Kriminalität, Nordrhein-Westfalen

Etwa 1300 Polizisten rücken zeitgleich aus: Mit einer großen Razzia im Ruhrgebiet haben die Sicherheitsbehörden der Clankriminalität den Kampf angesagt.

13.01.2019 - 08:02:05

1300 Polizisten im Einsatz - Kampf gegen Clankriminalität: Razzia im Ruhrgebiet. Das NRW-Innenministerium spricht vom größten Einsatz gegen Clans in dem Bundesland.

Düsseldorf - Nach der groß angelegten Razzia gegen Clankriminalität im Ruhrgebiet wollen die nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden heute Ergebnisse des Einsatzes präsentieren.

Etwa 1300 Polizisten hatten am Samstagabend und am Sonntagmorgen zeitgleich unter anderem in Dortmund, Essen, Duisburg, Recklinghausen, Bochum und Gelsenkirchen zugeschlagen, um Shisha-Bars, Wettbüros, Cafés und Teestuben zu kontrollieren.

Nach Angaben des NRW-Innenministeriums handelte es sich um die größte Razzia gegen Clankriminalität in der Geschichte des Bundeslandes. Zum Abschluss der Kontrollen am frühen Sonntagmorgen zitierte das Ministerium auf Twitter Ressortchef Herbert Reul (CDU), der bei der Durchsuchung einer Diskothek in Essen dabei gewesen sei: «Diese Nacht hat eine klare Botschaft: Bei uns gilt nicht das Gesetz der Familie, sondern das Gesetz des Staates.»

Details zu den Einsätzen sollte es am Mittag geben. Es gehe um den Verdacht der Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit, hatten die Sicherheitsbehörden erklärt. «Die heutige Razzia liegt voll auf unserer Nulltoleranz-Linie. Diese verfolgen wir sehr konsequent und sehr kontinuierlich. Die kriminellen Clanmitglieder sollen merken, wir lassen sie nicht in Ruhe - zu keiner Zeit und an keinem Ort», sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) zu Beginn der Kontrollen der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

Die Polizei rückte am Samstagabend um 21.00 Uhr in den Revierstädten aus. Die Beamten wurden von Zoll, Finanzbehörden und Ordnungsamt unterstützt. Zudem gab es Verkehrs- und Personenkontrollen. In Essen wurde laut Polizei eine Person festgenommen. Zudem stellten Beamte unverzollten Tabak sicher. Shisha-Bars wurden wegen zu hoher Belastung mit Kohlenmonoxid geschlossen. «Wir verfolgen konsequent Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, die von einzelnen Mitgliedern der 'Familienclans' begangen werden», twitterte die Polizei. Auch in anderen Städten wie Mülheim, Witten und Herne liefen Maßnahmen.

Reul hatte die Bekämpfung der Clankriminalität zuletzt als große Herausforderung für die Sicherheitsbehörden bezeichnet. Das Treiben von rund 50 Clans in NRW besorge ihn «extrem», sagte Reul im Dezember. «Sie erheben den Anspruch, zu bestimmen, was auf der Straße passiert. Das ist ein frontaler Angriff auf den Rechtsstaat.»

Die deutsche Polizei geht immer wieder - und zuletzt verstärkt - gegen Clans und Mafia-Organisationen vor. Anfang Dezember hatten Ermittler bei Großrazzien gegen die italienische Mafia-Organisation 'Ndrangheta in Deutschland und anderen Staaten fast 90 Verdächtige festgenommen. Dabei geht es um Drogenhandel und Geldwäsche.

Vor allem in Nordrhein-Westfalen wurden nach Behördenangaben damals Vermögenswerte von mehreren Millionen Euro vorläufig beschlagnahmt. An den Durchsuchungsaktionen in Deutschland waren rund 440 Beamte beteiligt, es gab 14 Festnahmen.

