Agrar, Umwelt

Experten finden Spuren eines umstrittenen Unkraufvernichtungsmittels in Speiseeis.

10.10.2017 - 16:44:05

Wissenschaftler warnen - Glyphosat in Speiseeis - Unilever nennt Ware «sicher». Forscher warnen vor dem Stoff.

  • Glyphosat - Foto: Jens Büttner

    Wissenschaftler haben Spuren von Glyphosat in Speiseeis gefunden. Foto: Jens Büttner

  • Glyphosat-Austrag - Foto: Steven Lüdtke/Forum Moderne Landwirtschaft

    Glyphosat dient zur Unkrautbekämpfung in der Landwirtschaft. Foto: Steven Lüdtke/Forum Moderne Landwirtschaft

  • Protest gegen Glyphosat - Foto: Axel Heimken/Archiv

    Demonstranten protestieren in Hamburg gegen den Einsatz von Glyphosat. Foto: Axel Heimken/Archiv

  • Vor dem Bundestag - Foto: Rainer Jensen

    Protestaktion vor dem Bundestag: Glyphosat ist umstritten. Foto: Rainer Jensen

Glyphosat - Foto: Jens BüttnerGlyphosat-Austrag - Foto: Steven Lüdtke/Forum Moderne LandwirtschaftProtest gegen Glyphosat - Foto: Axel Heimken/ArchivVor dem Bundestag - Foto: Rainer Jensen

Brüssel - Spuren des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat haben Wissenschaftler in Speiseeis-Proben aus Deutschland und drei weiteren europäischen Ländern gefunden.

«Untersuchungen aus Frankreich und Großbritannien weisen darauf hin, dass der Glyphosatgehalt aus den meisten Proben von «Ben and Jerry's» Eiscreme wahrscheinlich ein Gesundheitsrisiko darstellt», sagte der Forscher Gilles-Eric Séralini in Brüssel. Er stellte seine Forschungsergebnisse dort auf einer Pressekonferenz der Grünen im Europäischen Parlament vor.

Der US-Wissenschaftler John Fagan sagte, in 13 von 14 untersuchten Eisproben habe man Glyphosat in einer Konzentration von bis zu 1,23 Nanogramm pro Milliliter gefunden. Fagan untersuchte «Ben and Jerry's» Eis aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden. Parallel getestete Bio-Eiscreme habe kein Glyphosat enthalten, sagte er. Der Hersteller Unilever betonte, die nachgewiesenen Glyphosatspuren lägen deutlich unter allen Grenzwerten, die in den USA und Europa gälten.

«Unsere Produkte sind sicher und können bedenkenlos verzehrt werden», erklärte Unilever weiter. Glyphosat werde weltweit in der Landwirtschaft eingesetzt und sei in nahezu allen Lebensmitteln zu finden, sogar im Regenwasser. Aktuelle Testmethoden seien so detailliert, dass sich selbst die kleinsten Mengen im Labor feststellen ließen. Der Konzern kaufe für das Eis Fair-Trade-Produkte ein und unterstütze eine nachhaltige Landwirtschaft: «Wir wissen aber auch, dass es noch viel zu tun gibt.»

Der Forscher Séralini meinte, die offiziellen Grenzwerte seien überholt: Auch Glyphosatwerte, die zehnmal unter den festgestellten Konzentrationen lagen, hätten in Versuchen bei regelmäßigem Verzehr ernste Leber- und Nierenerkrankungen ausgelöst.

Verbraucherschützer sagten bei der Pressekonferenz, die Substanz sei vermutlich über die Milch konventionell gehaltener Kühe in die Eiscreme gelangt. Auch das Getreide der Kekse in dem Eis könne das Unkrautvernichtungsmittel enthalten. Séralini ergänzte, Glyphosat könne auch Wasser verseuchen.

@ dpa.de

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