Conference League, 1. FC Köln

Euro-Party statt Blamage am Balaton: Köln in Gruppenphase

25.08.2022 - 20:57:33

Euro-Party statt Blamage am Balaton: Köln in Gruppenphase. Der 1. FC Köln schafft doch noch den Einzug in der Conference League. Nach dem 1:2 im Hinspiel siegt das Team von Steffen Baumgart in Ungarn mit 3:0.

Steffen Baumgart stürmte die Tribüne hinunter, umarmte jeden seiner Spieler und war bei der großen Europacup-Party vor der FC-Kurve mittendrin. Wenige Minuten nach dem Ärger um seine Gelb-Rote Karte wegen heftigen Protestierens war der impulsive Coach kräftig in Feierlaune.

Baumgart und Co. hüpften begeistert über den Rasen. Zuvor hatten die Kölner die Blamage am Balaton noch abgewendet und sich mindestens sechs weitere Festabende sowie wichtige Millionen-Einnahmen gesichert. Im Playoff-Rückspiel zur Conference League gewannen die Kölner beim Fehérvár FC in Ungarn mit 3:0 (1:0) und qualifizierten sich trotz der 1:2-Heimniederlage vor einer Woche noch für die Hauptrunde.

«Die Spieler sollen feiern, dann fliegen wir heim»

«Man redet oft vom Stolz. Das ging im letzten Jahr los, wir haben es weitergeführt. Die Jungs haben alles rausgehauen - mit Geduld und viel Spucke. Der ganze Verein hat was geschafft», sagte Baumgart beim TV-Sender RTL+. Seinen Platzverweis fand der Coach zu kleinlich: «Ich habe was falsch gemacht. Er (der Schiedsrichter) hat sich wahrscheinlich bedroht gefühlt.»

Damit ist die Bundesliga in der Gruppenphase des Europacups erstmals seit 14 Jahren mit acht Vereinen vertreten. Dem FC beschert die Qualifikation rund zehn Millionen Euro. Geld, das der finanziell angeschlagene und im Pokal bereits ausgeschiedene Club dringend benötigt. Innenverteidiger Timo Hübers (10.), Ellyes Skhiri (46.) und Kingsley Schindler (90.+4) erzielten die Treffer für das Team von Trainer Steffen Baumgart, der die letzten Minuten von der Tribüne aus verfolgen musste. Der Coach hatte Gelb-Rot gesehen, weil er sich zu lautstark beschwert hatte.

«Ich bin sehr erleichtert, dass wir es geschafft haben. Über 180 Minuten war es auch verdient. Die Spieler sollen feiern, dann fliegen wir heim», sagte Geschäftsführer Christian Keller und erinnerte an die tolle Entwicklung des FC: «Man muss nur schauen, wo der FC vor einem Jahr stand. Da hätte es jeder unterschrieben, auch nur ein einziges Playoff-Spiel zu bestreiten.»

Ein Selbstläufer wurde die Partie nicht

Rund 3000 Kölner Fans hatten sich am Mittag am Országalma-Brunnen in Szekesfehérvár getroffen und waren ganz in Rot zum Stadion gepilgert. Dabei blieb es größtenteils friedlich. Der FC hatte sich mit den Ungarn darauf geeinigt, dass das Gästekontingent von eigentlich 700 auf 2700 Tickets aufgestockt wurde. Vor Ort achteten die Organisatoren akribisch darauf, dass keine Gästefans in den Heimbereich gelangten, alle Tickets wurden personalisiert.

Baumgart schonte beim Anpfiff überraschend Jonas Hector, seinen Kapitän und Allesspieler. Wie vermutet und wie im Hinspiel übernahm der FC direkt die Initiative, doch wie im Hinspiel wehrten sich die Ungarn tapfer und setzten bei Kontern gefährliche Nadelstiche. Doch die schnelle Führung machte der FC, und das aus einer Standard-Situation, als Hübers eine Ecke von Florian Kainz einköpfte. Da die Auswärtstor-Regel abgeschafft wurde, war das Ergebnis aus dem Hinspiel damit schon egalisiert.

Ein Selbstläufer wurde die Partie für den Bundesligisten dennoch nicht. Der FC war klar dominant, zahlreiche Ecken und Flanken segelten in den Strafraum, die meisten wurden jedoch zur leichten Beute. Und trotz 13:2 Torschüssen bis zur Pause erzeugte nur der von Kainz aus etwa 20 Metern wirklich Gefahr (37.). Und so fiel das 2:0 auch nach einer Standard-Situation. Wieder war es ein Eckball von Kainz, Kristian Pedersen verlängerte, der starke Skhiri vollendete am langen Pfosten. Und die Kölner Fans sangen quasi in Endlosschleife: «Europapokal, wir sind wieder im Europapokal.»

Nun standen die Ungarn unter Zugzwang, doch FC-Keeper Marvin Schwäbe bestand seine erste Bewährungsprobe gegen Budu Zivzidadze mit Bravour (61.).

@ dpa.de