Unwetter, Sturmtief Franz

Es war womöglich ein Tornado, der in dem kleinen Ort Roetgen Dächer abgedeckt und die Bewohner erschreckt hat.

13.03.2019 - 22:04:35

Ein Verletzter - Tornadoartiger Wind deckt in Roetgen Dächer ab. Zwei Häuser haben kein Obergeschoss mehr. Zum Glück gab es nur einen Leichtverletzten.

  • Brocken - Foto: Bernd März

    Auf dem Brocken weht der Wind in Orkanstärke. Foto: Bernd März

  • Sturmtief «Franz» - Foto: Bernd März

    Das Sturmtief «Franz» ist auf dem Brocken angekommen. Bei ?4 °C und Böen von mehr als 117 Stundenkilometern verursachte das Tief einen regelrechten Schneesturm. Foto: Bernd März

  • Windräder - Foto: Fabian Sommer

    Es wird windig: Böen bis zu 100 Stundenkilometer werden erwartet. Foto: Fabian Sommer

  • Tornado-Wind deckt in Roetgen Dächer ab - Foto: Ralf Roeger

    Beschädigtes Haus in Roetgen in der Eifel. Foto: Ralf Roeger

Brocken - Foto: Bernd MärzSturmtief «Franz» - Foto: Bernd MärzWindräder - Foto: Fabian SommerTornado-Wind deckt in Roetgen Dächer ab - Foto: Ralf Roeger

Roetgen - Ein tornadoartiger Starkwind hat am Mittwochnachmittag in der Eifelgemeinde Roetgen Dächer abgedeckt und rund 30 Häuser beschädigt.

«Zehn Häuser davon sind nicht mehr bewohnbar», sagte ein Sprecher der Feuerwehr-Einsatzleitung der Städteregion Aachen am Mittwochabend der Deutschen Presse-Agentur. Zwei Häuser hätten kein Obergeschoss mehr. Es habe einen Leichtverletzten gegeben, der vorsorglich mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht worden sei.

Auf einem Video, das der WDR via Twitter verbreitete, ist zu sehen, wie eine deutlich erkennbare Windhose über den Ort zieht. «Er ist durchgefegt, kurz und heftig», beschrieb der Sprecher der Feuerwehr-Einsatzleitung den Sturm. Dieser habe sich danach schnell wieder verzogen. Schäden gebe es relativ konzentriert an zwei Straßen. Eine davon ist die kleine Straße Kuhberg: Die Schäden wurden von der Dunkelheit verschluckt. Nur wo Technisches Hilfswerk und Feuerwehr ihre Strahler hatten, wurde die Kraft der Zerstörung sichtbar. Ein knorriger, alter Baum ist mit seiner Krone in ein Dach geschlagen, ragte noch halbseitig geradezu gespenstig heraus.

Einigen Menschen sah man den Schreck noch an, wie der zierlichen Frau, die sich mit beiden Händen den Kopf hielt, ihn immer wieder ungläubig schüttelte. «Mein Mann und ich haben das zusammen aufgebaut. Jetzt wohnt mein Sohn drin», sagte sie und schaute in die Dunkelheit. Kurz danach wurde im Schein von Strahlern ein abgedecktes großes Dach sichtbar. Gardinen wehten durch den Fensterrahmen. Der Sohn sei noch nicht zu Hause, sagte die Frau.

«Durch den Druck sind die Fensterscheiben kaputt gegangen», stellte Glasermeister Sascha Jansen fest - und dies an mindestens 20 Häusern in der kleinen Straße. Der Wind habe das Glas in die Zimmer gedrückt. «So was habe ich noch nicht gesehen», schüttelte er ungläubig den Kopf. Mit einem Glaser-Team sei er vor Ort. Aber das zweite Team sei schon unterwegs.

«Mein Freund sucht Hilfe», erzählte Axel Cziesla, vor dessen Haus wartend. Das Dach sei abgedeckt und müsste schnell provisorisch repariert werden. «Wenn es wieder regnet, ist alles hin.» Kurz danach begann es kräftig zu hageln.

Die Roetgener halten zusammen, stellte Bürgermeister Jorma Klauss fest. Ein Hotelier habe kostenlos Zimmer und Logis angeboten, weil mehrere Häuser unbewohnbar seien. Natürlich habe der Sturm die 8600-Einwohner-Gemeinde hart getroffen. «Aber wir sind gefasst, bei uns bricht keine Panik aus», sagte er. Auch die Häuser im Ort seien solide: «In der Eifel baut man stabil.»

In der Grundschule in Roetgen wurde eine Betreuungsstelle eingerichtet. Die Feuerwehr schätzte, dass etwa 30 Menschen vorübergehend eine andere Unterkunft bräuchten. Es sei aber davon auszugehen, dass in der Ortschaft an der belgischen Grenze viele von ihnen bei Verwandten oder Bekannten unterkommen könnten.

Feuerwehr und Rettungsdienst waren mit mehr als 200 Kräften im Einsatz. Hinzu kamen rund 30 Polizisten. Der Deutsche Wetterdienst bestätigte, dass ein Gewitter über die Eifel gezogen sei. Ob der Sturm als Tornado einzustufen sei, müsse noch geprüft werden, sagte eine DWD-Meteorologin.

Unter Tornados verstehen Wetterkundler des Deutschen Wetterdienstes eine Luftsäule mit Bodenkontakt, die um eine mehr oder weniger senkrecht orientierte Achse rotiert und sich dabei unter einer tiefen Wolkenbasis befindet. Weitere Voraussetzungen für das Entstehen sind laut DWD starke Temperaturgegensätze, aufsteigende Luft und die Zunahme der Windgeschwindigkeit. 2018 hatte der DWD deutschlandweit 17 nachgewiesene Tornado-Ereignisse registriert, davon 4 in NRW.

Die Dunkelziffer ist hoch, da Tornados nur durch Augenzeugen bestätigt werden können. Außerdem entstehen sie unvorhersehbar innerhalb weniger Minuten und sind oft ebenso schnell vorüber. Jeder Tornado ist gefährlich. Es kann dabei immer Todesopfer geben, warnen die Experten.

@ dpa.de

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