Kriminalität, Deutschland

Etwa jeder Dritte in Deutschland hat im eigenen Umfeld schon Wohnungseinbrecher erlebt.

26.12.2017 - 15:47:38

Strafen wurden verschärft - BKA erwartet weiteren Rückgang der Wohnungseinbrüche. Jahrelang stiegen die Fallzahlen auf ein besorgniserregendes Niveau. Doch die Entwicklung im zu Ende gehenden Jahr lässt hoffen.

Diesen Trend bestätigen die Versicherer. Sie erklären etwas vorsichtiger: "Zahlen der Versicherungswirtschaft bis September 2017 lassen im Vergleich zu 2016 auf einen Rückgang der Einbrüche in Deutschland hoffen", heißt es vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Das Bild könne sich aber noch deutlich ändern, da vor allem in den dunklen Monaten eingebrochen werde.

Höhere Strafen für überführte Täter, wie sie im ablaufenden Jahr beschlossen wurden, sehen die meisten Bundesbürger indes skeptisch: In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov meinte nur gut jeder zehnte Befragte, dass die Strafverschärfung helfe, Einbrüche zu verhindern.

2016 hatte es erstmals seit Jahren einen Rückgang der Einbrüche gegeben. Die Fälle waren bundesweit um 9,5 Prozent auf 151 265 zurückgegangen. Dabei blieb es in 66 960 Fällen bei Versuchen (44,3 Prozent). Abschließende Fallzahlen für 2017 gibt es voraussichtlich im Frühjahr 2018, wenn die offizielle Kriminalstatistik für Deutschland vorgestellt wird.

Aus Sicht der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) gibt es jedoch keine Entwarnung. Die gesunkenen Zahlen bei der Einbruchskriminalität seien nicht als Trendwende zu werten. Hinzu komme, dass die die Aufklärungsquoten nach wie vor überschaubar seien. Die Ursachen für die Entwicklung sind laut Rainer Wendt, dem Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft, vielfältig: "So haben Polizei und Staatsanwaltschaften durch Schwerpunktsetzung bei der Bekämpfung der Einbruchskriminalität das Personal verstärkt in diesem Phänomenbereich eingesetzt."

Das sei richtig so, denn kaum ein anderes Delikt berühre das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung so sehr, wie die Angst davor, Opfer von Kriminalität innerhalb der eigenen vier Wände zu werden. Außerdem habe ein verbesserter Informationsaustausch zwischen den Polizeibehörden der Länder und auch europaweit dazu geführt, dass schon sehr frühzeitig erkannt werde, wo reisende Täter am Werk seien. "Die steigende Zahl der versuchten Einbrüche deutet darauf hin, dass sich die Sicherheitstechnik verbessert hat und die Menschen ihr Eigentum besser schützen als früher", erläuterte Wendt.

Jahrelang hatten Einbrüche in Deutschland zugenommen und ein besorgniserregendes Niveau erreicht. Bei den Tatverdächtigen dominieren nach BKA-Angaben nach wie vor deutsche Staatsangehörige und "örtlich-regionale Täter" wie etwa Banden von Jugendlichen sowie Drogenkonsumenten. Kontinuierlich zugenommen habe aber der Anteil nichtdeutscher Verdächtiger und sogenannter reisender Täter, die in Banden zusammenarbeiteten, häufig aus Südost- und Osteuropa.

Ermittler und Politiker waren in den vergangenen Jahren unter Druck geraten, ihren Kampf gegen Einbrecher zu verstärken. Die schwarz-rote Bundesregierung sorgte zuletzt für eine Strafverschärfung, die seit dem Sommer gilt: Beim Einbruch in eine Privatwohnung ist jetzt eine Mindeststrafe von einem Jahr Haft statt sechs Monaten fällig. Der Rahmen reicht bis zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe.

Wie die YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab, glauben nur wenige an einen Erfolg: Rund 60 Prozent der Befragten meinten, dass die höhere Strafe "wahrscheinlich nicht" oder "bestimmt nicht" helfe, die Zahl der Einbrüche zu verringern. Nur insgesamt 12 Prozent meinten, dass die Strafverschärfung "wahrscheinlich" oder "bestimmt" helfe. 24 Prozent sagten "vielleicht". Die restlichen 4 Prozent antworteten mit "weiß nicht" oder machten keine Angabe.

Gleichzeitig gab sich die Mehrheit der Umfrageteilnehmer eher sorglos. Fast zwei Drittel (63 Prozent) sagten, sie fühlten sich in ihrer eigenen Wohnung sehr gut oder gut geschützt. Das übrige Drittel fühlt sich demnach eher nicht oder gar nicht gut geschützt.

30 Prozent sagten, sie hätten bereits besondere Maßnahmen zum Schutz vor Einbrüchen ergriffen, etwa in Form von einem zusätzlichen Schutz von Türen und Fenstern. 35 Prozent sagten hier Nein, gaben aber an, darüber nachzudenken. Weitere 30 Prozent meinten, sich bisher nicht besonders zu schützen und auch nicht darüber nachzudenken.

Die Versicherer wiesen darauf hin, dass gute Sicherheitstechnik den besten Schutz vor Einbrechern biete. "Wer zum Beispiel Fenster und Türen sichern möchte, bekommt sogar einen Zuschuss vom Staat. Anträge können bei der KfW-Bankengruppe gestellt werden", erläuterte der GDV.

Das BKA betonte, der Kampf gegen Einbrecher habe "angesichts der hohen Fallzahlen und der besonderen Bedeutung des Deliktes für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung" eine große Bedeutung. Er "bleibt auf der Prioritätenliste bei den Polizeien der Länder und des Bundes", erklärte BKA-Chef Münch. Aus seiner Sicht zeigen die jetzt sinkenden Fallzahlen, dass die Ermittler auf dem richtigen Weg seien.

