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Geschichte, Gesellschaft

Es ist eines der düstersten Kapitel in der Geschichte Australiens: Jahrzehntelang wurden Kinder der Ureinwohner verschleppt und zu Weißen «umerzogen».

06.08.2021 - 19:20:10

Indigene Völker - «Stolen Generations»: Australien geht seine Vergangenheit an. Jetzt zeigt die Regierung Reue.

80 Millionen Dollar Entschädigung

378,6 Millionen australische Dollar (236 Millionen Euro) will die Regierung ab 2022 für die Entschädigungen aufwenden. Premierminister Scott Morrison sprach von einem «seit langem bestehenden Problem von nationaler Bedeutung», das nun angegangen werde.

Sprecher der indigenen Völker begrüßten den Vorstoß als wichtigen Schritt. «Viele aus den Gestohlenen Generationen hatten das Gefühl, dass sie den Kampf nie gewinnen könnten, dass die Regierung warten würde, bis sie alle starben, bevor sie etwas tut», sagte Maisie Austin, die Leiterin der «Stolen Generations Aboriginal Corporation». Sie sprach von einem «sehr emotionalen, sehr aufregenden» Moment.

Überlebende bekommen auch die Möglichkeit, ihre Geschichte einem Regierungsbeamten zu erzählen, diese anerkennen zu lassen und eine persönliche oder schriftliche Entschuldigung zu erhalten. Dies könnte ein wichtiger Schritt in Richtung Heilung des australischen Traumas sein. Das Vorhaben erinnert an die von Nelson Mandela eingesetzte Wahrheits- und Versöhnungskommission, die in den 1990er Jahren in Südafrika Verbrechen während der Apartheid untersuchte. Opfer und Täter traten in einen Dialog, um eine Aussöhnung zu ermöglichen.

Aborigines sterben acht Jahre früher

Ob das auch in Australien möglich ist, bleibt abzuwarten. Aborigines leben zumeist am Rande der Gesellschaft, sie sind oft von Armut, Alkoholismus und Krankheit betroffen. Das führt auch zu einer geringeren Lebenserwartung. Laut Regierungsstatistiken sterben Aborigines etwa acht Jahre früher als andere Australier.

Regierungschef Morrison hofft, dass sich die Entschädigungen «positiv auf die Gesundheit und das Wohlergehen der Überlebenden von Stolen Generations, ihrer Familien und Gemeinschaften auswirken werden».

Ab März können Ureinwohner einen Antrag stellen und eine einmalige Zahlung von 75 000 australischen Dollar (47 000 Euro) als «Anerkennung des Leids» sowie weitere 7000 australische Dollar (4400 Euro) zur «Erleichterung der Heilung» erhalten.

Die gestohlenen Jahre und die gestohlene Kultur kann jedoch kein Geld zurückbringen. «Sie haben uns mitgenommen, von der Brust unserer Mutter gerissen und gesagt, dass es das Beste sei», heißt es im Lied von Archie Roach. Der 65-Jährige mit der markanten Stimme war selbst eins dieser Kinder. «Als wir aufwuchsen, fühlten wir uns allein. Weil wir uns weiß verhielten und dabei schwarz fühlten», singt er.

Hal Hart - als Zehnjähriger verschleppt und heute 79 Jahre alt - bringt es auf den Punkt: «Das Trauma, das ich alleine und ohne meine Familie durchmachen musste, war hart, ich leide noch immer darunter.» Dann fügt er hinzu: «Diese Entschädigung reicht bei weitem nicht aus, um das zu kompensieren, was wir durchgemacht haben.»

© dpa-infocom, dpa:210806-99-748583/3

@ dpa.de