Terrorismus, Gedenken

Es ist ein schwerer Tag für Angehörige und Verletzte.

19.12.2017 - 06:48:06

Mahnmal wird enthüllt - Berlin gedenkt der Opfer des Terroranschlags vor einem Jahr. Sie müssen damit klarkommen, dass gerade der erste Jahrestag des Anschlags auf einen Berliner Weihnachtsmarkt schlimme Erinnerungen hochspülen kann. Die Hauptstadt hat ein würdiges Gedenken geplant.

Berlin - Berlin gedenkt der Opfer des Terroranschlags auf einen Weihnachtsmarkt vor einem Jahr. Angehörige der zwölf Todesopfer sowie Verletzte werden heute an der Gedächtniskirche ein Mahnmal enthüllen.

Ein knapp 17 Meter langer, goldener Riss im Boden soll die tiefe Wunde symbolisieren, die das Attentat im Lebender Betroffenen hinterließ. In den Treppenstufen vor der Kirche sollen zudem die Namen der Toten die Erinnerung wachhalten.

Bei dem schwersten islamistischen Anschlag in Deutschland war der Attentäter Anis Amri am Abend des 19. Dezember 2016 mit einem gekaperten Laster in den Weihnachtsmarkt gerast. Elf Menschen starben, den polnischen Lastwagenfahrer hatte der Terrorist zuvor erschossen. Annähernd 100 Menschen wurden verletzt. Amri wurde wenige Tage später auf der Flucht in Mailand von italienischen Polizisten erschossen.

Zu dem nicht öffentlichen Gedenken auf dem abgesperrten Breitscheidplatz werden auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet. Steinmeier wird zu den Opfern bei einer Andacht in der Kirche sprechen. Am Nachmittag ist eine Gedenkstunde im Abgeordnetenhaus geplant. Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) hatte einen «Tag der Stille, Ruhe und der Einkehr» angekündigt.

Als amtierender Bundesratspräsident teilte Müller mit, «das Schicksal der Betroffenen, der Toten und Verletzten, ihrer Freunde und Familien lässt uns nicht los.» Das unfassbare Geschehen werde nicht vergessen. Der 19. Dezember 2016 habe sich in das kollektive Gedächtnis der Stadt eingebrannt. Der Ort, an dem Menschen die Weihnachtszeit genießen wollten, sei in kürzester Zeit ein Ort der Trauer und des Leids geworden.

Zu einer Mahnwache an der Gedächtniskirche sind ab 14.00 Uhr alle Bürger eingeladen. Der erste Jahrestag des Terroranschlags soll mit einem Gebet in der Gedächtniskirche, einer Friedenskundgebung auf dem Platz und einer Lichterkette zu Ende gehen. Ab 20.02 Uhr, dem Zeitpunkt des Anschlags vor einem Jahr, werden die Kirchenglocken zwölf Minuten lang läuten - zum Gedenken an die zwölf Todesopfer.

Gestern hatte Merkel etwa 80 Opfer und Hinterbliebene im Kanzleramt empfangen. Sie hatten der amtierenden Regierungschefin zuvor in einem offenen Brief Versagen vorgeworfen und kritisiert, dass sie nicht persönlich kondoliert habe.

Das Treffen im Kanzleramt dauerte mit etwa drei Stunden deutlich länger als geplant. «Es waren sehr intensive Gespräche», sagte der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Kurt Beck, der Deutschen Presse-Agentur. «Es war sehr gut, dass die Kanzlerin das gemacht hat, das hat zur Entspannung geführt».

Beck hatte in seinem Abschlussbericht Versäumnisse der Behörden bei der Betreuung der Opfer aufgelistet und Änderungen vorgeschlagen. Kernpunkte sind höhere Entschädigungen und der Aufbau zentraler Anlaufstellen für Opfer beim Bund und in den Ländern. Nach dpa-Informationen will sich die Kanzlerin im Herbst 2018 erneut mit Angehörigen von Opfern des Anschlags treffen. Dann soll berichtet werden, was die Bundesregierung bis dahin an Änderungen umgesetzt habe.

Der komplette Breitscheidplatz und mehrere angrenzende Straßen werden bis zum Abend des Jahrestages abgesperrt sein. Die Organisatoren rechnen mit mehreren hundert Menschen bei den verschiedenen Veranstaltungen. Rund um die Gedächtniskirche und den Kurfürstendamm wird mit starken Verkehrsbehinderungen gerechnet.

@ dpa.de

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