Im vergangenen Juli und August war die Berliner Polizei mit einem Großaufgebot gegen kriminelle Mitglieder arabischstämmiger Großfamilien vorgegangen. Beamte durchsuchten Wohnungen und andere Objekte. Es gab vier Festnahmen, wie die Polizei mitteilte. Hintergrund auch dieser Razzia: der Verdacht des Drogenhandels im großen Stil.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Versuchter Mord: Elf Männer und zwei Frauen vor Gericht. Essen - Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen beginnt am Essener Schwurgericht heute der Prozess um einen versuchten Mord. Angeklagt sind elf Männer und zwei Frauen einer syrischen Großfamilie. Sie sollen am 31. Mai 2018 versucht haben, in Essen einen 19-jährigen zu skalpieren und zu töten. Das Opfer wurde lebensgefährlich verletzt. Laut Anklage sollte die Familienehre wiederhergestellt werden. Das Opfer hatte angeblich ein Verhältnis mit einer Frau der Familie, die nach islamischem Ritus mit einem anderen Mann verheiratet war. Versuchter Mord: Elf Männer und zwei Frauen vor Gericht (Politik, 22.01.2019 - 01:48) weiterlesen...

Über vier Jahre Haft für «Brummi-Andi». Das Landgericht Aachen verurteilte den 33-Jährigen zu vier Jahren und drei Monaten Haft. 20 Straftaten sahen die Richter als erwiesen an - unter anderem versuchte schwere Brandstiftung, Körperverletzung und Geldfälschung. Die im Raum stehende Sicherungsverwahrung verhängten die Richter nicht. Es wäre noch verfrüht, von einem Hang zu gefährlichen Straftaten zu sprechen, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Beneking. Aachen - Als Zwölfjähriger unternahm «Brummi-Andi» Spritztouren mit Lastwagen - jetzt ist der Serienstraftäter 33 Jahre alt und noch mal einer Sicherungsverwahrung entgangen. (Politik, 21.01.2019 - 18:56) weiterlesen...

Serienstraftäter - Über vier Jahre Haft für «Brummi-Andi». Dieses neue Kapitel von «Brummi-Andi» endete noch mit einer Haftstrafe - ohne Sicherungsverwarnung. Aber vom Richter kam so etwas wie eine Warnung. Wieder steht der Serientäter vor Gericht. (Politik, 21.01.2019 - 18:50) weiterlesen...

Einbrecher entschuldigt sich bei Bewohner - und flieht. Beute habe er nicht gemacht, sagte ein Polizeisprecher. Demnach war der 16 bis 20 Jahre alte Täter gewaltsam durch ein Fenster in das Einfamilienhaus eingestiegen. Dort sei er auf einen erschrockenen Jugendlichen gestoßen. Der Einbrecher entschuldigte sich und suchte das Weite. Beckum - Auch Einbrecher können höflich sein: Ein auf frischer Tat ertappter Eindringling hat sich im nordrhein-westfälischen Beckum beim Hausbewohner entschuldigt - und ist dann durch die Haustür wieder verschwunden. (Politik, 21.01.2019 - 12:48) weiterlesen...

Prozess um 72 Straftaten - Urteil für Serienstraftäter «Brummi-Andi» erwartet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 72 Straftaten vor, unter anderem Zwangsprostitution, Zuhälterei und eine Reihe von Verkehrsdelikten. Aachen - Im Prozess gegen einen Serienstraftäter, der bundesweit als «Brummi-Andi» wurde, werden heute und Urteil erwartet. (Politik, 21.01.2019 - 05:06) weiterlesen...

Einbrecher entschuldigt sich bei Bewohner - und geht wieder. Er war gewaltsam durch ein Fenster in das Haus eingestiegen. Dann traf er in den Räumen auf den Bewohner. Der unbekannte Täter ist der Beschreibung zufolge etwa 16 bis 20 Jahre alt und schlank. Beckum - Auch Einbrecher können höflich sein: Ein auf frischer Tat ertappter Eindringling hat sich im nordrhein-westfälischen Beckum beim Bewohner eines Einfamilienhauses entschuldigt - und ist dann durch die Haustür wieder verschwunden. (Politik, 20.01.2019 - 23:46) weiterlesen...