, den Bus zu stürmen.

Über den Täter in Luzk gibt es bislang kaum gesicherte Informationen. Der Mann soll den Behörden bekannt sein. Während mehrjähriger Gefängnisstrafen soll der in Russland geborene 44-Jährige Medienberichten zufolge ein Buch mit dem Titel «Philosophie eines Verbrechers» geschrieben haben. Er sei zudem in psychiatrischer Behandlung gewesen, hieß es. Awakow dementierte diese Information jedoch am Nachmittag.

Die Geiselnahme hielt das Land den ganzen Tag in Atem, auch weil der Geiselnehmer damit gedroht hatte, Sprengsätze an belebten Orten aus der Ferne zünden zu wollen.

In der Hauptstadt Kiew war die Polizei verstärkt unterwegs, die Einsatzkräfte patrouillierten mit Sturmgewehr in den Straßen der Drei-Millionen-Einwohner-Metropole. In Kiew waren mehrere Drohanrufe eingegangen und ein verdächtiger Gegenstand wurde gefunden. Sprengstoffexperten entschärften den Gegenstand vorsorglich, der in einer Schachtel versteckt war. Vergangene Woche war bei der Explosion in einem Mülleimer an einer Metrostation mindestens ein junger Mann verletzt worden.

© dpa-infocom, dpa:200721-99-872121/13

@ dpa.de