Energie, Öl

«Es geht um mein Leben, und darüber bestimme ich»: Der Altkanzler hält an seinem geplanten Rosneft-Engagement fest.

31.08.2017 - 12:07:25

Kritik am Altkanzler - Schröder will bei Rosneft einsteigen: «Ich werde das tun». Rückendeckung erhält er von Außeminister Gabriel.

Rotenburg - Trotz harscher Kritik will Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) das Angebot annehmen, in den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft einzuziehen.

«Ich werde das tun. Es geht um mein Leben, und darüber bestimme ich - und nicht die deutsche Presse», sagte Schröder am Mittwochabend bei einem Wahlkampfauftritt im niedersächsischen Rotenburg an der Wümme. Er wolle dabei mithelfen, die Energiesicherheit Deutschlands und Europas zu sichern. 

Die Personalie hatte vor allem bei Union und Opposition Kritik ausgelöst - auch weil Rosneft wegen der russischen Beteiligung am Krieg in der Ostukraine im Herbst 2014 mit EU-Sanktionen belegt worden ist. Selbst SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz distanzierte sich von Schröders Plänen. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hingegen stellte sich am Mittwochabend erneut hinter Schröder und warf der Union eine bewusste Skandalisierung der Ambitionen des Altkanzlers vor.  

Ob er bei dem Ölriesen sogar den Vorsitz des Aufsichtsrates übernehmen soll, wie russische Medien weiter berichteten, ließ Schröder am Mittwoch zunächst offen. Der Sozialdemokrat erklärte zu seinen Beweggründen, es sei aus ökonomischen und politischen Gründen nicht vernünftig, Russland zu isolieren. «Die Dämonisierung Russlands hilft keinem.» Rosneft sei keineswegs «der verlängerte Arm der russischen Regierung». So seien auch British Petroleum (BP), Katar oder Glencore an dem weltgrößten Ölkonzern beteiligt. Das neunköpfige Aufsichtsgremium (Board) sei nicht russisch dominiert.

Auf die Frage, ob er nicht fürchte, von Russlands Präsident Wladimir Putin als Aushängeschild bei Rosneft benutzt zu werden, antwortete Schröder: «Ich bin nicht benutzbar.» Er habe auch nicht den Eindruck, dass Putin dies mit ihm vorhabe, sagte Schröder. Seine Wahl in den Rosneft-Aufsichtsrat ist für den 29. September geplant.

Schröder machte deutlich, für wie überzogen er die Kritik an seinem geplanten Engagement hält. Man sollte sich einmal vorstellen, er würde für den US-Ölkonzern Exxon in den Aufsichtsrat gehen. «Wie wäre wohl die Reaktion der Presse? Alle wären begeistert, keiner würde über die Beweggründe nachdenken.» 

Er habe kein Problem mit dem Rosneft-Job, «und ich denke gar nicht daran, mir eins machen zu lassen», unterstrich Schröder. Rosneft sei der weltgrößte Erdölkonzern mit wichtigen Beziehungen auch zu Deutschland. Ein erheblich Teil des deutschen Ölbedarfs werde aus Russland gedeckt. Er habe Interesse, noch was zu bewegen. Immer dann, wenn es keine guten Beziehungen zwischen Deutschland und Russland gegeben habe, «war es nicht gut für Europa». Ihm gefalle aber auch nicht alles, was Russland auf der Welt tue.

Gabriel sagte in einem live im Internet übertragenen «Spiegel»-Interview zu der Kritik an Schröders Ambitionen: «Ich glaube, dass in Wahrheit ein politisches Spiel stattgefunden hat. Dass Schröder, Klammer auf, SPD, Klammer zu, dazu benutzt wurde, um die Sozialdemokraten damit zu triezen.» Und weiter: «Es gibt kein Erkenntnisinteresse, es gibt ein Interesse, das zu skandalisieren.»

Der Union hielt Gabriel vor, in anderen Situationen die Russland-Kontakte Schröders genutzt zu haben. Er nannte die Vermittlung bei einer Geiselnahme deutscher OSZE-Beobachter in der Ostukraine. Zu den Berichten, nach denen Schröder den Chefposten im Rosneft-Aufsichtsrat übernehmen soll, sagte der Vizekanzler: «Wenn er Chef ist, umso besser, hat er ein bisschen was zu sagen.» Soweit er wisse, sei Schröder auch nicht von der russischen Regierung, sondern von BP für den Aufsichtsratsposten vorgeschlagen worden.

Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hingegen kritisierte Schröders geplantes Engagement. «Ich wundere mich, wie wenig Widerstand aus seiner eigenen Partei kommt», sagte er in Kulmbach bei einem Wahlkampfauftritt für die CSU. Schröder bezeichnete er als «Gazprom-Gerd» - und witzelte weiter: «Alte Liebe Rosneft nicht.»

Schröder ist seit dem Ende seiner aktiven Politikerkarriere Vorsitzender des Aktionärsausschusses für die Ostsee-Pipeline Nord Stream. Der russische Staatskonzern Gazprom hält die Mehrheit an dem Konsortium.

@ dpa.de

Amazon wird sich schwarzärgern, aber …

… wir schenken Ihnen den Report „Börsenpsychologie - Markttechnik für Trader“ heute trotzdem kostenfrei. Normalerweise kostet der Report im Onlinehandel 39,99 Euro.

Sie können sich den genialen Report heute jedoch absolut kostenfrei sichern. Wir senden Ihnen den Report vollkommen KOSTENFREI zu.

Jetzt HIER klicken und dank richtigen Timing reich an der Börse werden!

Weitere Meldungen

Energiepreise zum Jahresstart - Heizöl und Sprit teurer, Gas billiger. Im Januar seien die Preise um 2,7 Prozent gegenüber dem Dezember gestiegen, wie aus einer Untersuchung der European Climate Foundation (ECF) hervorgeht. Berlin/Hamburg - Heizöl ist einer Analyse zufolge für die deutschen Verbraucher so teuer wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. (Wirtschaft, 17.02.2018 - 08:57) weiterlesen...

Heizöl und Sprit teurer, Gas billiger. Im Januar seien die Preise um 2,7 Prozent gegenüber dem Dezember gestiegen. Das geht aus einer Untersuchung der European Climate Foundation hervor. Bei Kraftstoffen mussten Autofahrer ebenfalls mehr ausgeben, hier war das Plus aber deutlich geringer. Erdgas wurde im Januar dagegen im Monatsvergleich etwas günstiger. Berlin - Heizöl ist einer Analyse zufolge für die deutschen Verbraucher so teuer wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. (Politik, 17.02.2018 - 08:24) weiterlesen...

Ölpreise steigen zum Wochenschluss. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April kostete am späten Nachmittag 64,91 US-Dollar. Das waren 58 Cent mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im März stieg um 31 Cent auf 61,65 Dollar. NEW YORK/LONDON - Die Ölpreise haben am Freitag zugelegt. (Boerse, 16.02.2018 - 18:03) weiterlesen...

Ölpreise steigen moderat. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April kostete am Morgen 64,65 US-Dollar. Das waren 32 Cent mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im März stieg um 33 Cent auf 61,67 Dollar. SINGAPUR/FRANKFURT - Die Ölpreise sind am Freitag im frühen Handel moderat gestiegen. (Boerse, 16.02.2018 - 07:53) weiterlesen...

Ölpreise sinken nach starken Vortagesgewinnen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April kostete am späten Nachmittag 63,26 US-Dollar. Das waren 1,10 Dollar weniger als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im März sank um 65 Cent auf 59,95 Dollar. Am Morgen hatten die Ölpreise noch an die starken Gewinne vom Vortag anknüpfen können und waren deutlich gestiegen. NEW YORK/LONDON - Die Ölpreise sind am Donnerstag gesunken. (Boerse, 15.02.2018 - 17:22) weiterlesen...

Ölpreise uneinheitlich nach starken Vortagesgewinnen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April kostete 64,27 US-Dollar. Das waren neun Cent weniger als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im März stieg hingegen um 21 Cent auf 60,81 Dollar. NEW YORK/LONDON - Die Ölpreise haben sich am Donnerstagmittag uneinheitlich gezeigt. (Boerse, 15.02.2018 - 12:57) weiterlesen...