Die Versicherer mahnten jedoch, selbst wenn sich der Rückgang für das Jahr 2017 bestätigen sollte, bleibe das Niveau der Einbruchszahlen hoch. Die Aufklärungsquote lag im Jahr 2016 bei 16,9 Prozent, im Jahr zuvor waren es gerade einmal 15,2 Prozent.

Etwa ein Drittel der Menschen in Deutschland hat laut YouGov bereits Erfahrung mit Wohnungseinbrechern machen müssen. 11 Prozent sagten, sie seien selbst von einem Einbruch in die Privatwohnung betroffen gewesen. Weitere 23 Prozent meinten, dass bei jemandem aus dem persönlichen Umfeld eingebrochen worden sei.

@ dpa.de

Amazon wird sich schwarzärgern, aber …

… wir schenken Ihnen den Report „Börsenpsychologie - Markttechnik für Trader“ heute trotzdem kostenfrei. Normalerweise kostet der Report im Onlinehandel 39,99 Euro.

Sie können sich den genialen Report heute jedoch absolut kostenfrei sichern. Wir senden Ihnen den Report vollkommen KOSTENFREI zu.

Jetzt HIER klicken und dank richtigen Timing reich an der Börse werden!

Weitere Meldungen

Schlag gegen mutmaßliche Schleuserbande - zwei Festnahmen. Sie würden einem Haftrichter vorgeführt, sagte eine Polizeisprecherin. Nach einem weiteren per Haftbefehl gesuchten Beschuldigten werde noch gefahndet. Der Einsatz im Auftrag der Berliner Staatsanwaltschaft richtete sich gegen einen polnisch-syrischen Familienverband, der Syrer vornehmlich aus den Golfstaaten über Polen nach Deutschland eingeschleust haben soll. Rund 300 000 Euro soll die mutmaßliche Schleuserbande so verdient haben. Berlin - Bei bundesweiten Razzien der Bundespolizei gegen eine mutmaßliche Schleuserbande sind zwei Verdächtige in Berlin festgenommen worden. (Politik, 17.01.2018 - 18:54) weiterlesen...

Razzien gegen mutmaßliche Schleuser-Bande. Die Ermittlungen richteten sich gegen eine syrisch-polnische Bande, teilte die Bundespolizeidirektion Pirna in Sachsen über Twitter mit. Schwerpunkt der Durchsuchungen sei Berlin. Nach noch unbestätigten Informationen des Mitteldeutschen Rundfunks geht es um einen polnisch-syrischen Familienverband, der gewerbsmäßig vor allem Menschen aus Syrien über Polen nach Deutschland eingeschleust haben soll. Pirna - Rund 170 Beamte der Bundespolizei sind am Mittwochmorgen in mehreren Bundesländern gegen mutmaßliche Schleuser vorgegangen. (Politik, 17.01.2018 - 12:46) weiterlesen...

Gnadengesuch von Ex-SS-Mann Gröning abgelehnt. Das teilte die Staatsanwaltschaft Lüneburg mit. Im Lüneburger Auschwitz-Prozess war Gröning 2015 zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der 96-Jährige soll nun zügig die Haft antreten. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte angekündigt, Gröning zeitnah die Ladung zum Strafantritt zu schicken. Eine Beschwerde aus Gesundheitsgründen hatte das Bundesverfassungsgericht abgewiesen. Lüneburg - Der wegen Beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen verurteilte frühere SS-Mann Oskar Gröning ist mit seinem Gnadengesuch gescheitert. (Politik, 17.01.2018 - 09:50) weiterlesen...

Nach Missbrauchsfall: Barley will «mehr Sachverstand» an Gerichten. «Dazu gehören auch verpflichtende Fortbildungen, die sich konkret auf das Thema Missbrauch und Gewalt beziehen», sagte sie der «Bild»-Zeitung. Der Fall des Neunjährigen war vergangene Woche bekannt geworden und hatte auch zu Kritik an Justiz und anderen Behörden geführt. Die Mutter und ihr Lebensgefährte sollen den Jungen übers Internet für Vergewaltigungen angeboten haben. Dabei hätte der einschlägig vorbestrafte Mann gar keinen Kontakt zu Minderjährigen haben dürfen. Berlin - Nach dem jahrelangen Missbrauch eines Neunjährigen im Raum Freiburg fordert Bundesfamilienministerin Katarina Barley «mehr Sachverstand an den Gerichten». (Politik, 17.01.2018 - 01:22) weiterlesen...

BKA nimmt kriminelle Tschetschenen in Deutschland ins Visier Das Bundeskriminalamt (BKA) richtet den Fokus auf kriminelle Netzwerke aus dem Nordkaukasus in Deutschland - und dort vor allem auf Täter mit tschetschenischer Herkunft. (Polizeimeldungen, 17.01.2018 - 01:03) weiterlesen...

Getötete 15-Jährige: Staatsanwaltschaft geht von Mord aus. Der mutmaßliche Täter habe in dem Drogeriemarkt unvermittelt mehrfach mit einem Messer auf die 15-Jährige eingestochen, für die der Angriff überraschend gekommen sei. Das teilte die Staatsanwaltschaft Landau in Rheinland-Pfalz mit. Die Ermittler gingen deshalb vom Mordmerkmal der Heimtücke aus. Das Mädchen, das sich erst einige Wochen zuvor von dem Verdächtigen getrennt hatte, wurde von mehreren Stichen verletzt, einer traf ins Herz und war tödlich. Landau - Dem Verdächtigen im Fall des getöteten Mädchens in Kandel legt die Staatsanwaltschaft jetzt Mord und nicht mehr Totschlag zur Last. (Politik, 16.01.2018 - 18:48) weiterlesen...